Silberdistel – einst als Delikatesse und Wetterprophetin geschätzt

Die auch als Eberwurz und Wetterdistel bekannte Silberdistel (Carlina acaulis) ist mit ihren silbrig-weiss schimmernden Strahlenkränzen ein wunderschöner Schmuck der Alpweiden.

Dank einer hygroskopischen Eigenschaft kann sie zuverlässig voraussagen, wann Regen im Anzug ist. Die Distel wurde aber nicht nur als Wetterprophetin geschätzt: Einst wurden ihre jungen fleischigen Blütenböden wie Artischocken verwendet.

Ihre so wunderbar silbrig-weiss schimmernden, bis zu 11 Zentimeter grossen Strahlenkränze sind die Zierde jeder Alpweide. Dort, wo das Weidevieh seine Pflanzenkonkurrenz im Zaum hält, auf mageren Weiden und kalkreichen Böden, gefällt es dem Korbblütler. Mancherorts steigt er bis in Höhen von 2800 Metern. Wird eine Alp nicht mehr beweidet und verbuscht in der Folge, verschwindet in der Regel auch die Silberdistel (Dieses Schicksal würde viele der prächtigen Alpenblumen ereilen, würden die Alpen nicht mehr bestossen).

Die Silberdistel ist ausgesprochen wehrhaft. Mit den stachelig gezähnten Blättern will man nicht wirklich nähere Bekanntschaft machen. Diese Tatsache musste ich gerade kürzlich wieder schmerzhaft beim Fotografieren der Schönheit erfahren (Was man nicht alles macht, um euch die Natur etwas näher zu bringen). – Ich vermute mal, dass das Weidevieh deswegen auch nicht allzuviel Freude an dem stacheligen Gewächs hat. Dabei würde die noch junge Silberdistel mit einer Delikatesse aufwarten, die sogar einst beim Volk geschätzt worden ist:

Die jungen und fleischigen Blütenböden der Eberwurzen, wie die Silberdisteln auch genannt werden, sollen in manchen Gegenden ähnlich wie die der Artischocken verwendet worden sein. Da sie wohlschmeckend sind und im Geschmack anscheinend tatsächlich an Artischocken erinnern, soll diese Speise beim Volk einst sehr beliebt gewesen sein. Es bezeichnete sie als «Jägerbrot» oder «Distelbrötchen»..

(Auf diesem Bild seht ihr bereits verblühte Silberdisteln)

Dass die Silberdistel auch als Wetterdistel bezeichnet wird, hat seinen Grund: Gegen Abend, wenn die Luftfeuchtigkeit steigt, oder bei regnerischem Wetter und wenn Regen im Anzug ist, wölben sich die abgestorbenen, silbrig-weissen Hüllblätter zu einem kegelförmigen Dach über den Blütenköpfen zusammen. Dies verdankt die zuverlässige Wetterprophetin der hygroskopischen Eigenschaft, dass die Unterseite der Hüllblätter mehr Luftfeuchtigkeit aufnimmt als deren Oberseite.

Sind die Blüten selbst bei sonnigem Wetter geschlossen, deutet dies auf bevorstehenden Regen oder Gewitter hin; gut zu wissen für die Älpler, wenn sie am Heuen sind. Wie ausserordentlich empfindlich diese Hüllblätter auf erhöhte Luftfeuchtigkeit reagieren, kann man gleich selber testen: Anscheinend soll bereits ein fünf- bis zehnmaliges Anhauchen genügen, um eine erste Aufrichtebewegung in Gang zu setzen.

Silberdisteln sind entweder fast stängellos oder aber sie werden bis zu 40 cm hoch. Als Tiefwurzler erreicht ihre Pfahlwurzel Tiefen von bis zu einem Meter. Der silbrig-weisse Strahlenkranz besteht aus inneren Hüllblättern, die interessanterweise zur Zeit der Blüte bereits abgestorben sind. Sie umgeben das eigentliche Blütenkörbchen, welches von einigen hundert weisslichen bis teils rötlichen Röhrenblüten zusammengesetzt ist. Je nach Standort, erstreckt sich die Blütezeit von Juni/Juli bis September/Oktober. Noch habt ihr also Gelegenheit, dieser Schönheit der Alpen zu begegnen.

Aber denkt daran: Auch wenn sich solche wunderschön silbrigen Strahlenkränze natürlich auch als Dekoration eignen würden, die Silberdistel steht in sehr vielen Ländern und Regionen unter Naturschutz.

Zum Schluss noch ein paar Wort zur Namensherkunft:

Bereits Carl von Linné gebrauchte den Namen Carlina acaulos, magna flore. Caspar Bauhin wiederum bezeichnete die Silberdistel als Carlina caulifera vel acaulis. Was den Gattungsnamen betrifft, so soll sich der wahrscheinlich «über eine oberitalienische Dialektform cardelina (distelförmige Sippe) über den Namen des Distelfinks (Carduelis carduelis) vom lateinischen carduus» ableiten.

«Acaulis» ist aus dem Lateinischen, bezieht sich auf das äussere Erscheinungsbild und bedeutet «stängellos».

Nun wünsche ich euch allen einen schönen Tag. Wenn ich so nach draussen schaue, wo es regennass, herbstlich kühl und neblig ist, weiss ich wieder mal, warum man für Gartenarbeiten im Herbst jeden warmen, trockenen Tag nutzen sollte. Jänu, ich hoffe noch auf einen «goldenen Oktober»,

Gaby Kistler

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