Bald ist Lindenblütenzeit

Bald schon öffnen sie sich, die Knospen der Lindenblüten, bei den Sommerlinden (Tilia platyphyllos) rund zwei Wochen früher, als bei den Winterlinden (Tilia cordata).

Dadurch, dass sich die beiden bastardisieren, gibt es noch eine Dritte im Lindenbunde, die daraus hervorgeht: die Holländische Linde.

Der lateinische Name «Tilia» ist eine Herleitung vom griechischen «tilos», was soviel wie wie Bast oder Faser bedeutet, jedoch auch von «ptilon» (Flügel), was sich wiederum auf das flügelartige Aussehen des Blütendeckblattes bezieht. Vor allem aber ist das Wort Linde mit dem lateinischen «lentus» verwandt, zu Deutsch «lind» = weich, biegsam und zäh

Sehr viele Ort-, Flur- und Regionalnamen machen auf das Vorkommen von Linden aufmerksam. Bei uns in der Gemeinde ist es beispielsweise der Flurname «Lindenbächli». Es gibt sogar eine Linde, die ist so geschichtsträchtig, alt und mächtig, dass es einen Wikipedia-Eintrag über sie gibt, die Linde von Linn (https://de.wikipedia.org/wiki/Linner_Linde ). Die Sommerlinde hat ein geschätztes «biblisches Alter von über 800 Jahren! Sie steht noch heute in Linn, im schweizerischen Kanton Aargau.

Dann gibt es noch viele Familiennamen in Anlehnung an die Linde (Lindenmann, Lindner, Tiliander) oder Namen von Gasthäusern (zur Linde). Vielen von euch dürfte auch bekannt sein, dass unter den Linden oft Gericht gehalten wurde. Man munkelt, dass gehofft wurde, die Linden mögen die Rechtsprechenden zu einem etwas «linderen», milderen Urteil verleiten. Es wurde aber auch zünftig gefestet und getanzt unter dem ausladenden, schützenden Dach der Linde, auch wurden unter ihnen wichtige Verkündungen verlesen. Kurzum: Linden waren schon immer DER Treffpunkt der Dorfgemeinschaft, nicht umsonst heisst es in einem alten Volkslied «wo wir uns finden, wohl unter Linden…»

Von der Winterlinde heisst es, dass sie bei uns in der Schweiz häufiger vorkomme als die Sommerlinde, was sich in unserer Gemeinde bestätigt.

Sommerlinden werden mit 40 Metern rund 10 Meter höher als Winterlinden. Die Linden sind einhäusig (Männlein und Weiblein wohnen auf demselben Baum), wer jedoch eine Linde pflanzt, muss sich eine Weile gedulden, bis er im honigschweren Duft der Blüten schwelgen darf: Linden blühen erst etwa ab dem 20. bis 30. Lebensjahr. Die Winterlinde blüht Ende Juni/anfangs Juli und damit rund zwei Wochen später als die Sommerlinde.

Noch weitere Unterscheidungsmerkmale: Die Blätter der Winterlinde sind etwas kleiner, ihre Unterseite ist blaugrün (Sommerlinde: hellgrün) und weist rostrote kleine Haarbüschelchen an den Aderverzweigungen auf (Bild nebenan). Merkt euch als «Eselsleiter»: Im Winter trägt man braune Cordhosen! (rostrote Büschelchen auf der Blattunterseite der Winterlinde (Tilia CORData).

Eigentlich, so heisst es, sei der Unterschied zwischen Sommer- und Winterlinde sowieso fliessend. Der Grund dafür ist, dass die beiden Arten bastardisieren und daraus hervor geht die dritte im Bunde: die Holländische Linde. Bei ihr vermischen sich alle genannten Eigenschaften der Sommer- und Winterlinde.

Ob nun Winter-, Sommer- oder Holländische Linde, das wird die Germanen kaum gekümmert haben, für sie war die Linde sowieso ein heiliger Baum und Freya geweiht, der Göttin der Fruchtbarkeit und der Liebe.

Ähnlich dem kürzlich hier vorgestellten Schwarzen Holunder, wurde auch die Linde einst wegen ihrer Schutzeigenschaften in die Nähe von Gehöften gepflanzt, sie wehrte Blitz- und Hagelschlag, aber auch böse Geister ab. Infolge der Christianisierung wurden dann aus den Freya-Linden flugs Marien-Linden gemacht und so steht auch in unserer Gemeinde unter einer alten, mächtigen Dorf-Linde das Bildstöckli mit einer Marienfigur.

Die Linde ist gelinde gesagt einfach ein ganz wunderbarer Baum, der auch über viele Heileigenschaft verfügt. Ich persönlich trockne stets Lindenblüten für den Winter, die dann bei fiebrigen Erkältungen wegen ihrer altbewährten, schweisstreibenden Wirkung zur Anwendung kommen.

Übrigens: Die Lindenblüten haben drei bis vier Tage nach dem ersten Aufblühen den höchsten Wirkstoffgehalt. Gepflückt werden sie am besten an einem trockenen, warmen Sonnentag.

Obwohl die Blüten der Sommerlinde etwas grösser sind, als die der Winterlinde, heilkräftig sind sie beide im selben Masse. Auch Schwitzbäder, so heisst es, könne man bei Erkältungen mit Lindentee durchführen. Zudem sei der Lindenblütentee nicht nur schweisstreibend, sondern auch reizlindernd und schleimlösend bei Husten und Halsweh. Dabei legen sich die in den Blüten enthaltenen Schleimstoffe wie eine Schutzschicht auf die Schleimhäute von Mund und Rachen.

Selbst die Blätter sind gesund. Eine Abkochung daraus wurde früher als warmer Umschlag bei chronischen Hautleiden und nässenden Ekzemen angewendet. Hildegard von Bingen wiederum empfahl, bei geschwollenen Lidern frische Blätter aufzulegen, um die Augen «rein und klar» zu machen. Überhaupt seien Lindenblätter zur Beruhigung geröteter Augen eine Wohltat (Auflage auf die Lider). Zudem können Lindenblätter auch in grünen Smoothies verwendet werden, die etwas zarteren Sommerlindenblätter auch im Frühsommersalat (ist jetzt etwas zu spät dafür).

Quellen: Heilpflanzliche Anwendungen: LandApotheke, andere Informationen: waldwissen.net

Man findet sich wieder unter Linden

Gestern sass ich auf diesem Bänklein unter einer riesigen, sehr alten Linde und durfte auf meine Anfrage hin Lindenblüten zupfen.

Lange bevor ich die Linde erreicht hatte, umwehten mich lieblich-süsse Duftschwaden und ich konnte bereits von Weitem das laute Summen von unzähligen Bienen im Baum hören. Es heisst, der aus Lindenblüten gewonnene Honig zähle zu den besten.