
Für mich gibt es jetzt im September kaum ein schöneres Farbenzusammenspiel, als das von reifen, orange-roten Vogelbeeren vor dem intensiv blauen Spätsommerhimmel.
Hartnäckig hält sich der Glaube, dass die Beeren der Eberesche, wie der Vogelbeerbaum auch genannt wird, giftig sind. Gekocht kann man sie jedoch sehr wohl verwenden.
Die Vogelbeere (Eberesche/Sorbus aucuparia) hat in diesem trockenen Sommer besonders gelitten. Mit Hitze und Trockenheit bekundet der bis zu 15 Meter hoch wachsende, dekorative Baum nämlich Mühe. Kein Problem aber hat er im Umgang mit grosser Kälte, Wind und Schnee. Aus diesem Grund begegnen wir der Vogelbeere öfters auch in alpinen Höhenregionen, so wie beispielsweise auf diesem Bild, aufgenommen in Davos, auf 1550 Höhenmeter. Mit der Esche hat die Eberesche übrigens nichts gemein ausser den ähnlich aussehenden Blättern:
Die hier gezeigte Eberesche (Sorbus aucuparia) zählt zu den Rosengewächsen (Rosaceae) was eine enge Verwandtschaft mit Apfel und Birne bedeutet.
Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) hingegen stammt aus der Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) und ist mit Flieder und Olivenbäumen verwandt.


Wie bereits eingangs erwähnt, sind die Beeren des Vogelbeerbaums NICHT giftig, ABER die Früchte müssen vor dem Verzehr erhitzt werden! Werden sie roh gegessen, kann das bei grösseren Mengen Durchfall, Erbrechen und sogar Nierenschädigungen auslösen. Durch das Erhitzen wird die enthaltene giftige Parasorbinsäure zerstört. Gekochte Zubereitungen von Vogelbeeren haben lediglich eine etwas stopfende Wirkung (oftmals wird dem Mus noch Apfel hinzugefügt).
Getrocknete Früchte, wie ich sie euch auf diesem Bild anhand einer selbst gefertigten Kette zeige, dienten einst der Gewinnung von Sorbit. Dieses wurde «unter anderem als Zuckeraustauschstoff für Diabetiker und als mildes Abführmittel verwendet».
Mit etwas älteren Kindern lassen sich mit den Beeren, die sich gut zum Auffädeln eignen, schöne «Schmuckstücke» fertigen. Ihr findet davon weitere Bilder in der Galerie.
Getrocknet erinnern mich die Beerenketten an die Rudraksha-Malas, Gebetsketten mit getrockneten Samen der Früchte des immergrünen Rudraksha-Baumes. Diese werden im Hinduismus und Buddhismus verehrt.


Was die Synökologie des Vogelbeerbaums betrifft, so findet sich auf Wikipedia dazu eine nicht enden wollende Aufzählung, was beweist, wie ökologisch wertvoll doch dieser heimische Baum ist. Nachfolgend habe ich diese für euch etwas kürzer gefasst:
Es wurde nachgewiesen, dass 31 Säugetier- und 72 Insektenarten, darunter 41 Kleinschmetterlinge und zwölf Rüsselkäfer, von der Eberesche als Futterpflanze profitieren. Vor allem bei Mistel- und Singdrossel, Rotkehlchen, Kleiber, Gimpel und der Mönchsgrasmücke, stehen die Früchte der Eberesche weit oben auf dem Speisezettel. Zudem spielen die Beeren eine «wichtige Rolle in der Ernährung von Rotdrossel und Seidenschwanz, die, in manchen Jahren aus Nordeuropa bis zu uns kommend, dann einen Teil des Winters in unseren Breiten verbringen.»
Dadurch, dass Eichelhäher sowie verschiedene Nagetiere (Gelbhals- und Feldmaus, Haselmaus, Siebenschläfer) die Früchte im Boden als Vorräte anlegen und diese oft vergessen, sorgen diese Tiere für die Ausbreitung der Eberesche. Blätter, Knospen und Triebe finden dankbare Abnehmer bei Paarhufern wie Reh und Rothirsch. Auch Ziegen mögen sie sehr gerne, das weiss ich von einem Nachbarn.
Kommt hinzu, dass die Blätter der Eberesche auch Raupenfutter für einige seltene und sogar vom Aussterben bedrohte Schmetterlinge ist.
Das Bild zeigte Ebereschen am Davosersee im September.


Was für ein tolles Bäumchen doch die Vogelbeere ist, es bietet allen etwas, Mensch und Tier und ist zudem eine wahre Augenweide. Sei es im Frühling, wenn die Vogelbeere mit ihren wunderschönen weissen Blütentellern Insekten und mich gleichermassen erfreut, oder jetzt im September, wo sich ihre orange-roten Beeren vor dem intensiv blauen Spätsommerhimmel abzeichnen. Später kommt dann noch eine wunderbare warme braunrote Herbstfärbung der Blätter hinzu.
Noch ein Tipp: Für den Garten gibt es kultivierte Sorten mit grösseren Früchten, zum Beispiel die Mährische Eberesche (Sorbus aucuparia var. edulis). Sie ist angeblich bitterstofffrei und wird deshalb auch als «Süsse Eberesche» bezeichnet.





