
Wohin man auch schaut, die Schlehdornsträucher sind heuer über und über mit Früchten behangen. Am Wochenende habe ich damit Likör angesetzt, es finden sich dafür ja viele verschiedene Rezepte. Darunter ist auch der bekannte Sloe Gin, das «Schlehenfeuer».
Auch hier geht in der Natur wieder mal Gesundes und Schmackhaftes Hand in Hand.
Der Schlehdorn wird auch als Schwarzdorn (Prunus spinosa) bezeichnet. «Prunus«, lateinisch, ist ein Sammelbegriff für Steinobst und der Beiname «spinosus» steht für «dornig, stachelig». Der sparrige Strauch weist denn auch mehrere Zentimeter lange, heftige Dornen auf. Dabei handelt es sich um rechtswinklig vom Hauptzweig abstehende, in scharfe Spitzen auslaufende Kurztriebe. Hier seht ihr einen solchen Dorn, fotografiert während der Blüte anfangs April.
Als Schwarzdorn wird der Schlehdorn übrigens wegen seiner dunklen Rinde bezeichnet.


«Schlehe» kommt vom althochdeutschen «sleha», dessen Bedeutung noch nicht eindeutig geklärt ist. Man vermutet jedoch, dass es so viel viel wie «blaue» (Frucht) bedeutet. Unreif sind die Schlehen grün, später von einem ganz dunklen Blau. Dieses kommt zum Vorschein, wenn ihr, wie ich auf diesem Bild, eine «hellblaue» Schlehe abreibt. Was die dunkelblaue Frucht hellblau erscheinen lässt, ist der Reif, der sie überzieht. Hier hat Reif nichts mit Frost und Kälte zu tun, sondern mit einer schützenden Schicht, welche die Frucht umgibt. Man spricht hierbei von bereiften Früchten. Im September 2024 schrieb ich dazu einen ausführlichen Beitrag, auch über die Wachsschicht auf Äpfeln (reibt man sie ab, kommt der Glanz zum Vorschein): https://natur-tagebuch.ch/wachs-reif-und-duft-auf-obst-begriffe-mit-einer-neuen-bedeutung/
Nun aber zur Herstellung feiner Schlehenliköre:
Ich habe es aufgegeben zu warten, bis ein Frost über die Schlehen gegangen ist. Dieser wäre nötig, um den etwas herben Geschmack der Früchte zu mildern. Als Folge der zunehmend wärmeren Winter kommt es immer häufiger vor, dass wir erst ab Januar Frost haben. Vorher sinken die Temperaturen oft kaum mehr unter 0° Grad. Bis dann aber sind die Schlehen längst abgefallen, verdorrt oder von den Vögeln gefressen. Also lege auch ich die Beeren vor der Verwendung über Nacht in die Gefriertruhe und simuliere ihnen damit einen Frost vor.
Aufgrund der warmen Temperaturen sind heuer die Schlehdornbeeren etwas früher reif: Viele von ihnen fielen beim Pflücken bei der geringsten Berührung bereits ab oder sind stark ausgetrocknet. Schwärme von Staren haben sich zudem auf den Sträuchern niedergelassen und einen grossen Teil gefressen.


