Weibliche Eiben schmücken sich jetzt mit roten Beeren

Hell erleuchtet vom letzten Schein der Abendsonne, habe ich diese Woche die roten Beeren unserer Eibendame fotografiert.

Nur die weiblichen Bäume schmücken sich mit ihnen, während die männlichen Bäume im Frühjahr mit ihren pollengefüllten kleinen, kugeligen Kätzchen an den Zweigen punkten.

Die Eibe (Taxus baccata) ist ein Symbol für die Vergänglichkeit, den Tod, und so zählt sie sinnigerweise noch heute zu den häufigsten Friedhofbäumen. Dass just die Eibe sinnbildlich für die Sterblichkeit steht, ist nicht verwunderlich, wo doch alles an ihr, ausser der roten Samenhülle, giftig ist.

Auf diesem Bild lässt sich besonders gut erkennen, wie die Eibenfrüchte heranreifen und sich ein Mantel um die giftigen Samen zu legen beginnt. Zuerst noch grün, wird diese als Arillus bezeichnete Ummantelung des Samens schliesslich leuchtend rot. Diese roten Arillen sind denn auch grad das Einzige an der Eibe, das nicht giftig ist. Ihr schleimiges Fleisch besteht etwa zu 20 Prozent aus Zucker, kein Wunder, stehen die Vögel drauf. Sie fressen die Beeren mitsamt dem giftigen Samenkern, scheiden diesen jedoch später mit dem Kot wieder aus und sorgen damit gleichzeitig für die Vermehrung der Eibe. Eine solche Verbreitung durch Vögel wird als «Ornithochorie» bezeichnet.

Gleich zwei unserer drei Eiben im Garten wurden durch die Vögel gepflanzt.

Dies ist zur Zeit mein Ausblick aus der guten Stube; bei genauem Hinschauen erkennt ihr die vielen roten Früchte zwischen dem dunklen Nadelgrün. Es schmerzt mich, dass die Amseln ausbleiben, die sich sonst um diese Zeit um die rote Delikatesse streiten. Wie ich kürzlich hier berichtet habe, fallen sie leider auch in meiner Region in grosser Anzahl dem Usutu-Virus zum Opfer.

Neben der Amsel sind es weitere Singvogelarten, wie etwa die Misteldrossel oder der Star, die sich mit Vorliebe an den Beeren verköstigen.

Freistehende Eiben wie diese hier, bilden die Ausnahme, denn am wohlsten ist es dem schattentoleranten Baum als Unterbewuchs von grösseren Bäumen, im Halbdunkel von Wäldern. Es heisst, die Eibe benötige, verglichen mit anderen Nadelbäumen wie beispielsweise der Kiefer, weniger als ein Drittel der Lichtmenge um gedeihen zu können. Umgekehrt bekommt ihnen plötzliches pralles Sonnenlicht, beispielsweise nach einem Holz- oder Sturmschlag, überhaupt nicht. Nur, wenn sie es sich von jung an gewöhnt sind.

Häufig wird die Eibe insbesondere auf Friedhöfen oder in Hecken und Parks, zu allerlei Formen zurechtgestutzt, zu Halbkugeln oder Würfeln. Wird sie bereits von jungen Jahren an beschnitten, verträgt sie es, später jedoch nicht mehr.

So sieht sie von nah aus und man erkennt hier gut den charakteristischen Wuchs einer Eibe, mehrstämmig, mit weinroter, abblätternder Borke und Zweigen, die sich wie Finger einer Hand dem Himmel entgegenstrecken. Ihre Nadeln tauscht sie etwa alle acht Jahre gegen neue aus, was natürlich gestaffelt erfolgt, so, dass sie nie «blutt» (nackt) dasteht: Immer im Frühling erfolgt die Nadelschütte, dann werden die ältesten Nadeln gelb und fallen ab. Ich habe an dieser Stelle schon öfters darüber geschrieben.

Man sagt, aus den Poren der Eibe dampfe nicht nur Sauerstoff, «sondern auch das giftige Alkaloid Taxin, dieses wirke lähmend auf das Herz und das zentrale Nervensystem, löse Unwohlsein und Kopfschmerz aus». Nun. ich sass diesen Sommer oft im Schatten unserer grossen Eibe und habe nichts dergleichen feststellen können. Aber es bleibt eine Tatsache: «Jeder Bestandteil der Eibe ist durchsetzt von diesem Nervengift, die Nadeln, die Borke, der Samen und das Holz.» Bis auf den erwähnten roten Samenmantel, den Arillus.

Generell gilt: Eine Menge von 50 Gramm verzehrter Eibennadeln wird für einen Erwachsenen als todbringend gesehen. Aber Ursuchungen haben gezeigt, dass bereits geringere Mengen und auch der Verzehr von Tee mit Eibenbestandteilen unabsehbare Folgen haben könne.

Todbringend waren übrigens auch die Waffen (Speere, Bögen, Lanzen) die aus dem widerstandsfähigen, harten und gleichzeitig elastischen Holz jahrtausendelang hergestellt worden sind.

