Weinbergschnecken erwachen aus der Winterstarre

Noch immer kleben auf dem Gehäuse dieser Weinbergschnecke (Helix pomatia) frische Erdresten. Nur wenige Stunden zuvor hat sie ihre Winterstarre beendet, den Gehäusedeckel weggestossen und nach dem ersten, warmen Frühlingsregen das schützende, warme Erdreich verlassen.

Seit Jahren führe ich darüber Buch, wann die Weinbergschnecken aus der Winterstarre erwachen. Dieses Jahr sind sie sehr spät dran.

Dieses Jahr war es die Nacht vom 9. auf den 10. April, in der die ersten Weinbergschnecken während eines warmen Frühlingsregens die Winter- respektive Kältestarre beendet haben.

Jedes Jahr notiere ich diesen Zeitpunkt des Erwachens der Weinbergschnecken: 24. März 2023, 11. März (!) 2024, 26. März 2025 und heuer also nun am 9. April. 2024 . Der Aufbruch erfolgt meist im Kollektiv, auf einen «Chlapf» sind sie alle da. Auch die kleineren Gehäuseschnecken, Schnirkelschnecken & Co.

Wer wie ich in seinem Garten Weinbergschnecken hat, der findet nun wieder mit etwas Glück die abgestossenen Deckel. Lange habe ich mich im Garten gar nicht auf diese kleinen Kalkdeckel (Epiphragma) geachtet, nun aber begegne ich ihnen überall. Ich lasse sie liegen, denn sie stellen für die Gehäuseschnecken eine Art von Notfallapotheke dar: Tritt ein Kalkmangel auf oder es geschieht eine Beschädigung des Gehäuses (zum Beispiel durch Hagel) nehmen sie einen Teil vom Kalk des Deckels wieder auf.

Die Weinbergschnecken verschliessen ihr Gehäuse nicht nur während der Winterstarre, sondern auch im Sommer, während Phasen von langer Trockenheit. Dann aber bilden sie den Deckel nicht mit Kalk, sondern decken ihre Schalenmündung lediglich mit Schleim ab. Dieser Schleim trocknet dann an der Luft bald einmal ab und bildet eine weisse Membran (Diaphragma). Sie schützt nun die Schnecke während der Trockenstarre im Innern zuverlässig vor Austrocknung. Nachdem die Trockenheit mit einem länger anhaltenden Regen (nicht nur ein kurzes «Rägeli») beendet worden ist, kommen sie wieder aus ihrem Häuschen hervor.

Nun wünsche ich euch allen von ganzem Herzen einen erholsamen Sonntag. Wir gehen nun hinaus in die Natur, in den vor Nässe tropfenden «Regenwald».

Das Nass ist mir sehr willkommen für unsere Aussaaten, aber auch sonst ist der Regen insbesondere in einer Phase des starken Wachstums in der Vegetation wichtig.

Morgen übrigens, da ist St. Martin (13. April) und dazu gibt es eine alte Bauernregel: «So wie Martin es will, so zeigt sich dann der ganze April.« Na da sind wir mal gespannt.

Bild von Mitte Juni: Weinbergschnecke mit Nachwuchs

Ein Kommentar bei: “Weinbergschnecken erwachen aus der Winterstarre

  1. Danke für deine interessanten Beiträge. Hast du jemals eine Königsschnecke gesehen? Mit einer Linksdrehung im Gehäuse. Grüsse dich Jost

    1. Guten Tag Jost, danke für Deine Rückmeldung. Leider habe ich bis jetzt noch keinen Schneckenkönig gefunden, obwohl ich sehr viele Weinbergschnecken im Garten habe. Statistisch gesehen ist die Chance, einen zu finden, sehr gering. Es grüsst Dich, Gaby

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