Taubenschwänzchen – vor der grossen Reise in den Süden

Am letzten Tag im September sind mir diese Aufnahmen eines Taubenschwänzchens gelungen. Es tankte Nektar in den Blüten meiner Drehfrucht (Streptocarpus Saxorum).

Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) sind aus dem Mittelmeerraum stammende Wanderfalter und werden uns im Oktober, spätestens im November, Richtung Süden verlassen und ihren langen Flug über die Alpen antreten. Immer häufiger verbringen einige von ihnen den Winter bei uns.

Manche fragen sich beim Schwirrflug des Taubenschwänzchens, ob es sich hier wohl um einen Kolibri handelt. Tatsächlich erinnert es in seinem Flugverhalten an einen Kolibri, doch diese kleinen Vögelchen gibt es bei uns definitiv nicht. Das Taubenschwänzchen ist ein Schmetterling. den ich bereits in meiner Kindheit an den Geranien meiner Grossmutter staunend beobachten konnte. Wir bewohnen ja ein Holzchalet und es gab damals in der Schweiz kaum ein Chalet, das sich nicht mit Geranien geschmückt hätte. Jedenfalls damals war das noch so. Sie lockten viele dieser hübschen Schmetterlinge an die zu den Schwärmern gehören.

Taubenschwänzchen verfügen über einen für Schwärmer typischen langen Saugrüssel der gut 3 Zentimeter lang werden kann. Ihr Verhalten erinnert wirklich sehr an Kolibris: Sie bleiben im Schwirrflug vor einer ausgewählten Blüte stehen, wie hier zum Beispiel einer Spornblume und rollen den langen Rüssel aus. Dann tanken sie Nektar aus Blüten, die gerade wegen ihrer tiefen Blütenkelche nur von wenig anderen langrüsseligen Insekten besucht werden können: Zum Beispiel Phlox, Drehfrucht, Geranien, Natternkopf, Spornblumen oder Lichtnelken. Sie mit der Kamera einzufangen ist ganz schön schwierig da sie jeweils nur kurz bei einer Blüte verweilen. Das hat seinen Grund:

Ein zu langes Stehenbleiben in der Luft würde ihre Flügelmuskulatur auskühlen und so schwirren sie im Eiltempo von Blüte von Blüte. Der NABU schreibt, dass ein einzelnes Taubenschwänzchen in nur 5 Minuten mehr als 100 Blüten aufzusuchen vermag!

Das in Distanzbleiben von den Blüten hat einen wichtigen Vorteil: Der Abstand zur Blüte schützt den Schwärmer vor darin befindlichen Fressfeinden wie beispielsweise der räuberischen Krabbenspinne.

Eigentlich gehören sie ja als Schwärmer zu einer nachtaktiven Gruppe, doch man kann das Taubenschwänzchen sehr häufig tagsüber beobachten.

Selbst wenn es regnet, dann, wenn viele andere Insekten sich lieber irgendwo im Trocknen verkriechen, fliegt das Taubenschwänzchen noch. Nur an heissen Tagen, über die Mittagszeit, das macht es Pause. Dafür fliegt es auch noch in der Dämmerung, bis weit in die Nacht hinein.

Den Namen verdankt das Taubenschwänzchen seinem schwarz-weiss gezeichneten Hinterleib (Bild). Es handelt sich bei den «Büschelchen» um verlängerte Schuppen die ein wenig an einen Federschwanz erinnert. Verwechseln könnte man das Taubenschwänzchen höchstens noch mit dem Hummelschwärmer, doch der hat im Gegensatz zum Taubenschwänzchen durchsichtige Flügel.

Habt ihr gewusst, dass Taubenschwänzchen im Mittelmeer beheimatet sind, von dort stammen und jeden Frühling den beschwerlichen Flug von dort über die Alpen zu uns antreten? Selbst auf dem oberösterreichischen Dachsteingletscher seien schon nordwärts fliegende Exemplare gesichtet worden sein, genauso wie bei uns in der Schweiz in Höhen von bis zu 2500 Meter! Es fällt mir immer sehr schwer dies vorzustellen, wie diese zarten Wesen bis zu 2000 Kilometer Distanz überwinden können. Möglich machen dies ihre hervorragenden Flugeigenschaften.

Frühestens im April kommen die ersten Mittelmeer-Taubenschwänzchen zu uns. Nachdem sie hier Eier gelegt haben, schlüpft der Nachwuchs bis ungefähr Ende Juli. In dieser Zeit gibt es zwei Generationen: Eine die im Mittelmeerraum und ein die hier geboren wurde.

Taubenschwänzchen überwintern als erwachsene Tiere, vertragen jedoch keinen Frost, weshalb sie uns spätestens bis Ende November wieder Richtung Süden verlassen. Insbesondere für Wanderfalter sind solche Spätblüher im Garten als letzte Nektartankstellen wichtig. Aber Achtung: Die Dipladenia (Mandevilla) kann anscheinend aufgrund ihres Blütenaufbaus zur tödlichen Falle werden, da ihre langen Rüssel im Kelch kleben bleiben. Interessierte finden dazu zahlreiche Informationen im www. Bei den hier gezeigten Blüten handelt es sich jedoch um Petunien.

Übrigens zählen folgende Falter ebenfalls zu den Wanderfaltern: Admiral, Gammaeule, Grosser Fuchs, Windenschwärmer und Distelfalter.

Als Folge der zunehmend milder werdenden Winter überwintern immer häufiger einige Exemplare auch bei uns. Diese Taubenschwänzchen legen dann vorzugsweise an Labkräutern im März ihre Eier ab. Sie sind gleich auch die Frasspflanzen der Raupen. Ungefähr ab Mitte Juni schliesslich schlüpft eine neue Generation Taubenschwänzchen.

Diese Bilder sind alle Mitte November entstanden, es bleibt euch also noch genügend Zeit, einem dieser faszinierenden Wesen zu begegnen. Heute heisst es für mich wieder im Garten arbeiten und mit Sicherheit werden sie mich dabei wieder begleiten und die Arbeit versüssen.

Quelle: NABU

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