Wegwarte: Heilpflanze und einstiger Kaffee-Ersatz

Ist es nicht wunderschön, dieses Blau der Wegwartenblüten? In der Schweiz bezeichnen wir die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) in einigen Regionen als «Wägluegere«.

Ihre Wurzeln waren in Zeiten der Not einst ein beliebter Kaffee-Ersatz und zur Aromatisierung von Bohnenkaffe sind sie sogar noch heute im Handel.

Ausserdem ist die Wegwarte eine altbewährte Heilpflanze und zudem gesund in kultivierter Form als Salat und Gemüse.

Bei dieser hübschen Wildpflanze, auch bekannt als Zichorie, kann man wahrlich von einer altbewährten Heilpflanze sprechen, fand sie doch bereits in einem Papyrustext aus dem 4. Jahrtausend vor Christus Erwähnung. Seit dem Altertum ist die Wegwarte (Cichorium intybus) denn auch eine beliebte Heilpflanze geblieben, insbesondere werden ihr magenwirksame Eigenschaften zugesprochen, aber auch bei Leberleiden habe sie eine günstige Wirkung bewiesen.

In Kriegszeiten wurde aus den gerösteten Wurzeln des Korbblütlers ein Kaffeezusatz oder -Ersatz hergestellt. Als Erfinder des Zichorienkaffees wird in einem Kriegskochbuch aus dem Jahr 1722 ein Hofgärtner Timme in Thüringen genannt. Als grosser Förderer der Verwertung der Pflanze für «Kaffee», war Friedrich der Grosse bekannt, wovon die Bezeichnung «Preussischer Kaffee» herrührt.

Als Kind, das mit den Grosseltern aufgewachsen ist, ist mir Grossmutters Verwendung von «Franck Aroma», das zu 100 Prozent aus gerösteten und gemahlenen Wurzeln der Gemeinen Wegwarte (Zichorie) besteht, noch in guter Erinnerung. Sie fügte davon stets etwas dem Bohnenkaffe hinzu, um das teure Produkt, den Bohnenkaffee, etwas zu «strecken». «Franck Aroma» ist übrigens noch heute erhältlich, in derselben Verpackung von annodazumal (blau-weiss-gelb) und dient dem Aromatisieren von Bohnenkaffee.

Von der Wegwarte gibt es verschiedene, weniger bittere Kultursorten, die wir als Gemüse oder Salat verwenden. Dazu zählen unter anderem Chicorée, Endivien (Cichorium endivia) oder Zuckerhut (Cichorium intybus var. foliosum cylindricum). Ich liebe diese leicht bitter schmeckenden Kultursorten, hauptsächlich als Salat. Es sind ja gerade die Bitterstoffe, die so gesund sind. Alle drei genannten wachsen bei mir zur Zeit für den Herbst/Winter-Gebrauch bereits im Garten. Dass sie eng mit der Wildpflanze Wegwarte verwandt sind, seht ihr auf diesem Bild. Es zeigt Cicorino rosse, den ich hab in Blüte gehen lassen. Ich lasse im Folgejahr stets ein, zwei Salate in Blüte gehen für die Insekten – und für’s Auge.

Nun aber zurück zur wildwachsenden Wegwarte. Ich liebe das Blau ihrer Blütenköpfe, die meist nur vom frühen Morgen bis gegen Mittag geöffnet sind. Im Gegensatz zum hier kürzlich vorgestellten giftigen Rainfarn, ist an der Wegwarte alles essbar: Laubblätter, Stängel, Blüten und die Wurzeln. Wie immer verwendet man die Blätter vor allem im Frühling und die Wurzeln im Herbst/Winter. Wikipedia nennt eine traditionelle Verwendung der Wildform in Kampanien und Kalabrien. Sie wird dort als cicoria selvatica („Wildzichorie“) oder cicoria verde („Grüne Zichorie“) bezeichnet.

So viel für heute von der Wegwarte; wie immer in den letzten Wochen, schreibe ich diese Zeilen wahrlich «im Schweisse meines Angesichts», da die Hitze von draussen trotz meines «Hitzemanagements» (in aller Früh lüften und danach Fensterläden und Fenster zu behalten) auch nach drinnen dringt. Trotzdem bin ich bei 36° Grad im Schatten zur Zeit lieber hier in meiner Schreibstube, als an der Sonne draussen am arbeiten. Selbst im Schatten ist es mühsam. wenn kein Lüftchen weht und die Luft zum Schneiden dick ist.

Herzlich,

eine für einmal nicht nur inspirierende, sondern auch transpirierende,

Gaby Kistler

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