
Achillea millefolium – so lautet der wissenschaftliche Name der Wiesen-Schafgarbe für die der Volksmund zahlreiche Bezeichnungen kennt: Bauchwehkraut, Blutstillkraut, Frauendank oder Achilleskraut sind nur einige davon. Wie so oft, weisen manchmal Trivialnamen auf das Anwendungsgebiet der Pflanzen hin, so auch im Fall dieser altbewährten Heilpflanze.
In den Alpen wächst noch eine besondere Art, die Moschus-Schafgarbe. Aus ihr wird noch heute hoch geschätzter Likör hergestellt, der bereits 1782 Erwähnung findet.
«Achillea» nimmt Bezug auf eine Sage, in welcher Achilles durch den heilkundigen Zentauren Cheiron über die Anwendung der Schafgarbe als Wundheilmittel unterrichtet worden sei. Schon immer galt die Schafgarbe in früheren Zeiten als wichtiges Mittel bei der Behandlung von Wunden die durch eiserne Waffen zugefügt worden sind.
«Millefolium» wiederum bezieht sich auf die feingefiederten Blätter und ihr filigranes Erscheinungsbild («mille» = tausend, «folium» = Blätter)
Manchmal – wenn auch selten – sind ihre Zungenblüten rosa, mal heller (wie auf diesem Bild), mal intensiver rosa. Das ist eine Laune der Natur.
Im Handel sind Züchtungen in Rot und Gelb erhältlich, diese kultivierten Sorten besitzen jedoch keine nennenswerten Heilkräfte mehr.


Innerliche Anwendungen: Schafgarben gelten als hilfreich bei allerlei Magen-Darm-Beschwerden wie auch bei Frauenleiden (u.a. Menstruationsbeschwerden). So wurde die Schafgarbe im Mittelalter als «supercilium veneris» = «Augenbraue der Venus» bezeichnet, schliesslich gelten Frauenkrankheiten, bei denen sie sich als sehr hilfreich erweist, als Domäne der Schafgarbe. Bereits Pfarrer Kneipp schrieb in seinen Schriften: «Viel Unheil bliebe den Frauen erspart, würden sie ab und zu einmal nach Schafgarbe greifen!«.
Auch ich greife immer mal wieder zu einem Tässchen Schafgarbentee. Damit dies auch im Winter möglich ist, bin ich zur Zeit am Trocknen des altbewährten Heilkrauts. Es kann als Ganzes bis im September geerntet werden.
Sind die Kräuter ausreichend trocken (hier Schafgarbe und Dost/Origanum vulgare) schneide ich sie in etwa knapp 1cm grosse Stücke und bewahre sie danach in Blechdosen auf.
Äusserlich wird die Schafgarbe hauptsächlich zum Pflegen respektive Baden von Wunden verwendet, am besten mit einem Teil Kamille.
Für weitere, genaue heilpflanzliche Anleitungen bitte ich euch entsprechende Fachliteratur oder Drogerien zu konsultieren, ich führe hier keine Heilpflanzenseite. Viel lieber gehe ich noch kurz – wie eingangs versprochen – auf eine spezielle Schafgarbenart ein, die bei uns in den Alpen vorkommt: Die Moschus-Schafgarbe (Achillea erba-rotta subsp. moschata (Wulfen)


Die hier abgebildete Moschus-Schafgarbe wächst hauptsächlich auf Felsschutt in der Nähe von Gletschern und auf einer Höhenlage von 1700 bis 3200 Metern. Sie wird bei uns im rätoromanischen Sprachraum als (Erba) Iva bezeichnet.
Schon im 18. Jahrhundert berichtete der Naturgelehrte Albrecht von Haller von der medizinischen Wirkung der Iva-Pflanze. «Aber auch als alkoholisches Getränk ist der Schnaps seit spätestens 1782 bekannt.» Auch ein Bündner Pfarrer soll berichtet haben, dass «im Engadin seit vielen Jahren ein geistiger, angenehmer Likör aus dieser Pflanze zubereitet wird». Aus der Moschus-Schafgarbe werden also neben Kräutertees, auch Liköre und Magenbitter hergestellt. Ferner gebraucht man sie zur Aromatisierung von Grappa.
Noch heute, so heisst es, besitze beinah jede Familie im Oberengadin ihr ganz eigenes geheimes Iva-Rezept.
Soviel für heute von der Schafgarbe. Morgen widme ich dem Thema Trockenheit einen Beitrag, die ja leider im Moment bei uns (Schweiz) sehr aktuell ist. Darüber, wie Weinbergschnecken zum Beispiel damit umgehen und welche Pflanzen besonders gut mit längerer Trockenheit zurecht kommen. Dazu zählt übrigens die Schafgarbe.







Benutzte Quellen für den heutigen Beitrag: Flora Helvetica, Siegfried Bäumler (Heilpflanzen Praxis Heute), Christine Storl (Unsere Grüne Kraft), Sac-cas Schweizer Alpenclub