Wiesen-Schaumkraut, das «Bettseicherli» der Schweizer

Lila färbt es jetzt wieder die Wiesen, das Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis). Die Schweizer Mundart hat wenig schmeichelhafte Bezeichnungen parat für das hübsche Kräutlein, das man auch in der in der Küche verwenden kann: «Bettseicherli» und «Schiissgelte» zum Beispiel.

Das Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) zählt für einmal nicht zu den giftigen Hahnenfussgewächsen, wie die kürzlich hier portraitierten Pflanzen, sondern zu den Kreuzblütengewächsen. Seine zarten Blätter, die jungen Triebspitzen wie auch die Blütenknospen schmecken pfeffrig-scharf und gelten als wunderbares Gewürz für Salate, Suppen, oder Saucen. Rudi Beiser erwähnt in seinem Buch «Unsere essbaren Wildpflanzen» einen wahren Krafttrunk. Ihr findet dazu das Rezept am Schluss des Beitrags.

Auch die Insekten mögen das Wiesen-Schaumkraut; Bienen aller Art, Schwebfliegen und Falter besuchen die hell-lila, bis dunkel-lila und zuweilen sogar weissen Blüten und bestäuben sie beim Nektar tanken.

Das 30-60 cm hoch wachsende Kräutlein zählt zu den sogenannten Saftdruckschleudern, genauso wie das hier ebenfalls bereits vorgestellte Behaarte Schaumkraut: Die nach der Befruchtung gebildeten Schoten enthalten hellbraune Samen. Bei Reife platzen sie auf und schleudern ihre Samen bis in eine Entfernung von über zwei Metern. Das Wiesen-Schaumkraut vermehrt sich jedoch auch vegetativ: Sobald die grundständigen Blätter feuchten Boden berühren, bilden sich wurzelnde Brutknospen und es entstehen neue, eigenständige Pflanzen.

Die Blütenfarbe kann stark variieren, von dunkel-lila, hell-lila bis zu reinweiss, wie diese abgebildete Blüte. Bei genauer Betrachtung entdeckt ihr auf den lila farbigen Blütenblättern dunkle Adern.

Man findet das Wiesen-Schaumkraut bei uns noch recht häufig, auch in gedüngten, eher feuchten Wiesen, ihr könnt ihm aber auch an Gewässerufern oder in Auwäldern begegnen.

Was den Trivialnamen «Bettseicherli» (Bettnässer) betrifft – der übrigens auch für andere Pflanzen verwendet wird – habe ich folgende Theorie: Diese Pflanzen haben eine stark harntreibende Wirkung, was folglich in der Nacht zu Missgeschicken führen kann.

Der «Schaum» im Namen kommt übrigens daher, dass an der Pflanze oft Kuckucksspeichel anhaftet. Hinter diesem steckt die Wiesenschaumzikade, die bevorzugt an ihrem Kraut saugt. Ihre Weibchen legen die Eier darauf ab und schützen sie mit Schaumballen. Mancherorts kennt man das Wiesenschaumkraut auch als Kuckucksblume. Kuckuck deshalb, weil der Schaum gehäuft in dem Zeitraum beobachtet werden kann, in welchem der Kuckuck ruft. Aber: Auch der Trivialname Kuckucksblume wird je nach Region oft auch für andere Pflanzen verwendet.

Und hier noch wie versprochen das Rezept von Rudi Beiser zum Krafttrunk:

150 Gramm Wiesen-Schaumkraut (auch gemischt mit Behaartem Schaumkraut/Cardamine hirsuta, Löwenzahn und Gierschblättern) zusammen mit 2 Bananen, 1 Apfel, 300 ml Orangensaft und etwas Zitronensaft pürieren. Ist der Trunk zu dickflüssig, einfach mit etwas zusätzlichem Apfelsaft verdünnen.

Aber Achtung, Wiesen-Schaumkraut nur wohldosiert verwenden, sonst kann es die Nieren reizen!

Nun wünsche ich Euch noch einen gefreuten Ostermontag, heute finden nun auch bei uns die Familienfeierlichkeiten im grösseren Rahmen statt,

herzlich, Gaby Kistler

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