Schöllkraut – eine «Himmelsgabe»

Das Schöllkraut (Chelidonium majus) folgt wie der Holunder oder die Brennnessel, den menschlichen Behausungen und ist daher bereits seit Jahrtausenden ein treuer Begleiter des Menschen.

Schon in der Antike wurde es medizinisch genutzt und im Mittelalter nahmen sich der auch als Goldwurz und Warzenkraut bekannten Pflanze auch die Alchimisten an.

Im 1982 erschienenen Buch von Richard Willfort (Gesundheit durch Heilkräuter) finde ich das Schöllkraut unter der Bezeichnung Schellkraut, erst unter den Volksnamen wird es als Schöllkraut erwähnt. Im selben Buch wird das Mohngewächs auf 4 Seiten als Heilpflanze gepriesen, wo sie doch heute beispielsweise in der «Flora Helvetica» als «stark giftig» bezeichnet wird. Trotzdem bekommt die Pflanze im zeitgemässen Buch «Heilpflanzen Praxis Heute» (Siegfried Bäumler) ebenfalls einen prominenten Platz. Zu der Verwendung des Milchsafts gegen Warzen steht dort unter anderem: «Ein gewisser therapeutischer Effekt wird postuliert«.

Im selben Buch steht auch, dass dieser Gebrauch des Milchsafts im Kampf gegen Warzen «einst in alten Zeiten» in der Volksmedizin praktiziert worden sei. Tatsache aber ist: Bei uns auf dem Land wird das wiederholte, tägliche Beträufeln von Warzen mit dem frischen Milchsaft noch heute vielerorts praktiziert. Mit Erfolg. ABER ACHTUNG: Der Umgang mit dem ätzenden Saft erfordert Vorsicht. Er kann nicht nur starke Flecken auf Kleidern verursachen, sondern auch böse Verätzungen der Augen, z.B. wenn der Saft aus Versehen (Schweiss abwischen) in die Augen gerät.

Der Pflanze nahmen sich wie eingangs erwähnt im Mittelalter auch die Alchimisten an. Die goldgelben Blüten wurden «bei der Suche nach dem Stein der Weisen, dem Gold der Alchemisten, eingesetzt.» Was sich im Namen Goldkraut oder in der Bezeichnung «Coeli donum = Himmelsgabe» ausdrückt.

Die Anwendungsmodalitäten haben sich natürlich im Lauf der Zeit geändert: In der Hoffnung auf Heilung, goss man an drei Freitagen den Urin eines Erkrankten über die Pflanze und sprach dabei: «Schöllkraut, ich tränke dich, Gelbsucht, ich senke dich in den Boden».

Heilpflanze oder doch nur eine stark giftige Pflanze, welche zum Beispiel die Leber schädigen kann, was nun? Ich persönlich bin überzeugt, dass diese Pflanze sehr wohl eine grosse Wirksamkeit hat und sie nicht umsonst den Menschen seit Jahrtausenden in den Siedlungen begleitet. Doch ich habe aufgrund der enthaltenen Inhaltsstoffe einen grossen Respekt vor dem Schöllkraut und verwende es lediglich äusserlich zur Behandlung von Warzen.

Das Schöllkraut wächst bei mir daheim an allen Ecken, ich mag es einfach sehr, mit den hübschen goldgelben Blüten und den bläulich-grünen Blättern, auf denen das Wasser augenblicklich auf der Oberfläche abperlt. Während der Blütezeit, von Mai bis September, soll der Alkaloidgehalt übrigens eher niedrig sein.

Nach der Blüte entwickeln sich schmale, längliche Kapselfrüchte die ca. 5 Zentimeter lang sind (Bild). Sie enthalten schwarzbraunen, leicht glänzenden Samen.

Obwohl das Schöllkraut zwar keinen Nektar anzubieten hat, sind seine Blüten doch bei Insekten sehr beliebt. So schätzen den Blütenstaub vor allem verschiedene Hummelarten, aber auch andere Wildbienen wie zum Beispiel einige Schmalbienenarten.

Das Samenanhängsel, ein nahrhafter Ölkörper, ist zudem bei Ameisen beliebt. So sind denn auch sie es, die zur Verbreitung der Pflanze führen, indem sie deren Samen verschleppen.

Benutzte Quellen: «HEILPFLANZEN PRAXIS HEUTE» Siegfried Bäumler (Urban & Fscher), Flora Helvetica, Richard Willfort «Gesundheit durch Heilkräuter», Smagy

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