
Es war vor etwa sechs Jahren, als ich den allerersten Pinselkäfer (Trichius) in einer Pfingstrosenblüte im Garten entdeckte. Ihr seht ihn auf diesem Bild.
Auf den ersten Blick können die 9-12 mm grossen Käfer glatt für Hummelchen gehalten werden. Jetzt, im Mai, verlassen sie ihr Brutgehölz und erfreuen uns wieder mit ihrer Anwesenheit.
In der Schweiz gibt es drei sehr ähnliche Arten, weshalb ich die gezeigten Pinselkäfer nicht näher benenne. Als Erstes sei der am häufigsten vorkommende der drei Arten genannt, der Gebänderte Pinselkäfer (Trichius fasciatus). Er wird oft in Hochstammobstgärten gefunden; dann wäre da noch der Glattschienen-Pinselkäfer (T. zonatus) und der Südöstliche Pinselkäfer (T. sexualis). Letztere beiden kommen deutlich seltener vor als der Gebänderte Pinselkäfer und gelten bei uns in der Schweiz sogar als gefährdet.


Da Pinselkäfer nicht sonderlich mobil sind, findet man sie selten mehr als 50m vom nächsten Waldrand oder Gehölz entfernt. Die Weibchen sind für ihre Eiablage auf das Vorhandensein von weissfaulem, feuchtem Holz angewiesen. Ganze 1,5 Jahre dauert es zirka, bis die Larvenentwicklung abgeschlossen ist und der Käfer nach kurzer Puppenruhe – meistens im Herbst – schlüpft. Doch er verlässt das Brutholz erst im kommenden Mai, also just zum jetzigen Zeitpunkt.
Während seines kurzen Lebens von 4-6 Wochen, besucht der Pinselkäfer nun Blüten, ernährt sich von ihren Pollen und anderen Blütenteilen. Wobei er eine Vorliebe für ungefüllte Rosen, Flieder, Skabiosen, Brombeeren, Pfingstrosen und Doldengewächse hat, wie den Wolligen Schneeball oder den hier abgebildeten Strahlen-Breitsamen (Orlaya grandiflora), von welchem übrigens auch weit über 20 Wildbienenarten profitieren.


Wer den Pinselkäfer zu sich locken möchte, der kann dies mit dem Lagern von Totholz, modernden, faulenden Baumstrünken und absterbenden Obstbäumen oder Laubbäumen wie Eichen oder Weiden. Dass wir ganz viele der putzigen Käfer in unserem Garten haben, ist wohl auch auf den riesigen, alten, abgestorbenen Apfelbaum zurückzuführen. Er ist ein wunderbarer Lebensraum, Brutstätte und Nahrung für zahlreiche Lebewesen, ein richtiger Habitat- oder Biotopbaum, wie man heute sagt.
Also, Augen auf über Pfingsten, die Chancen stehen nicht nur gut, dass euch jetzt im Mai der kürzlich hier beschriebene Weidenbohrer über den Weg läuft, sondern auch für das Entdecken von Pinselkäfern, die nun ihr Brutholz verlassen.
Herzlich, eure
Gaby Kistler