Die spätere Entwicklung des bis zu zwei Meter langen «Englischen Langbogens», eine Distanzwaffe, die so leistungsfähig war, dass sie sogar kriegsentscheidend sein konnte, liess die Nachfrage nach Eiben stark ansteigen, so, dass «bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Eibe in Bayern und Österreich fast ausgestorben war.»

Neuere Erkenntnisse aufgrund von Pollenanalysen gehen jedoch in eine andere Richtung, nämlich, dass die Eibenbestände nicht wegen der vermehrten Nutzung durch den Menschen im Mittelalter zurückgegangen sind, «sondern vielmehr durch die beachtliche Verbreitung der Buche.»

Bei uns in der Schweiz, in der Region um den Uetliberg bei Zürich, soll es den grössten Eibenbestand Europas geben, nämlich rund 20’000 Bäume. Vor allem in den zahlreichen Schluchtwäldern bei mir daheim, gibt es viele Eiben, dort gefällt es ihnen, feucht und kühl, als Unterbewuchs grösserer Bäume wie den Buchen.

Dieses Bild zeigt zwei Eiben, die als Einzige anlässlich eines Holzschlags stehen gelassen wurden. Das plötzliche viele Sonnenlicht bekam ihnen nicht gut und ihre Nadeln verfärbten sich später rot.

Interessant: Für Pferde, Schafe, Ziegen, Kühe und Rinder, die sich gerne mal an den weichen Nadeln, oder aber an ihrer Borke gütlich tun, stellt die Eibe eine tödliche Gefahr dar. Nicht aber für Wildkaninchen, Hasen und Rehwild. Die sind nämlich oft für Wildverbiss an der Eibe verantwortlich, dann, wenn sie ihre zarten jungen Schösslinge fressen.

Übersteht die Eibe solch Ungemach in jungen Jahren, ist sie mit 100 Jahren schliesslich ausgewachsen. Von da an, nimmt lediglich noch das Dickenwachstum zu, ein Leben lang. (Ich kann davon auch ein Lied singen…)

Bemerkenswert eigentlich, dass die Eibe, welche stets als Tor zur Ewigkeit wahrgenommen wurde, trotz ihrer grossen Giftigkeit in vielen Epochen als heiliger Schutzbaum galt.

Noch lange war der Baum verbunden mit einem Glauben der Schutz vor Zauber versprach: «Vor Eiben kann kein Zauber bleiben.»

Dass die giftige Eibe keine Erwähnung in der Volksmedizin findet, dürfte wohl auf der Hand liegen. Aber: Aus den jungen Nadeln der Europäischen Eibe wird seit einigen Jahren ein Krebsmedikament hergestellt: «Chemikern ist es gelungen, aus den Nadeln und Zweigen der Eibe ein als wirksam nachgewiesenes Mittel zu gewinnen.»

Auf diesem Bild seht ihr zwei Eiben, eine im Hintergrund und eine Säuleneibe vorne. Diese war 2002, als meine Grossmutter starb, Bestandteil einer bepflanzten Grabschmuckschale. Später pflanzte ich das kleine Pflänzchen in den Garten, wo es mir – mittlerweile als mehrere Meter hohe Säule – ein schönes Andenken an meine liebe Grossmutter ist.

Ich bin übrigens, wie regelmässige Naturtagebuchlesende bereits wissen, mit Eiben aufgewachsen, zusammen mit vielen anderen Giftgewächsen. So konnten mich die Grosseltern schon früh den richtigen Umgang mit ihnen lehren.

Eiben werden heutzutage gerne als ganzjähriger blickdichter und immergrüner Sichtschutz in Form von Hecken empfohlen. Dies als heimischer Ersatz für die Thuja, die in den letzten Jahren einerseits stark in Ungnade gefallen ist, weil sie nicht heimisch ist , aber auch, weil sie vermehrt von einer Krankheit befallen wird.

Meine Beobachtungen in der Region zeigen jedoch, dass es immer wieder junge Eibenhecken gibt, die sich mit der Zeit rot verfärben. Über die Ursache dafür ist man sich noch nicht einig, sicher aber sollte sich gut informieren, wer eine reine Eibenhecke pflanzen möchte, am besten bei einer Gärtnerei. Ich persönlich finde Mischhecken empfehlenswert, zum Beispiel Eibe in Abwechslung mit Liguster oder Hainbuche. Beides ist ebenfalls gut schnittverträglich und insbesondere der Liguster ist während der Blüte eine super Insektenweide.

Damit beschliesse ich mein heutiges Portrait über die Eibe, von der es natürlich noch viel mehr zu berichten gäbe, aber das soll ja kein Roman werden. Nächstes Mal setze ich dann vielleicht wieder den Schwerpunkt eher bei der Mythologie.

Quellen: Die meisten Informationen entnahm ich für diesen Beitrag dem wunderbaren Buch «Bäume – Über die Wurzeln einer tiefen Verbindung» von Amber/Hase, erschienen bei Kosmos. Und wie immer fliesst natürlich auch ganz viel eigenes Erfahrungswissen in die Beiträge.

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