Warum der Mai nichts mit Wonne zu tun hat

Gestern war Walpurgisnacht, die nächtlichen Feuer sind erloschen und die Besen wieder dort, wo sie hingehören.

Wir beginnen den Tag eines neuen Monats: Mai. Im 8. Jahrhundert einst als Wonnemond eingeführt, hat er doch nichts mit Wonne in unserem heutigen Sinne zu tun.

Mai von mittelhochdeutsch meie, auch mey, soll aufgrund der Zeugnisse verschiedener lateinischer Autoren nach der römischen Göttin Maia benannt worden sein. Im katholischen Kirchenjahr existieren viele Brauchtümer rund um den Marienmond, der ganz Maria gewidmet ist. Bei uns im Dorf finden zum Beispiel ab jetzt wieder die abendlichen Maiandachten statt. Als Kind nahm ich auch daran teil und amüsierte mich, wenn die armen Besucherinnen auf dem Heimweg in der Dämmerung von herumsurrenden Maikäfern geplagt wurden. Sie verfingen sich in ihren Haaren.

Als ich älter war, anfangs Zwanzig, hatte ich meine eigenen Mai-Bräuche. So nahm ich zum Beispiel Mitte der Achtziger Jahre am 1. Mai traditionell ein 1. Mai-Bad in der Schlucht, im eiskalten Bach. Das soll, so heisst es seit jeher, einem Gesundheit für ein ganzes Jahr schenken. Nun, mittlerweile bin ich mit dem Alter zu einer «Warmduscherin» geworden und habe nicht mehr den Mut, in das kalte Nass einzutauchen. Feigling der ich bin…

Wie eingangs erwähnt, kennt man den Mai noch heute unter der Bezeichnung Wonnemonat. Das kommt daher, dass im 8. Jahrhundert Karl der Grosse die Monatsbezeichnung Wonnemond eingeführt hat. Was auf das althochdeutsche «wunnimanot» = Weidemonat zurückzuführen ist. Hat also nichts mit «Wonne» in unserem heutigen Sprachgebrauch zu tun, sondern damit, dass man in diesem Monat das Vieh wieder auf die Weide treiben konnte. Was bei uns mittlerweile oft bereits im April der Fall ist.

Was die Besen betrifft, die so häufig im Zusammenhang mit der Walpurgisnacht, erwähnt werden und das Bild darauf sitzender, fliegender Hexen impliziert, möchte ich noch Sergius Golowin aus seinem wunderbaren Buch «Die Weisen Frauen» zitieren: «…der Besen, als uraltes Zeichen für die Würde der Hausfrau wurde auch zum Sinnbild von deren mystischer Verbindung zu allen Kräften der Natur.«

Als er das geschrieben hat, war «Hausfrau» noch kein Schimpfwort, man hatte gewusst: Die Frau ist in einer Familie die Nabe des Rades, der wichtigste Teil, der alles zusammen und am laufen hielt und daher hochgeschätzt.

Wenn ich jetzt davon spreche, dass uns einst die wichtige Aufgabe zukam, zum Beispiel für die eigene Hausapotheke zu sorgen (Heilkräuter dörren, Tinkturen und Salben herstellen), dafür besorgt zu sein, dass genügend Gemüse geerntet und haltbar gemacht werden konnte, damit der Familie im Winter nicht die überlebensnotwendigen Vorräte ausgehen, dass sie die Kleider der Familie selber flicken konnte, ja dann spreche ich wahrlich aus einer vergangenen Zeit.

Wie es heute ist, muss ich nicht beschreiben, das wissen wir, was die Folgen davon sind, eigentlich auch. Diesbezüglich halte ich es mit der inzwischen verstorbenen Autorin Anna Wimschneider, die von sich sagt: «Ich bin halt eine vom alten Schlag«.

Tempi passati, schliesslich waren Veränderungen nötig, da Mann und Frau sich im Lauf der Zeit nicht mehr gegenseitig wertgeschätzt haben in dem was sie tun und leisten. Auch war das Aufbrechen festgelegter Rollenbilder wichtig. Doch ich kannte schon vor bald 40 Jahren Paare, wo der Mann die Rolle des Haus- respektive Familienmannes übernommen hat und die Frau durchgehend im Beruf tätig war, weil es so für beide einfach perfekt gepasst hat.

Sicher haben die letzten Jahrzehnte auch viele guten Dinge und erfreuliche Entwicklungen gebracht, auch für mich als Frau. Und ich bin die letzte die sagt, dass früher alles besser war. Denn das stimmt überhaupt nicht und die «guten alten Zeiten» dürfen nicht verklärt und romantisiert werden.

Leider ist es halt so, dass bei manchem mittlerweile das Pendel in die andere Richtung ausgeschlagen hat, über Ziel hinaus geschossen ist, wie man sagt. Aber ich bin guten Mutes und voller Zuversicht – so wie es sich für Frühlingsgefühle gehört – dass sich Alles irgendwann einpendeln wird und ins Lot kommt.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein wunderschönes 1. Maiwochenende.

Gaby

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