Eine Begegnung die ich nicht so schnell vergessen werde:
Auf einem Uferweg lief mir gestern dieses riesige Hirschkäferweibchen buchstäblich über den Weg. Männchen werden bis zu 7.5 cm lang und auch die gut 4 Zentimeter Länge dieses Weibchens haben grossen Eindruck auf mich gemacht.
Im Gegensatz zu den Männchen, die man an ihren mächtigen, geweihartig verlängerten Oberkiefern erkennt, trägt die Dame kein Geweih. Hirschkäfer (Lucanus cervus) stehen in der Schweiz unter besonderem Schutz.
Obwohl das Weibchen keine so grossen Oberkiefer (Mandibeln) hat wie das Männchen, kann es bei einer Bedrohung ebenfalls tüchtig zwicken. Gut nur habe ich das erst zuhause nachgelesen, sonst hätte ich ihm wohl nicht so naiv meinen Finger «angeboten». Das mache ich jeweils dann, wenn ich für euch einen Grössenvergleich aufzeigen möchte. Damit das Tierchen nicht von einem der zahlreichen Biker oder Spaziergänger zerquetscht wird, habe ich es im angrenzenden Park in Sicherheit gebracht.


Es war schon ein Riesenglück, dass mir dieser seltene Geweihträger begegnet ist, denn nördlich der Alpen kommt er lediglich an vereinzelten Stellen und in geringer Anzahl vor. Auf der Südseite, im Tessin, ist er noch eher anzutreffen. Generell ist leider auch sein Bestand «tendenziell abnehmend» obwohl der Hirschkäfer europaweit geschützt ist. Das mag mit dem Schwinden geeigneter Lebensräume zu tun haben, wie auch mit seiner ausserordentlich langen Entwicklungszeit, die bis zu 8 Jahre dauern kann.
Verlassen die Hirschkäfer nach ihrem Larvenstadium die Erde, sind sie bereits 3 – 8 Jahre alt. Danach leben sie als adulte (erwachsene) Käfer lediglich wenige Wochen. Im Spätsommer sterben dann auch noch die letzten verbliebenen Weibchen.
Hirschkäfer sind eigentlich dämmerungsaktiv. Sie saugen den Saft verschiedener Laubbäume, vor allem von Eichen. Auf ihnen finden die beeindruckenden Kämpfe zwischen Männchen mit ihren geweihartigen Zangen statt. Sie kämpfen dabei um Weibchen, aber auch um die besten Saugplätze.

Der Lebensraum dieser faszinierenden Käfer ist streng an alte Eichenbestände gebunden, wo sie sich von ausfliessenden Baumsäften ernähren. Genau an so einem Ort habe ich dieses Weibchen gefunden: In einer Parkanlage mit alten riesigen Laubbaumbeständen. Die Hirschkäfer sind auch auf das Vorkommen von Totholz angewiesen denn die Larven leben während 5 – 8 Jahren in morschen Baumstümpfen oder in Wurzelwerk. Wie bereits erwähnt sind diese grössten und auffälligsten Käfer Europas in der Schweiz streng geschützt.
Hier finden Interessierte zusätzliche Informationen und auch Vergleichsbilder mit dem Balkenschröter, mit dem insbesondere die weiblichen Hirschkäfer unter Umständen verwechselt werden können: https://www.infofauna.ch/de/fauna-der-schweiz/insekten/kaefer/aide-de-distinction-lucane-cerf-volant-et-petite-biche#gsc.tab=0
Ich hoffe sehr, noch ein weiteres Mal einem Hirschkäfer begegnen zu dürfen. Das sind wunderbare Naturerfahrungen, die man nicht vergisst.
Vor zwei Tagen hat sich ein Hirschkäfer-Männchen in unseren Kellerhals verirrt.
Sehr beeindruckend die Grösse und das «Geweih»., kaum zu übersehen!