
Ich hoffe sehr, dass es nach 2022, welches ein richtiges Wespenspinnenjahr in meinem Garten war, auch heuer mal wieder einige dieser wunderschönen Spinnen zu beobachten gibt.
Nur die Weibchen haben diese auffällig schöne Zeichnung die stark an eine Wespe erinnert. Die Männchen sind kleiner und unauffällig, zudem leben sie gefährlich.
Die Wespenspinne (Argiope bruennichi), auch als Zebraspinne bekannt, mag es sonnig warm und bevorzugt ungemähte Flächen wo sie während des Sommers nicht gestört wird. Auf diesem Bild seht ihr in ihrem Radnetz auffällig weisse Zickzack-Bänder, sogenannte Stabilimente. Sie sind typisch für ein Netz der Wespenspinne und machen dieses tatsächlich stabiler bei allfälligen Störungen, beispielsweise durch starken Wind. Oder wenn sich eine Heuschrecke darin verfängt, die zu ihren Leibspeisen zählt. Ihr Netz befindet sich denn auch meistens auf der Höhe ihrer Beute.


Die Weibchen werden mit stattlichen zwei Zentimetern recht gross, während die Männchen mit lediglich 0,5 cm viel kleiner und schmaler sind. Die armen Herren werden nach der Paarung im Juli/Augst fast immer von den Damen gefressen. Ein Schicksal, das bekanntlich auch andere Insektenmännchen mit ihnen teilen.
Bis die ersten Fröste kommen, spinnen die Weibchen bis zu drei Kokons, von denen jeder mehr als 100 Eier enthalten kann. Sie hängen sie in Netznähe auf.
Meistens hängen dieses Kokons irgendwo in den Stauden und nicht wie hier, allen Blicken ausgesetzt an einer Hauswand. Nicht selten nämlich sehen die Vögel diese als willkommenen Proviantbeutel. Zudem landen viele der Kokons mit dem Gartenabraum im Herbst in der Grüntonne und damit auch gleich die nächste Wespenspinnengeneration.
Übersteht jedoch der «Tabaksbeutel» – wie der Kokon im Volksmund wegen seines Aussehens genannt wird – alle Widrigkeiten und Gefahren, schlüpfen die Jungen noch im selben Jahr. Doch erst im nächsten Frühling verlassen sie die schützende Hülle.


Die Wespenspinne ist für uns Menschen nicht giftig, auch wenn sie uns – sollten wir sie bei Gartenarbeiten in arge Bedrängnis bringen – auch mal mit ihren Giftklauen kurz zwicken kann. Selten kommen danach Schwellungen und Rötungen vor. Normalerweise können sie jedoch die menschliche Haut nicht durchdringen, höchstens an Orten, wo diese sehr dünn und daher empfindlich ist.
Übrigens: Die Wespenspinne ist ein sehr gutes Beispiel für Mimikry, das Phänomen der Täuschung, welches ich in meinem Naturtagebuch immer mal wieder beschrieben habe: Sie imitiert mit ihrer Färbung eine Wespe, weil ihre Fressfeinde sicher schon mal schlechte Erfahrung mit diesem wehrhaften Insekt gemacht haben. Aus diesem Grund gibt es viele Insekten welche sich der Färbung/Zeichnung einer Wespe bedienen, wie zum Beispiel der Echte Widderbock, den ich kürzlich hier vorgestellt habe.
Ich hoffe sehr, dass es dieses Jahr mal wieder ein richtiges Wespenspinnenjahr in meinem Garten gibt.
