
Gestern besuchte ich mal wieder einen alten Holunder am Waldrand von dem ich weiss, dass Judasohren auf ihm wachsen.
Ich finde sie sehr interessant, je nach Feuchtigkeit, verändern die frostresistenten Speisepilze ihr Aussehen. In der asiatischen Küche sind sie in vielen Gerichten zu finden und als Vital-/Heilpilze haben sie ebenfalls einen guten Ruf, zum Beispiel als «Augenschwamm».
Judasohren (Auricularia auricula-judae) trocknen bei fehlender Feuchtigkeit so stark ein, dass man zuweilen glauben könnte, die dürren Gebilde seien abgestorben. Doch kaum ist das lebenserweckende Nass zurück, quellen die Fruchtkörper wieder auf und erreichen dabei ein Vielfaches der Grösse des trockenen Zustands. Das beobachte ich seit Jahrzehnten an unseren Judasohren im Garten. Auf diesem Bild seht ihr aufgequollene Judasohren nach einem Regen.


Man findet sie eigentlich mehr oder weniger das ganze Jahr über, auch wenn in Pilzbüchern steht «von August bis März». Vielleicht aber sind sie ja nur in dieser Zeit geniessbar. Frost macht ihnen nichts aus; Eis und Schnee können ihnen nicht schaden. Sie mögen es gesellig und bilden oft, wie auf diesem Bild, ganze Kolonien.
Am ehesten findet ihr das Judasohr auf alten Holunderstämmen, die müssen nicht unbedingt bereits abgestorben sein.
Unser eigene Holunder (Bild) ist bereits jahrzehntealt und obwohl er seit mehreren Jahren von Judasohren bewachsen ist, noch immer fit. Er treibt Jahr für Jahr neu aus und schenkt mir im Herbst seine feinen Beerenfrüchte. Im Winter jedoch, da sieht er am Stamm schon aus, als wäre er wirklich tot.
Dass der Holunder noch immer lebt ist eigentlich erstaunlich, denn das Judasohr ist ein Weissfäuleerreger und Weissfäule kann Bäume zum Absterben bringen.


Judasohren (Auricularia) sind mit verschiedenen Arten weltweit verbreitet. Vor allem der verwandte Mu-Err (Auricularia cornea) wird kommerziell angebaut und findet sich in vielen Gerichten der asiatischen Küche. Ich habe sogar bei uns im Dorf bei einem Detailhändler getrocknete Mu-Err aus Vietnam im Regal gefunden.
Bis jetzt habe ich erst einmal Mu-Err gegessen und zwar in einer chinesischen Suppe; es war das erste und letzte Mal. Ich mag das Mundgefühl nicht wirklich, ein wenig ein «Gschlüdder» und so geschmackvoll finde ich den Pilz jetzt auch nicht.
Da der Pilz für seine entzündungshemmende Wirkung bekannt ist, zudem den Cholesterinspiegel senken soll und sich auch auf den Kreislauf positiv auswirke, wird das Judasohr auch als Vital-/Heilpilz verwendet. Vornehmlich in der Naturheilkunde oder in der traditionellen chinesischen und japanischen Medizin.
Judasohren werden auch als Holunderpilz oder Wolkenohr bezeichnet, oder als Augenschwamm («Augenschwümmli»): «in Wasser eingeweicht und aufs Auge gelegt, hilft gegen Augenentzündungen» (123Pilzsuche).


Findet ihr sie, auf dem Stamm unseres alten Holunders? Wenn man nicht explizit nach ihnen sucht, kann man die Judasohren schon mal übersehen. Wie bereits erwähnt, hat sich «meine» Judasohrenkolonie auf dem Holunder auf ein paar wenige Pilze reduziert.
Ich betrachte sie sehr gerne, wie sie ständig ihr Aussehen verändern, je nach Feuchtigkeit, mal sind sie aufgeschwollen und erinnern in ihrer Form tatsächlich an Ohrmuscheln und ihre Oberfläche ist fein wie Samt, oft mit adrigen runzeligen Leisten durchzogen. In trockenen Zeit hängen sie schlaff herunter und werden dürr.
Wie immer zum Schluss noch der Hinweis auf die Namensherkunft (Wikipedia):
«Judas Ischariot, der Jünger, der Jesus verriet, soll sich der Legende zufolge anschließend an einem Holunderbaum erhängt haben. Der Tatsache, dass sie besonders häufig an diesem Substrat wachsen und zudem ein ohrenähnliches Aussehen aufweisen, verdanken die Judasohren ihren Namen. Eine entsprechende Namensgebung findet sich auch in vielen anderen europäischen Sprachen«.





