Schwefelporling – das «Chicken of the woods»

Gestern entdeckte ich den ersten Gemeinen Schwefelporling ((Laetiporus sulphureus) in diesem Jahr und zwar zum wiederholten Mal an diesem mächtigen Birnbaum.

Das grosse, schwefelgelbe Gebilde ist kaum zu übersehen und im englischsprachigen Raum auch als «Chicken oft the woods» bekannt. Das hat mit seinem Fleisch zu tun, denn im noch jungen, saftigen Stadium, ist der Pilz essbar und sein Geschmack erinnere anscheinend an Huhn. Nun in diesem Fall sitzt das Huhn aber nicht im Wald sondern in einem Obstgarten, wie so oft in meiner Region.

Er mag auf dem Baum klein aussehen, doch das täuscht. Dieser junge Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) hat eine stattliche Grösse von ca. 20 cm.

Charakteristisch für diese Porlingsart sind die wie Fächer übereinander ausgebreiteten Hüte mit welligem Rand. Sie werden bis zu 30 cm breit und etwa 2-5 cm dick. Ihr Farbe kann je nach Alter variieren, mal sind die Fruchtkörper schwefelgelb, orange oder gelbbraun und im Alter schliesslich weiss.

Obwohl er im englischsprachigen Raum als «Chicken of the woods» bekannt ist, habe ich in unserer Region noch nie einen Schwefelporling im Wald entdeckt. Hier wächst er selten an Nadelbäumen, höchstens in höheren Lagen manchmal an Lärchen (Larix). Bei uns hingegen befällt er stets Obstbäume wie Kirsche oder Birnbäume (Bild). Um dem aussergewöhnlichen Nadelholzschwefelporling (Laetiporus montanus) zu begegnen, der an Fichte oder Tanne wächst, braucht es wohl schon etwas Glück.

Im Obstgarten ist der Schwefelporling als Erzeuger von Braunfäule nicht gerne gesehen. Der parasitäre Pilz dringt in Wunden am Baum ein und ernährt sich vorerst mal vom Abbau des Kernholzes im Stamm. Später dringt er auch in das Splintholz vor, was irgendwann folglich die Stand- und Bruchfestigkeit des Baums stark beeinträchtigt und zu Windwurfanfälligkeit führt. Am Ende schliesslich kann das Absterben des befallenen Baumes drohen.

Dieses Bild zeigt einen etwas älteren Schwefelporling, der sich nicht mehr zum Verzehr eignet. Überhaupt wird der Speisewert dieses Pilzes sehr unterschiedlich beurteilt. Die einen schwärmen davon, weil er jung und noch saftig, angeblich tatsächlich geschmacklich dem Hühnchen ähnlich sei. Andere wiederum verstehen das «Theater» nicht, das um diesen Pilz gemacht wird, weil sie seinen Geschmack fade, nichtssagend finden. Kommt hinzu dass es gelegentliche Unverträglichkeiten gibt, vor allem dann, wenn der Pilz vor der Zubereitung nicht 10 Minuten in Salzwasser gekocht wird, damit die enthaltene, Brechreiz verursachende Oxalsäure entfernt wird.

Bei Funden in Obstgärten muss man sowieso vorsichtig sein, denn Obstbäume werden in meiner Umgebung fast immer mit chemischen Mitteln gespritzt und die können nicht nur auf, sondern auch im Pilz vorhanden sein.

Zudem schreibt 123Pilzsuche:

«Wenn dieser Pilz an einem giftigen Baum wächst, ist er unbedingt zu meiden, da er eventuell dessen Giftstoffe aufnimmt! Z. B. wächst er an einer Eibe (TAXUS BACCATA) oder Goldregen (LABURNUM), so überträgt der Baum möglicherweise das Gift Taxin (Eibe) oder Cytisin (Goldregen), welches zu schweren Vergiftungen führen kann! Ebenso gibt es Beobachtungen, dass Schwefelporlinge, die an Eichen oder Robinien gewachsen sind, bei empfindlichen Personen Durchfall und Erbrechen verursacht haben. Der Pilz entzieht dem Baum Gerbsäure, dieses wirkt sich negativ auf den Geschmack aus.» (https://123pilzsuche.de/daten/details/Schwefelporling.htm)

Essen würde ich den Pilz sowieso nicht, ich bestaune die Schwefelporlinge viel lieber lebend am Baum, wie übrigens fast alle Pilzarten. Einzig die Eierschwämme (Pfifferlinge) landen bei mir in der Pfanne und selbstverständlich Steinpilze.

Die Grosseltern – die für mich meine Eltern waren – nahmen mich in meiner frühen Kindheit immer mit zum «pilzle» und es war der Grossvater, der sie schliesslich zubereitet hat. Ich sehe ihn noch heute, wie er sich eine Schürze umgebunden hat und dann mit feierlicher Miene die Steinpilze gerüstet, in etwas Butter gebraten und gesalzen hat. Finito. Wie hat das wunderbar geschmeckt.

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