
Man kann es kaum glauben, dass uns mit der Türkenbund-Lilie (Lilium martagon) in der Natur eine Wildpflanze begegnet. Sie zählt mit Abstand zu den prächtigsten, in Europa heimischen Wildblumen.
Die Spitzen der langen Blütenhüllblätter sind so stark zurückgebogen, dass sie am Stiel aufeinander treffen und somit der grossen Blüte die Form eines (türkischen) Turbans verleihen.
Nur eine Viertelstunde Fussweg von meinem Daheim entfernt, blühen alljährlich an dieser Stelle Türkenbund–Lilien (Lilium martagon), entlang eines von Bäumen gesäumten Wegrandes. Nur die Pflanzen aber, die ganz nah an den Bäumen wachsen, werden jeweils von der Mähmaschine verschont. Wobei die selten gewordene Pflanze eigentlich in der gesamten Schweiz geschützt ist und sie in der Natur weder gepflückt, ausgegraben noch beschädigt werden darf. Auch schon kam es vor, dass sie den Trimmern der Gemeinde zum Opfer fiel, wenn damit Wiesenborde «gepflegt» worden sind. Das tut mir dann im Herzen weh, man freut sich während Wochen auf die Blüten, sieht wie sie austreiben, Knospen bilden und dann werden sie kurz vor oder während der Blüte einfach eines Tages weggemäht.
Ich möchte jedoch niemanden anklagen, Vieles geschieht nicht aus bösem Willen und mit Absicht, sondern aus Unwissen und/oder Unachtsamkeit in der Hektik des Arbeitsalltags.


Wer dem Türkenbund zum ersten Mal in der Natur begegnet, wird diesen Glücksmoment wohl nicht vergessen. Die bis zu 150 cm hoch wachsende Wildpflanze ist mehrjährig und verfügt auch über eine entsprechend grosse, ovale Zwiebel im Boden. Zugwurzeln sorgen dafür, dass diese auch in der notwendigen schützenden Tiefe bleibt. Somit können ihr selbst kalte Winter nichts anhaben.
Wie eingangs erwähnt, verhalf die Form der Blüte, mit ihren stark zurückgebogenen Blütenhüllblättern, der Pflanze zu ihrem Namen, sie erinnert an eine spezielle Form des Turbans.
Im Volksmund existieren viele Namen für die Lilie, von denen sich einige auf die goldgelbe Zwiebel beziehen: «Goldapfel, Goldbölla, Goldknopf, Goldlilgen, Goldpfandl, Goldruabn, Goldwurzl, Goldzwifl, Poms d’or, Schlotterhose, Schmalzwurz, Sillingwuarz, Sillingrute, Türkisch-Huat» *
Bei genauerer Betrachtung der Türkenbund-Lilie, begegnet man oft dem feuerroten Lilienhähnchen (Lilioceris lilii). Dieser 6-8 mm grosse Blattkäfer ist bei allen stolzen Besitzern von Lilien im Garten gefürchtet. Auch der Türkenbund-Lilie vermag er derart Schaden zuzufügen, dass sie nicht einmal zur Blüte gelangt.
Im Weiteren gehen dem Türkenbund mitunter auch Rehe (Capreolus capreolus) ans Lebendige: Sie fressen liebend gerne seine Knospen ab.
Der schwere, süssliche Duft der Blüten lockt vor allem in der Dämmerung viele Schwärmer (Sphingidae) an und so zählen das Taubenschwänzchen und Schwärmer der Gattung Sphinx zu den Hauptbestäubern.


Bereits vor der Knospenbildung und Blüte könnt ihr den Türkenbund gut anhand seiner auffälligen Blätter bestimmen: Sie stehen in der Stängelmitte in vier bis acht Scheinquirlen die wiederum aus acht bis vierzehn Blättern bestehen. Die einzelnen Blätter sind ganzrandig, kahl, lanzettlich und werden bis zu 15 cm lang.
Die «stattlichste aller heimischen Lilien» blüht – je nach Standort – von Juni bis Juli. Bleibt also noch genügend Zeit, sie in der Natur anzutreffen. Man kann sich zwar die Pflanze auch in Gärtnereien kaufen und zu sich in den Garten holen, aber ich finde sie am Schönsten an ihren Naturstandorten: in lichten, krautreichen Laub- oder Nadelwäldern, in kühler, halbschattiger Lage. In höheren (Berg-)Regionen wächst sie ausserhalb der Gebirgswälder auch in freier Lage, auf Matten und Wiesen, was ein wunderschöner Anblick sein muss.
Es folgen noch ein paar Bilder, die den Türkenbund in verschiedenen Entwicklungsstadien zeigen.









Quellen Informationen: * Wikpedia, Infoflora