
Ist euch aufgefallen, wie still es zur Zeit in der Vogelwelt ist? Mal abgesehen von den Schreihälsen unter den Greifvögeln, die noch immer von den Elterntieren gefüttert werden?
Nun, da ist es in der Tierwelt ähnlich wie bei uns Menschen, sobald der Nachwuchs aus dem Haus ist, wird es still. So ist es auch in der Welt der Vögel, und diese Zeit der Ruhe nutzt die Natur, um ihnen während der Mauser zu einem neuen Federkleid zu verhelfen. Wie dieser jungen Amsel, die sich gerade ein Wasserbad genommen hat.
Die meisten Vögel haben ihr Brutgeschäft abgeschlossen und es wird nicht mehr gesungen. Die morgendlichen Vogelkonzerte dienten ja den Männchen dazu, potentielle Partnerinnen zu beeindrucken.
Ein weiterer Grund, warum man die Vögel kaum mehr hört, ist, dass sie nun nicht mehr lauthals ihr abgestecktes Revier verteidigen müssen. Altvögel müssen nicht mehr pausenlos Futter für die Jungvögel anschleppen und den Nachwuchs nicht mehr Zeter und Mordio schreiend vor allfälligen Nesträubern verteidigen.
Diese stille Zeit nutzt die Natur, um den Vögeln, die nun zur Ruhe gekommen sind, zu einem neuen Federkleid zu verhelfen. Und schon wären wir beim zweiten Grund, warum es so still geworden ist: Die Vögel befinden sich in der Mauser.
Diese alljährliche Erneuerung des Gefieders erschwert den Vögeln das Fliegen, da oft dazu benötigte, wichtige Flugfedern fehlen. Das wiederum kann gefährlich sein, wenn sie vor einem Feind fliehen müssten. Das ist wie im Krimi, wenn die Verfolgten mit dem Auto fliehen wollen und der Motor nicht richtig anspringt. Also verstecken sie sich während der Zeit der Mauser häufig im Gebüsch, auf Bäumen und hoffen, nicht entdeckt zu werden, bis ihr «Fluggerät» wieder intakt ist.
Auch die Jungvögel wechseln jetzt ihr erstes Gefieder. Bei dieser Jugendmauser tauschen sie das Jugendkleid gegen das Erwachsenenkleid aus. Auf diesem Bild seht ihr einen Distelfinken (Stieglitz)-Altvogel und zwei Jungvögel. Man erkennt sie lediglich an den gelben Flügelbinden, der rote, charakteristische Fleck am Kopf fehlt noch. Gerade weil die Jungvögel jetzt noch nicht das Erwachsenenkleid tragen, sind sie während dieser Zeit oft schwer zu bestimmen. Na ja, jedenfalls für mich.


Also: Keine Bange, wenn es still geworden ist in der Vogelwelt, das hat seinen natürlichen Grund. Obwohl ich damit nicht sagen will, dass generell alles in Ordnung ist in der Welt der Vögel. Der Vogelartenschwund ist eine Tatsache und es gibt viele Gründe dafür, vor allem aber das Verschwinden von Lebensräumen. Und da ist die Politik mitschuldig.
Übrigens: So still ist es bei mir im Garten gar nicht. Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht den Buntspecht höre. Er holt sich die Nüsse im Garten, von denen es dieses Jahr reichlich gibt. Doch dazu mehr in einem späteren Beitrag.