So stelle ich meine Beinwellsalbe her

Wie bereits seit 40 Jahren, stelle ich auch dieses Jahr wieder meine Beinwellsalbe her. Bald stehen günstige Tage für die Wurzelernte beim Beinwell (Wallwurz/Symphytum) an.

In diesen Tagen des Novembers sieht die Heilpflanze nicht mehr aus wie auf dem Bild. Zu diesem späten Zeitpunkt im Jahr sind die Kräfte von den oberen Pflanzenteilen bereits in die unterirdischen Teile, die Wurzeln, zurückgekehrt. Die Blätter sind jetzt grösstenteils bereits gelblich-braun und am Absterben. Der ideale Zeitpunkt für die Wurzelernte.

Abgesehen vom zeitigen Frühjahr, wenn der Beinwell zaghaft mit dem ersten Austrieb beginnt, ist der Spätherbst der ideale Zeitpunkt für die Wurzelernte.

Wer will, kann zusätzlich noch darauf achten, dass er/sie das kostbare Gut im abnehmenden Mond erntet und in dieser Phase vielleicht sogar noch zugleich im absteigenden Mond. Ihr findet als Beispiel ganz zuunterst, am Schluss dieses Beitrages, nach den Warnhinweisen, einen solchen Mondkalenderauszug vom November 2025.

Nach dem Ausgraben erfolgt auf dem Vorplatz zuerst mal eine Grobreinigung von Erde mit dem Schlauch. Danach geht es damit ab in die Küche, wo ich die Wurzelstücke fein säuberlich mit einer Handbürste im kalten Wasser reinige.

Vor der weiteren Verwendung trockne ich die Wurzeln gut mit Haushaltspapier ab und lege sie in der warmen Stube zum Antrocknen aus. Es soll bei der Weiterverarbeitung vom Waschen keine Feuchtigkeit mehr zurückgeblieben sein.

Nun gibt es verschiedene Varianten, wie ihr mit den Wurzeln weiterfahren könnt: a) klein schneiden und mittels Kaltauszug ein Beinwellöl herstellen. b) klein geschnittene Wurzeln für eine Tinktur verwenden, wozu sie in mindestens 40%-igem Alkohol angesetzt werden oder c) das gut angetrocknete Wurzelgut direkt für die Herstellung eines Beinwellöls verwenden, das die Basis für die Beinwellsalbe bildet:

Sobald die Wurzeln gut angetrocknet und nicht mehr feucht sind, schneide ich sie fein und gebe sie in’s Öl. Auf die verschiedenen Ölarten und ihre jeweiligen Vorzüge komme ich am Schluss des Beitrags zu sprechen.

Beim Schneiden wird euch sogleich der Schleim in der Wurzel auffallen, er haftet am Messer an. Es sind exakt diese Schleimstoffe, die bei der Heilwirkung dieser grossartigen Pflanze eine wichtige Rolle spielen. Sie haben eine kühlende, beruhigende und entzündungshemmende Wirkung auf Haut und Schleimhäute. Zusammen mit anderen Inhaltsstoffen (Gerbstoffen, Allantoin und Rosmarinsäure) lindern sie Beschwerden wie zum Beispiel Schmerzen (Rücken, Gelenke, Muskeln), Schwellungen und Entzündungen.

Die nachfolgenden Temperaturvorgaben müssen unbedingt eingehalten werden, sonst werden diese wichtigen Wirkstoffe die den Beinwell ausmachen, zerstört.

Wieviel Wurzeln ihr verwendet, bleibt euch überlassen, es ist ganz einfach: je mehr Wurzeln, desto mehr Wirkstoff wird nachher im Öl enthalten sein. Ich persönlich verwende ungefähr 60 g Wurzeln auf 100 ml Öl.

Um die Wirkstoffe aus der Wurzel zu «ziehen» erwärme ich das Wurzel-/Ölgemisch während zwei bis drei Tagen je einmal täglich für eine halbe Stunde, bei allerhöchstens 60°! Beinwell darf man nie heiss machen, nur so bleibt er ein Segen! Wird die Temperatur überschritten, gehen die Wirkstoffe verloren. Aus diesem Grund überwache ich die Temperatur während der halben Stunde stets mit einem Glasthermometer und benutze diesen dabei auch gleichzeitig um die Wurzeln leicht im Öl zu bewegen.

