
Auf dem Bild seht ihr links die gestern gepflückte Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum) und rechts die Purpurrote (Acker-) Taubnessel (Lamium purpureum).
Stellt man sie nebeneinander, sind die Unterschiede offensichtlich, für sich alleine stehend, in der Natur, muss ich mir trotzdem manchmal die Unterscheidungsmerkmale anschauen.
Zuerst widme ich mich der Gefleckten Taubnessel, die an Weg- und Waldrändern, in Hecken oder auf Schuttplätzen, richtiggehende grosse Teppiche bildet. Was ich bei der Purpurroten Taubnessel in diesem Ausmass noch nie beobachten konnte.
Die Gefleckte Taubnessel wächst 15 – 50 cm hoch, die Purpurrote Taubnessel im Vergleich jedoch lediglich 10 – 25 cm.


Ist sie nicht wunderschön, die Blüte der Gefleckten Taubnessel mit der rot-weiss gefleckten Unterlippe und der helmartigen «Kappe»? Typisch Lippenblütler halt: Von der Seite her gesehen erinnern sie an einen geöffneten Mund mit Ober- und Unterlippe. Wobei die Gefleckte Taubnessel ihr «Mäulchen» besonders weit aufreisst.
Die weiss-rote Zeichnung auf der Unterlippe sind stark duftende Saftmale die potentiellen Bestäubern den Weg zum Blütenzentrum weisen. In der Kronröhre finden sie zuckerreichen Nektar (42%), doch ist dieser nur langrüsseligen Insekten zugänglich. Die anderen, Erdbienen zum Beispiel, beissen manchmal einfach die Kronröhre seitlich auf, um an den Nektar zu gelangen. Da sie damit aber nicht der Bestäubung dienen, gelten sie als Nektarräuber.
Die Unterlippe ist bei der hier gezeigten Gefleckten Taubnessel viel ausgeprägter weiss-rot gefleckt, die Oberlippe ist aufrecht und erinnert in der Form an einen Helm. Insgesamt ist die Blüte mit einer 2-3 cm langen Krone grösser als die der Purpurroten Taubnessel (bis 1 cm lang).
Der hohle Stängel ist vierkantig und nur am Grund verzweigt. Im unteren Bereich ist er fast kahl, aber ansonsten spärlich abstehend weiss-flaumig behaart und oft rot überlaufen. Ich orientiere mich stets an der Stängelbehaarung, denn die fehlt bei der Purpurroten Taubnessel, ihre Stängel sind kahl.


Ihre weich behaarten Blätter sind fast so groß wie die der Großen Brennnessel und sehen zuweilen auch ähnlich aus: Sie sind herzförmig, jedoch lang zugespitzt und unregelmässig gezähnt. Die noch jungen Blätter sind auch bei der Gefleckten Taubnessel manchmal anfänglich purpurrot überlaufen.
Insgesamt ist alles ein bisschen grösser bei der mehrjährigen Gefleckten Taubnessel. Obwohl sie erst ab März zu blühen beginnt, begegnet man der Pflanze bei uns oft auch «wintergrün» im Winter.

Und hier seht ihr die Purpurrote (Acker-) Taubnessel (Lamium purpureum), aufgenommen anfangs April.
Ihre Blütenkrone ist lediglich 1 cm lang, die Unterlippe kaum bis wenig gefleckt und die Blätter sind ebenfalls herzförmig, jedoch nur stumpf gezähnt und zerstreut behaart. Der Stängel ist meist ganz kahl. Auffallend zudem: Die Blüten befinden sich vor allem im oberen Teil des Stiels und die Blätter liegen ziegelartig übereinander.
Mit der Blüte beginnt sie noch früher als die Gefleckte Taubnessel und ist somit eine wichtige Nahrungsquelle für Hummeln und andere Insekten.
Die Blätter beider Arten können violett überlaufen sein, doch bei der Purpurrote Taubnessel ist dies viel ausgeprägter. Im Gegensatz zu der mehrjährigen Gefleckten Taubnessel, ist die hier gezeigte Purpurrote Taubnessel lediglich einjährig.
Die oft als Rote oder Acker- Taubnessel bezeichnete Art ist sehr schnellwüchsig. Von der Keimung bis zur Samenreife dauert es oft nur wenige Wochen und somit sind zwei oder sogar drei Generationen pro Jahr möglich. Ihre Samen bleiben im Boden 5-10 Jahre lebensfähig. Beide Arten werden auch über die Ameisen verbreitet.


Übrigens: Taubnesseln sind NICHT mit den Brennnesseln verwandt. Nur weil ihre Blätter den Brennnesselblättern ähnlich sehen, nennt man diese Pflanzen „Taub-Nesseln“. «Taub», weil sie eben nicht brennen, sie weisen keine Nesselorgane (Brennhaare) auf.
Der wissenschaftliche Gattungsname «Lamium» stammt von griechisch lamos = Schlund und nimmt Bezug auf die Form der Lippenblüten. «Erst in den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts lassen sich die verschiedenen Taubnessel-Arten eindeutig bestimmen. Sie werden allerdings alle für die gleichen Erkrankungen verwendet.«*
Beide, die Gefleckte wie auch die Purpurrote (und Weisse) Taubnessel, gelten als gutes Wildgemüse. Sei weisen gemäss Rudi Beiser* «eine gute Nährstoffdichte auf, vor allem Proteine, Provitamin A, Kalium und Eisen sind zahlreich vertreten. Beispielsweise enthalten sie 3-mal so viel Protein wie Feldsalat (Nüsslisalat).» Er empfiehlt die vor der Blüte gesammelten jungen Blätter und Sprossspitzen für Salat, Suppen, Spinat, Smoothies und Aufläufe, obwohl diese frisch etwas muffig riechen, schmecken sie doch gedünstet angenehm mild. Die gezupften Blüten liessen sich als Dekoration auf Speisen sowie als Tee und für die Herstellung von Sirup verwenden.


So viel für heute von den rotblühenden Taubnesseln, der Gefleckten und der Purpurroten. Sie werden uns in der Natur wieder fast das ganze Jahr über begegnen.
Noch immer haben wir, anfangs April, Winter, die Wiesen sind weiss mit Schnee bedeckt, das Grün verschwunden. Es schneit und das bei gut 0°. Wie sehne ich mich doch nach der warmen Frühlingssonne. Das war ein langer und wieder einmal sehr kalter Winter.
*Benutzte Quelle: Rudi Beiser «Geheimnisse der Unkräuter – Heilkraft, Mythen und Ökologie» 2023
Da steckt ja noch eine Biene in der Blûte im oberen Foto😁
Ich werde demnächst die Pflanze probieren.
Danke für den Beitrag