
Die blühenden Roten Lichtnelken (Silene dioica) erinnern mich stets an meine Kindertage. Wie oft bin ich mit einem Sträusschen für die Grossmutter von der Schule nach Hause gekommen. Es enthielt neben Löwenzahn- und Hahnenfussblüten immer auch Blüten von Roten Lichtnelken.
Die Rote Lichtnelke wird je nach Region auch als Rote Waldnelke, Rotes Leimkraut, Taglichtnelke oder Herrgottsblut bezeichnet. Bei uns sieht man sie noch relativ häufig entlang von Waldrändern und in den Wiesen vor dem ersten Schnitt. Besonders freut mich ihre Anwesenheit im Garten, da darf sie blühen so lange sie will. Ab April bildet die Rote Lichtnelke bis im Oktober immer wieder neue Blüten.
Obwohl ich in meiner Bibliothek sehr viele Bücher über die Natur stehen habe, finde ich die Rote Lichtnelke weder in der Heilpflanzenliteratur noch in Büchern über Wildgemüse erwähnt.


Und so beziehe ich meine heutigen Informationen ausnahmsweise mal ausschliesslich vom Internet. Wikipedia erwähnt beispielsweise, dass Ravioli im nordöstlichen Italien nicht nur mit Ricotta, sondern auch mit Blättern des Leimkrautes gefüllt werden.
Zudem seien in der Volksmedizin die zerstossenen Samen einst zur Behandlung von Schlangenbissen eingesetzt worden. Die bis zu 50 cm tief reichenden Wurzeln wiederum fanden früher Verwendung als Seife. Dies ermöglichte der hohe Gehalt an schäumenden Saponinen – vor allem in der Wurzel.
Die Rote Lichtnelke wird tagsüber von Käfern, Tagfaltern, verschiedenen Bienenarten wie der Gartenhummel und Dunkelgrünen Schmalbiene sowie der Roten Ehrenpreis-Sandbiene besucht. Nachts wird sie von allerlei Nachtfaltern angeflogen. Zudem stellen ihre unauffälligen, grünen Blätter die Raupennahrung für verschiedene Schmetterlingsarten dar.


Man kann diese hübsche Pflanze auch in den Garten holen. Flora-di-Berna schreibt dazu: » Die rote Waldnelke mag einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit humosem, eher feuchtem und nährstoffreichem Boden. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass sie auch in normalem Gartenboden gut gedeiht und ihr Hitzesommer nichts ausmachen, da sie bis im Sommer ihre Blüten und die Samenbildung schon abgeschlossen hat. Auch im Schatten wächst sie gut, sofern der Boden nicht zu stark durchwurzelt und zu trocken ist.»
Die Kapselfrüchte, die sich nach der Befruchtung der Blüten entwickeln, sind prall gefüllt mit dunkelbraunen, bis schwarzen Samen. Durch das Hin- und Herwiegen im Wind werden sie aus der Kapsel herausgeschüttelt. Fehlt der Wind, helfen auch vorbeigehende Wild- und Haustiere beim Ausschütten der Samen. Ich lasse sie immer ausreichend versamen, damit ich mich auch im nächsten Jahr wieder an den hübschen Blüten erfreuen kann.
Zum Schluss noch etwas zur Botanik: Die Rote Lichtnelke gehört zur Gattung der Leimkräuter (Silene) innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).