Dies sind die Zutaten für den klassischen Sloe Gin («Schlehenfeuer»): Ein guter Gin, ich greife auf den Tanqueray Gin zurück, auch empfehlenswert wäre ein Beefeater London Dry Gin. Hinzu kommt brauner Kandiszucker, eine Vanilleschote und natürlich Schlehen. 500 Gramm davon drückt man leicht an, damit die Schale aufplatzt und legt sie für eine Nacht in den Gefrierschrank. Am nächsten Tag übergiesst ihr die gefrorenen Schlehen mit 750 ml Gin, fügt noch die Vanilleschote und den Kandiszucker hinzu und verschliesst das Glas gut. Jetzt lagert ihr den Ansatz kühl und dunkel während 3 Monaten, wobei ihr den Ansatz alle 2-3 Tage schütteln solltet. Setzt ihr den Sloe Gin jetzt an, sollte er gerade noch rechtzeitig auf Weihnachten genussbereit sein.
Nachfolgend noch Rudi Beisers Rezept für einen starken Schlehenlikör, entnommen aus seinem Buch «Unsere essbaren Wildpflanzen»:
400 g Schlehen etwas andrücken damit die Aussenhaut durchlässig wird und dann für eine Nacht in die Gefriertruhe legen. Danach in ein offenes sauberes Glas geben und noch gefroren mit 1 Liter Wodka übergiessen, nun kommen noch 2 Zimtstangen und 4 Gewürznelken hinzu. Das Ganze vorerst 3 Wochen lang ziehen lassen und währenddessen immer mal wieder schütteln. Danach 250 Gramm Zucker mit 250 ml Wasser etwa 5 Minuten lang leicht köcheln lassen. Nach dem Abkühlen zum inzwischen gefilterten Ansatz hinzugeben und diesen Ansatz nun 3 Monate lang reifen lassen vor dem ersten Genuss.
Über die Wirkung der Schlehdornbeeren steht in «Hagedorn und Hopfenkranz» von Ursel Bühring: «Adstringierend (zusammenziehend; heilsam bei Zahnfleischentzündungen), stärkend und abwehrstärkend». Das Fruchtfleisch soll bei der Ernte nicht mehr grün sein.
Inhaltsstoffe: Vitamin A und C, Gerbstoffe, Fruchtsäuren, Pektin und Mineralien.«


Auf diesem Bild seht ihr einen jungen Schlehdornstrauch in Blüte, er dient hier wegen seiner vielen Wurzelausfläufer als bestens geeignete, natürliche Hangbefestigung.
Die Natur hält nicht nur für die Tiere, sondern auch für den naturnah lebenden Menschen sehr viele heimische Köstlichkeiten bereit, die nicht nur schmackhaft, sondern auch wertvoll für den Erhalt der Gesundheit sind. Das wussten unsere Vorfahren und haben die Wildfrüchte sehr geschätzt. Wer aber dieses alte Wissen weitergeben und erhalten möchte, wird heutzutage schnell einmal kritisiert: Heilpflanzen und Wildfrüchte, sollte man den Tieren überlassen. Das finde ich ein etwas seltsames Naturverständnis.
Was bei den indigenen Völkern andernorts auf der Welt von denselben Leuten bewundert und für gut befunden wird, nämlich mit und bestmöglich von der Natur zu leben, wird hierzulande, wenn jemand wie ich dasselbe tut, kritisiert: Ich habe jedoch absolut kein schlechtes Gewissen, wenn ich lediglich für den Eigengebrauch Heilpflanzen oder Wildfrüchte sammle. Ich gehe dabei stets sehr achtsam vor und entnehme nur, was ich brauche. Oft sind es ja gerade diejenigen, die solches kritisieren, die importierte Produkte aus umweltschädigender Produktion kaufen: Mandelmilch zum Beispiel, Mandeln stammen überwiegend aus Monokulturen/oft in Kalifornien/USA, was die Umweltbilanz sehr belastet, genauso wie die hierzulande sehr beliebten Avocados: Ein Kilogramm Avocados benötigt im Schnitt rund 1.000 Liter Wasser. In trockenen Anbauregionen führt dies oft zu versiegten Brunnen und Wassermangel für die lokale Bevölkerung.


Ich kaufe keine solchen importierten Produkte, wer sich nur ein bisschen darüber informiert, weiss heutzutage, was ihre Produktion in den Herkunftsländern für grosse Schäden an der Natur aber auch für die dort ansässige heimische Bevölkerung hinterlässt. Darüber findet – wer will – genügend Dokumentationen, zum Beispiel auf ARTE. Aber ja, das ist ein leidiges Thema und eigentlich ist es mir egal, wenn ich in den sozialen Medien manchmal dafür angegriffen werde, weil ich den «armen Vögeln ihr Futter stehle», aber es stört mich dann, wenn es genau diejenigen sind, deren gedankenloses Konsumverhalten wahrhaftig Schaden an der Natur zur Folge hat, zwar nicht vor deren Haustüre, aber vielleicht am anderen Ende der Welt.
Es ist nach wie vor nach meiner Ansicht vor allem unser Konsumverhalten, welches für den grössten Schaden an der Umwelt verantwortlich ist.

