Eine befreundete, betagte Kräuterfrau erzählte mir kürzlich, dass sie ein Augenleiden habe und einen weiten Weg auf eine Alp auf sich genommen habe, um an einer ihr bekannten Stelle Augentrost zu sammeln.
Das erinnerte mich daran, endlich mal wieder einen Beitrag über dieses kleine Kräutlein zu schreiben, dass doch eine so grosse Heilpflanze ist.
Klein und zierlich ist er, der Augentrost (Euphrasia officinalis), doch sein aus dem Griechischen stammender Gattungsname verheisst Licht und Freude und die können wir am heutigen nass-trüben Tag gut gebrauchen.
Ein Grund für mich, just heute euch diese grosse Heilpflanze der Alpen vorzustellen.
Jetzt blüht es noch, dieses liebliche bescheidene kleine Kräutlein, auf Magerwiesen und Weiderasen, hinauf bis auf 2300 Meter. Dort habe ich diesen Augentrost (Euphrasia) fotografiert, auf einer Alpweide im Oberwallis. Noch habt ihr Gelegenheit, ihn zu entdecken, denn er blüht von August bis September.
«Unser» Kräuterpfarrer Johann Künzle stellte damit einst das Augenwasser «Theodora» her, zusammen mit der «edlen Raute und dem würzigen Fenchel, nach dem uralten Rezept der hl. Theodora.» Denn der Name verrät es uns bereits wofür diese Heilpflanze dem Menschen zu Nutzen sein kann. Auch Hildegard von Bingen erwähnte sie bereits im 12. Jahrhundert.
Der Gattungsname stammt aus dem Griechischen und bedeutet Wohlbefinden, Frohsinn und wer schon mal wie ich, mit wachen Sinnen eine Wiese voll mit blühendem Augentrost gesehen hat, der empfindet ein Leuchten das von ihm ausgeht und eine Freude.
Achtung, einige der über 20 Augentrostarten in der Schweiz sind in gewissen Kantonen vollständig geschützt. Beispielsweise Euphrasia minima, der Zwerg-Augentrost, in NW und TG.
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