
Wie diese Rotbeinige Baumwanze (Pentatoma rufipes) auf unserer Fensterscheibe, sind zur Zeit viele Wanzenarten auf der Suche nach geeigneten Überwinterungsplätzen. Sie alle hoffen auf eine günstige Gelegenheit, Einlass in menschliche Behausungen und damit einen trockenen, warmen Platz für den Winter zu finden.
Dies ist der Grund, warum man zur Zeit viele Insekten an Fensterscheiben und Türrahmen usw. beobachten kann. Nicht nur Wanzen, auch Käferarten wie die Marienkäfer.
Normalerweise hält man ja in dieser Jahreszeit, in der nicht selten schon die Heizperiode begonnen hat, die Fenster sowieso nicht mehr lange Zeit offen. Nur noch kurz zum Durchlüften. Aber da wir grad heute, am letzten Tag im September, nochmals Temperaturen von über 25° Grad messen, bleibt so manches Fenster länger geöffnet. Diese Einladung nehmen Wanzen, wie die hier abgebildete hübsche Beerenwanze (Dolycoris baccarum) natürlich gerne an. Obwohl auch sie, wie die anderen Wanzen, normalerweise im Freien überwintert, bietet so ein Überwinterungsquartier im Trockenen mit konstant milden Temperaturen doch grosse Vorteile.
Zur Beruhigung: Die Überwinterungsgäste stechen und beissen nicht, zudem vermehren sie sich über den Winter in den Wohnräumen, auf dem Dachboden oder im Keller, auch nicht weiter.


Auch die hier gezeigte Amerikanische Kiefern-/Zapfenwanze (Leptoglossus occidentalis) erwische ich immer wieder dabei, wie sie hartnäckig versucht ins Haus zu gelangen. Diese auffällige, bis 2 cm grosse Wanzenart, hat ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet im Westen Nordamerikas. 1999 wurde die eingeschleppte Amerikanische Kiefernwanze das erste Mal in Europa entdeckt. Und wie das Neozoen so an sich haben, breitet sich auch diese Art seither munter aus, auch bei uns in der Schweiz.
Im Gegensatz zu einer eingeschleppten Käferart, dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis), richtet die hier abgebildete Amerikanische Kiefernwanze jedoch keine nennenswerten Schäden in den Wäldern an. Insbesondere heisse Sommer, wie wir just einen hinter uns haben, begünstigen ihre Vermehrung, weshalb sie wohl diesen Herbst in grösserer Anzahl auftreten werden.
Hier stelle ich euch eine weitere Wanzenart vor, die Geringelte Mordwanze (Rhynocoris annalatis). Diese attraktive Wanze findet man oft auf Waldlichtungen, an Hecken- und Waldrändern, oder wie ich: im Garten. Larven ab dem 4. und 5. Stadium überwintern in der Bodenstreu, unter Steinen oder Pflanzenrosetten, wie es sie in meinem Garten von den vielen Nacht- und Königskerzen und Stockmalven, zuhauf gibt. Aber sicher wäre auch die Geringelte Mordwanze einem Überwinterungsquartier im «Schärme» wie wir sagen, nicht abgeneigt. «Schärme» ist Schweizer Mundart und steht für einen Ort im geschützten Trockenen.


Also, liebe Leut‘, wer möchte, dass Wanzen wie die abgebildete Amerikanische Kiefernwanze einen Abflug machen und ihr Winterquartier nicht in den Wohnräumen aufschlagen, der zieht jetzt bei offenen Fenstern die Vorhänge vor. Jedenfalls diejenigen von euch, die noch welche haben, ist ja etwas ausser Mode geraten. Aber ich mag die dekorativen, altmodischen, weissen Tagvorhänge halt noch immer, sie bieten – wenn ab und zu gewünscht – nicht nur Sichtschutz, sondern halten bei geöffneten Fenstern auch Insekten ab. Gerade an einem sonnig warmen Tag wie heute, hätte ich ohne sie innert Kürze jede Menge Wespen, Wanzen und allerlei Käfer im Haus.
Und, hättet ihr’s gewusst? Wanzen sind keine Käfer!
Wanzen (Heteroptera) haben ebenfalls sechs Beine, sind aber keine Käfer(Coleoptera)! Sie bilden eine eigene Ordnung innerhalb der Insekten und sind nicht einmal miteinander verwandt.
Der NABU schreibt dazu: «Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied in der individuellen Entwicklung. Käfer bilden am Ende ihrer Wachstumsphase als Larve ein Puppenstadium aus, aus dem das ausgewachsene, geschlechtsreife Insekt schlüpft. Wanzen hingegen wachsen kontinuierlich und entwickeln nach und nach den Körper eines erwachsenen Insekts.
Ein weiterer Unterschied ist beim einfachen Betrachten zu erkennen: Das vordere Flügelpaar ist nicht vollständig, sondern nur im oberen Teil verhärtet, Wanzen haben also keinen vollständigen Rückenpanzer wie Käfer.«
Das Bild zeigt den heimischen Augenfleck-Marienkäfer / Anatis ocellata
