
Gestern konnte ich zum ersten Mal in diesem Jahr am blühenden Rosmarin eine Grosse Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) fotografieren. Der laute, dicke Brummer wird auch als Grosse Holzbiene, Blauschwarze Holzbiene oder Violettflügelige Holzbiene bezeichnet. In meiner Kindheit der 60-er Jahre gab es sie bei uns noch nicht.
Viele der Namen beziehen sich auf die blau schillernden Flügel, auffällig auch der metallisch-schwarz glänzende Panzer. Grosse Holzbienen zählen mit einer imposanten Körperlänge von 20-28 mm zu den größten Vertretern der Bienen in ganz Mitteleuropa. Obwohl sie laut und gross sind, stellen sie für uns Menschen keine Gefahr dar, denn sie sind sehr friedfertig. Wie andere Bienenarten auch, besitzen die weiblichen Grossen Holzbienen einen Stachel den sie zur Verteidigung wenn nötig einsetzen. Doch den habe ich noch nie zu spüren bekommen, selbst dann nicht, wenn sie während der Bohnenblüte manchmal zu mehreren laut brummend um meinen Kopf herum schwirren.


Wie es der Name bereits verrät, spielt Holz eine grosse Rolle im Leben der Blauschwarzen Holzbiene. Jetzt, im zeitigen Frühling, sieht man hauptsächlich Weibchen, die auf der Suche nach geeigneten Plätzen für ihre Brut sind. Das können sonnenbeschiene, bereits abgestorbene Baumstämme sein, die noch nicht allzu morsch sind, aber auch Holzbalken oder mal ein Zaunpfahl. Bei mir nisteten sie in Stangenbohnen-Holzstangen. Zuvor bohrt das Weibchen Löcher in das Holz und legt dann ihre Eier darin ab. Die Brut zieh sie alleine auf, denn im Gegensatz zur Honigbiene bildet diese Bienenart keinen Staat.
Die Holzbiene zählen zu den langzüngigen Bienen, ein Grund, weshalb man sie vor allem an Lippen- und Schmetterlingsblütlern beobachten kann. So entdecke ich sie während der Bohnenblüte häufig auf Busch- oder Stangenbohnen (Bild), aber auch auf Rosmarin- und Blasenstrauchblüten.
Für meine Recherchen konnte ich kein einziges meiner Insektenbücher auf dem Regal verwenden, denn diese Bienenart kommt darin nirgends vor. Das hat seinen Grund: Es gab sie nämlich vor nicht allzu langer Zeit noch gar nicht in unseren Regionen: Früher kam sie lediglich in den warmen Gebieten Mitteleuropas vor, noch heute ist die Große Holzbiene einer der im Mittelmeerraum am häufigsten vorkommenden Bienenarten.


Doch unterdessen ist sie auch in unseren nördlichen Regionen Mitteleuropas angekommen, vor allem in tieferen Lagen. Die Grosse Holzbiene ist ja nicht das einzige Insekt, das wärmebedingt zunehmend auch im Norden auf dem Vormarsch ist. Und so werde ich mir dank euren Spenden nächstens ein neues, aktuelles Insektenbuch anschaffen können. Da ist dann beispielsweise auch die Asiatische Hornisse drin. Die breitet sich bei uns aber nicht aufgrund des wärmer werdenden Klimas aus, sondern weil die Vespa velutina ein invasiver Neozoon ist, der ursprünglich aus Südostasien stammt. Zu den eingeschleppten invasiven Neozoon zählt auch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und viele weitere.
Vor ein paar Tagen habe ich übrigens bereits die ersten Feldgrillen zirpen gehört, die Flügel sind demnach unterdessen fertig entwickelt (habe vor einer Weile über die Larven geschrieben, die noch keine Flügel hatten).
Zur Zeit blühen grad die Kirschbäume und Birnbäume besonders schön. Noch ein, zwei Tage, dann öffnen sich auch die Blüten der Apfelbäume, die stets ein wenig später dran sind als die Birnbäume.
Geniesst das Wochenende, herzlich
Gaby Kistler

wow, Glückwunsch
Tolle Bilder uns interessanter Bericht.