
In der Tierwelt gibt es Wiesel und in der Welt der Bäume die Zwiesel.
Da gibt es einerseits die echten Zwiesel (auch als Verwachsungszwiesel oder Zwillen bezeichnet) in der Form von Zwillingen, Drillingen und Garbenbäumen. Diese Zwiesel (Verwachsungszwiesel) entstehen in der Folge eines Zusammenwachsens zweier (oder mehrerer) Bäume am Stammgrund (Bild/Buchen).
Dann gibt es auch noch die unechten (Gabelungs-)Zwiesel.
Hier seht ihr einen echten (Ahorn-)Zwiesel. Bei einem solchen Verwachsungszwiesel stehen zwei Baumsämlinge so nahe beieinander, dass sie im unteren Stammteil zusammenwachsen und in diesem Bereich gemeinsame Jahresringe bilden. Hier seht ihr zugleich noch einen Wimmerwuchs am unteren Stammende. Weiter oben trennen sich die einzelnen Bäume und wachsen jeder für sich alleine weiter. Die einzelnen Stämmlinge (kronenbildenden Triebe) haben somit beim echten Zwiesel unterschiedliches Erbmaterial.


«Unechte» oder «falsche Zwiesel, auch bekannt als «Gabelungszwiesel«: Sie gehen aus einem einzigen Stamm hervor und verfügen daher über ein einheitliches Erbmaterial (Bild: Hainbuche). Diese unechten Zwiesel entstehen einerseits als physiologische Zwiesel, die als eine Art Normvariante angesehen werden, weil bei ihnen keinerlei Verletzung zu der Zwieselbildung geführt hat. Die traumatischen (trauma= Verletzung, Wunde) unechten Zwiesel jedoch entstehen als Folge der Beschädigung der Endknospe. Eine Beschädigung von Spitzentrieben kann verschiedene Ursachen haben, beispielsweise die Eschen-Zwieselmotte, Spätfrost, Pilzbefall oder Wildverbiss.
Bei der unechten Zwieselbildung wird zudem je nach Verzweigungsform, respektive dem Winkel, in welchem beide Stämmlinge zueinander stehen, zwischen U- und V-Zwiesel unterschieden. Auf dem Bild seht ihr ein V-Zwiesel beim Ahorn.
In der Bildergalerie findet ihr zudem noch Bilder von eindrücklichen Kandelaberbäumen die als Urform eines U-Zwiesels angesehen werden können.
Bleibt bei der Zwieselbildung einer der Stämmlinge im Wuchs zurück, wird dieser als «Kindel» bezeichnet. Auch von solchen Kindelbildungen findet Bilder in der Galerie.


Ich bin immer wieder fasziniert von Anomalien bei Bäumen, in jeder Form, und mittlerweile habe ich ein Auge dafür. Viele Stammanomalien enthüllen sich erst nach dem Blattfall. Manchmal finde ich heraus, wie und warum sie zustande gekommen sind, manchmal nicht. Noch hat die Wissenschaft nicht alle Rätsel der Natur gelöst. Sehen, staunen, sich erfreuen, kommt bei mir als Laie stets vor wissen. Aber natürlich freut es mich auch, wenn ich weiss, warum etwas ist wie es ist.
Ja und immer wieder gibt es im Wald auch Erstaunliches zu entdecken, wie dieser eigenartige Zwiesel, wenn man hier überhaupt von einem Zwiesel sprechen kann: Hier spriessten einst dicht nebeneinander ein Sämling von einem Nadelbaum (Eibe) und einem Laubbaum. Sie scheinen sich gut zu vertragen und gedeihen beide prächtig, obwohl sie sich den Platz für ihre Wurzeln teilen müssen.