Nachdem die Wurzeln ausreichend im Öl ziehen konnten, heisst es abseihen und fertig ist euer Beinwell-Öl. Dieses Öl könnt ihr in dunklen Flaschen an einem kühlen Ort aufbewahren und es zur äusseren Einreibung verwenden.

Das fertige Öl dient uns jetzt aber vor allem als Basis für eine wunderbare Beinwell- respektive Wallwurzsalbe, die aufgrund der schonenden Handverarbeitung viele Wirkstoffe enthält. Gleich nach dem Abseihen mache ich mich jeweils an die «Salbete». Dazu benötige ich lediglich Bienenwachs als Konsistenzgeber und ein paar Tropfen naturreines ätherisches Birkenöl, welches ich den Salben noch beimische.

Zuerst müsst ihr wissen, wieviel Salbe ihr herstellen möchtet, damit ihr die Bienenwachsmenge berechnen könnt.

Auf 50 ml Öl benötigt ihr 8 g Wachs

Ich empfehle BIO-Bienenwachs-Perlen wie auf diesem Bild. Es ist 100 % rein, ungebleicht und frei von Fremdwachsen, Duft- oder Farbstoffen. Es verströmt einen wunderbaren Duft. Weisse Wachsperlen verwende ich nicht, sie wurden gebleicht und bei diesem unnötigen Prozess gehen Wirkstoffe verloren.

Nun gebt ihr das Beinwellöl in einen feuerfesten Behälter (z.B. ein Becherglas wie auf dem Bild) und stellt es in eine Pfanne mit Wasser. Jetzt erhitzt ihr das Wasser und gebt die berechnete Bienenwachsmenge in das Öl. Es ist wichtig, auch jetzt bei diesem Wasserbad mit einem Thermometer zu arbeiten und zu überwachen, dass das Öl während des Schmelzens nie heisser als 60° wird. Aus diesem Grund benutze ich auch hier das Glasthermometer, ich kann damit die Temperatur überwachen und gleichzeitig sanft rühren während des Schmelzprozesses.

Nehmt euch Zeit. Salben herstellen verträgt kein Multitasking, denn kaum dreht man nur einen Moment den Rücken, ist die Temperatur bei 80° und die Wirkstoffe sind im Eimer.

Sobald das Wachs sich vollständig im heissen Öl aufgelöst hat, heisst es sofort abfüllen in die zuvor mit Alkohol sterilisierten Tiegel und Töpfchen. Wichtig: Sauber arbeiten! Alle Gerätschaften entweder vorher abkochen oder mit Hochprozentigem aus- respektive abwischen.

Jetzt, nach dem Abfüllen, könnt ihr – falls ihr möchtet – in jedes Töpfchen noch ein paar Tropfen eines ausgewählten naturreinen ätherischen Öls geben. Bei 50ml Dosen sind dies bei mir höchstens zwei Tropfen (ich verwende als Zusatz für die Beinwellsalbe naturreines ätherisches Birkenöl und Kampfer) 

Danach heisst es sofort rühren, rühren, rühren, bis die Salbe die Konsistenz einer Mayonnaise hat. Das dauert rund 20 Minuten.

Das Rühren ist sehr wichtig! Wer nur abfüllt, ohne danach zu rühren, erhält eine steinharte Salbe (ähnliches Prinzip wie bei der Glaceherstellung).

Ich rühre in der Form einer liegenden Acht, sie wird seit alten Zeiten als besonders günstig erachtet und wird auch in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft für das Verrühren von genutzten Präparaten verwendet.

Nachdem die Salben erkaltet sind, dürfen die Salbendosen verschlossen werden und ihre Deckel nach Lust und Laune beschriftet respektive verziert werden. Seit kurzem designe ich meine Etiketten über eine Webseite im Internet selber und verwende dabei eigene Fotos von mir. Für diese Harz-Salben auf dem Bild verwendete ich als Hintergrund ein Foto das ich von Fichtenharz gemacht hatte. – (Das ist einfacher, früher designte ich meine Etiketten auf einem Worddokument und druckte sie auf Etikettenpapier aus)

Nun noch ein paar Worte zur Auswahl von möglichen Basisölen und ihren Eigenschaften:

