Rote Kerzen auf Fichten und gelbe Pollenwolken über den Wäldern

Die Krone dieser Fichte (Rottanne/Picea abies) ist bestückt mit vielen roten «Kerzen». Es sind die weiblichen Blüten, die hier auf Pollen der männlichen Blüten warten und dieser wabert zur Zeit in riesigen, gelben Wolken über den Nadelwäldern. Wir befinden uns nämlich wieder einmal in einem sogenannten Mastjahr.

So sehen die aufrechtstehenden «Kerzen» der Fichte von nah aus: Es handelt sich dabei um die weiblichen Blüten in 2 – 4 cm langen Zapfen, die zuerst noch aufgerichtet sind, sich später jedoch nach unten neigen. Ihre Fruchtschuppen sind am Rand gewellt.

Die männlichen Blüten hingegen sind zu Beginn noch eher kugelige, später bis 3 cm lange, beim Aufblühen aufgerichtete, rotgelbliche Kätzchen. Sie sind es, die zur Zeit Tonnen von Pollen in der Luft schweben lassen, man findet im Internet viele Videos davon, wie dieser gelbe «Schwefelregen» über den Nadelwäldern vom Wind dahingetrieben wird.

Im oberen Bildteil steht aufrecht eine einzelne weibliche, purpurrote «Kerze» und darunter die beschriebenen rotgelben, männlichen Kätzchen. Sie sind zu Beginn etwa ein Zentimeter lang und stehen einzeln an den Zweigspitzen. Der Wind amtiert als Bestäuber und trägt ihre Pollenkörner zu den weiblichen Blütenständen. Aus ihnen entwickeln sich nach der Befruchtung die uns bekannten, braunen, samentragenden Zapfen. Im Gegensatz zur Tanne (Abies alba) wird jedoch die bei uns in der Schweiz als Rottanne bezeichnete Fichte (Picea abies) ihre Zapfen nach dem Verholzen bald einmal abwerfen. So gesehen können wir eigentlich gar keine «Tannen-«Zapfen am Boden finden, sondern lediglich Fichtenzapfen, denn nur sie fallen zu Boden, nicht aber die Zapfen der Tanne.

Dieses Bild zeigt oben bereits befruchtete weibliche Zapfen und unten verblühte, bräunliche, männliche Blüten. Sie haben unterdessen alle Pollen freigegeben.

Eine einzelne Fichtenblüte enthält bis zu 200’000 Pollen! Im Vergleich: Die einzelne Kieferblüte enthält 160’000 Pollen. Bedenkt man, dass bei der Windbestäubung ein überwiegend grosser Teil der Pollen verloren geht, macht diese «Massenproduktion» durchaus Sinn.

Eine ausgeklügelte Strategie steckt auch hinter sogenannten Mastjahren. In diesen Jahren, die bei der Fichte ungefähr alle 4-7 Jahr stattfinden, produzieren die Bäume besonders viel Pollen.

Aber was sind Mastjahre? Der Begriff stammt aus alten Zeiten, wo man Haustiere wie Ziegen oder Schweine, noch in die Wälder getrieben hat. Auf diese Weise wurden insbesondere Schweine in kurzer Zeit dank Bucheckern und Eicheln mit hochwertiger, natürlicher Kost gemästet.

Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass die Waldbäume nicht immer gleich viel Früchte tragen. Manchmal gibt es eher wenige Eicheln, Bucheckern, oder im heutigen Fall Fichtenzapfen und in anderen Jahren wiederum tonnenweise. Von dieser unregelmässigen Fruchtbildung sind Tanne, Ahorn, Fichte, Buche, Linde, Eiche und Kastanie betroffen, nicht aber Pappel und Weiden.

Bei der Fichte, schreibt das deutsche Baumpflegeportal, fanden die letzten Fichtenmastjahre 2018 und 2022 statt. Wie es heute aussieht weiss ich nicht, bei uns jedenfalls liegt das letzte gar nicht so lange zurück (2024) und auch dieses Jahr schweben bereits wieder riesige, von Weitem sichtbare gelbe Pollenwolken über den Nadelwäldern. Dieselbe genannte Quelle schreibt dazu: «In den letzten Jahren häuften sich die Mastjahre. Forscher vermuten, dass dies mit dem Klimawandel zusammenhängt. Zum einen kommt es vermehrt zu Spätfrösten, die ein Mastjahr im Folgejahr begünstigen. Zum anderen sorgen warme und trockene Sommer für einen höheren Blütenansatz.»

Aber was bedeutet so ein Mastjahr für die Bäume, denn sie profitieren in diesen Jahren zwar von einer guten Verbreitung ihrer Samen, doch die enorme Fruchtproduktion ist auch mit einem hohen Energieverbrauch verbunden. Diese Energie fehlt in diesen Jahren beim Wachstum, weshalb dieses folglich geringer ausfällt. Das kann man anhand der Jahrringe deutlich erkennen. Welche Strategien aber stehen noch – ausser der guten Samenverbreitung – hinter Mastjahren?

Dazu schreibt «Einsiedeln Natur»: Sie «ist eine Überlebensstrategeie und raffinierte Abwehr gegen Fressfeinde.» Dank der Mastjahre können sich in den eher mageren Zwischenjahren Rötelmaus, Eichhörnchen usw., welche die Samen fressen, nicht so stark vermehren. Gebe es dann aber wieder einmal ein Mastjahr, «so können die Fressfeinde diese Masse an Samen nicht verwerten und es bleiben genügend Samen für eine neue Generation Bäume

Pollen – hier auf dem Wasser – überziehen bei uns zur Zeit schlicht alles und dringen in jede Ritze ein. Zur Zeit bin ich gerade kurz am Lüften, weil es im Moment leicht regnet und damit die in der Luft befindlichen Pollen gebunden werden. Ansonsten halte ich in diesen Tagen Türen und Fenster geschlossen, damit die gelbe Pollenflut nicht auch ins Hausinnere gelangt.

Was dieser Autobesitzer hier vielleicht nicht sonderlich schätzt, fürs Pflanzenwachstum jedoch sind Pollen wichtig: «Pollen, die auf der Erde landen, werden durch das Regenwasser eingeschwemmt. Im Boden zersetzen Lebewesen die Nährstoffbomben und machen sie so für Pflanzen zugänglich

In Gartenteichen oder Seen kann aber eine grosse Masse an mit Nährstoffen vollbepackten Pollen dazu führen, dass sich in den Gewässern Algen übermässig ausbreiten können.

Noch ein Tipp zum Schluss: Wie ihr sehen könnt, triefen diese jungen, noch nicht verholzten, «grünen» Zapfen förmlich von Harz. Dieses könnt ihr euch Zunutze machen und damit einen wunderbaren Fichtenzapfen-Balsam herstellen. Es wird empfohlen, ihn bei Erkältungen im Brustbereich aufzutragen, ferner bei Muskelkater, Verspannungen im Halswirbelbereich, Gelenk- und Muskelschmerzen. Hier erfährt ihr mehr darüber und findet zudem ein Rezept zur Herstellung eines solchen Fichtenzapfenbalsams: https://www.naturzauberwerke.at/blog/2020/06/06/kostbarkeiten-aus-dem-wald-fichtenzapfen-balsam/

Benutzte Quellen für den heutigen Beitrag: «Bäume – über die Wurzeln einer tiefen Verbindung» Hase/Amber und Baumpflegeportal/Strategie der Bäume

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