  1. Traubenkernöl: Ist ein leichtes Öl, zieht schnell ein und ist vorallem für fette und/oder unreine Haut geeignet
  2. Mandelöl: Ein wunderbares Öl für die Haut, wirkt reizlindernd, pflegend, schützend, ist besonders geeignet für trockene Haut, die zu Ekzemen und Rissen neigt.
  3. Rapsöl: Bestens geeignet für empfindliche Haut, sorgt für Feuchtigkeit und ist als einheimisches Öl auch aus ökologischer Sicht empfehlenswert
  4. Jojobaöl: Der Rolls Royce, weil sehr teuer. Ist eigentlich ein flüssiges Wachs, das aus der Nuss eines 2 -3 Meter hohen Baumes aus den USA und Mexiko gewonnen wird. Es dringt sehr gut in die Haut ein, da es in seiner Zusammensetzung dem Hautfett ähnelt, zudem wirkt es entzündungshemmend und eignet sich zur Behandlung von Ekzemen
  5. Distelöl: Ist ein leichtes, hautpflegendes Öl und sehr empfehlenswert für fette Haut.
  6. Leinöl: Hautpflegend und für sehr trockene Haut geeignet
  7. Olivenöl: Wirkt heilend und entzündungshemmend. Sehr gutes Öl für Allergiker.
  8. Kokosnussöl: Gut bei rissiger oder spröder Haut, kann jedoch bei sehr hohem Kokosanteil (über 30%) die Haut zu sehr austrocknen.

Ihr seht, ihr habt die Qual der Wahl. Ich selber arbeite mit Sonnenblumenöl. Noch etwas zur Haltbarkeit: Diese Salben halten sich länger als ein Jahr. Man kann sie auch danach noch immer verwenden, die Wirkstoffe gehen nicht verloren, sie beginnen aber irgendwann ranzig zu werden und unfein zu «duften». Natürlich findet ihr im Internet Stoffe zur längeren Haltbarkeit die ihr hinzufügen könnt. Ich verzichte jedoch bewusst darauf, da ich meine Salben so natürlich wie möglich, mit so wenig wie möglich Zusatzstoffen herstellen möchte.

Zum Schluss noch ein Wichtiger Hinweis zur Anwendung dieser Salbe:

Wie man heute weiss, darf der Beinwell nur äusserlich, auf geschlossener, unversehrter Haut, angewendet werden. Der Grund dafür sind seine enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide: «. Während des Abbaus von Pyrrolizidinalkaloiden in der Leber entstehen nämlich lebertoxische Abbauprodukte, welche zu gefährlichen Störungen in der Leberfunktion führen können. Im schlimmsten Fall droht hier ein Leberverschluss, der nicht nur zu einer Vergrößerung der Leber und Gelbsucht, sondern auch zu Leber- und Nierenversagen führen kann. Ich möchte deshalb ausdrücklich darauf hinweisen, dass sich Beinwell nur zur äußeren Anwendung eignet. Auch das Auftragen auf offene Wunden ist nicht zu empfehlen, da die Alkaloide hier über den Blutkreislauf in die Leber gelangen könnten.»

Ich weise zudem immer wieder darauf hin, dass auch selber hergestellte Produkte mit Heilpflanzen nie über einen längeren Zeitraum als 6 Wochen verwendet werden sollten. Das gilt nicht nur für Salben zur äusseren Verwendung, sondern auch für Teekuren. Danach sollte man auf etwas anderes wechseln und mal eine Pause machen. Bei manchen Pflanzen reduziert sich diese Maximalanwendungszeit sogar noch.

Hier seht ihr das Beispiel des Mondkalenders für den November von 2025: Er zeigt mit blauen Zahlen die Tage des absteigenden Mondes an.

Die abnehmende Mondphase dauert vom 5. bis zum Leermond/Neumond am 19. November. Besonders ungünstige Tage sind weiss markiert. Braun hinterlegt sind zudem die Wurzeltage. (Rot: Fruchttage, Grün: Blatttage, Gelb: Blütentage)

Solche Mondkalender lassen sich gratis im Internet herunterladen.

Nun wünsche ich euch ganz viel Freude beim Herstellen eurer Salbe. Ihr findet auf meiner Seite unter der Rubrik Rezepte Kräuter-/Küche auch noch Anleitung für die Herstellung einer Ringelblumensalbe, sowie einer Harzsalbe (Pechsalbe) und vieles mehr.

Ein Kommentar bei: “So stelle ich meine Beinwellsalbe her

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