Rabenvögel: Sie wissen genau wie man Nüsse knackt

Seid ihr auch schon an solchen «Nussknackerplätzen» vorbeigekommen? Wer hat hier wohl mitten auf einem asphaltierten Feldweg Nüsse geknackt, mögt ihr euch da vielleicht fragen.

In so einem Fall sind zwei Dinge mit Sicherheit nicht weit entfernt: ein Walnussbaum und Rabenvögel. Letztere lassen die Nüsse aus grosser Höhe fallen um an ihren delikaten Inhalt zu gelangen.

Gestern befand ich mich grad auf dem Vorplatz am Hornveilchen eintopfen, als es unmittelbar hinter mir auf dem asphaltierten Strässchen «klack» machte. Dieses Geräusch ist mir wohlvertraut, sobald nämlich die Nussreife da ist, höre ich es wieder den ganzen Tag: Eine Rabenkrähe hat soeben eine Baumnuss aus der Luft fallen lassen. Schon ist sie da, beäugt zuerst mich – «okay, die kenne ich, alles in Ordnung» – und danach die Nuss und fragt sich, ob die Schale wohl wunschgemäss durch den harten Aufprall aufgeplatzt ist. Danach klemmt sie sich die Delikatesse in den Schnabel und fliegt damit davon.

Rabenvögel (Corvidae), zu denen unter anderem die auf den Bildern gezeigten Rabenkrähen sowie die etwas kleineren Krähen zählen, wenden diesen Trick an, um die harte Nussschale knacken zu können: Sie lassen die Nuss im Flug auf eine harte Unterlage – meistens eine asphaltierte Strasse, oder Felsen – fallen. Ich staune immer wieder von Neuem, wie die Vögel genau wissen, in exakt welchem Moment sie die Nuss fallen lassen müssen, damit sie auf der Strasse und nicht in der angrenzenden Wiese landet.

Auch im Winter werden die Vögel unter den vielen Nussbäumen noch fündig. Dann werfen sie die Nüsse sogar auf kleine, apere Lücken der schneebedeckten Strassen. Und selbst diese kleinen Ziele treffen sich noch problemlos.

Täglich kann ich jetzt beobachten, wie sie die Nüsse auf die in der Nähe befindliche, stark befahrene Strasse werfen und warten, bis ein Auto darüber gefahren ist. Es existieren ältere Videos – noch aus der Zeit vor KI, wo man noch glauben konnte, was einem gezeigt wurde – wo man sieht, wie sie Nüsse bei Rot vor eine Ampel legten, die Grünphase abwarteten und sich danach die zermatschten Nüsse holten.

Nun diese Treffsicherheit will gelernt sein und so sind schon Jungvögel dabei beobachtet worden, wie sie dieses treffsichere «Nuss-Bombardement» mit kleinen Steinchen üben. Übrigens heisst es, auch andere Rabenvogelarten wie Eichelhäher und Elster bedienen sich dieser Technik, was ich jedoch bis jetzt nicht beobachten konnte. Dieses Bild hier zeigt eine Rabenkrähe (Corvus corone) im Garten.

In meiner näheren Umgebung gibt es gleich mehrere beliebte Nussknackerplätze, die man gut an den darauf befindlichen Nussschalenstücken erkennen kann. Wo immer sich solche Plätze befinden, steht garantiert in der Nähe irgendwo ein Nussbaum (Juglans regia). Einer davon auch in unserem Garten, wo ich die Vögel während der Wintermonate bei der Suche nach Nüssen beobachten kann. Neben den Elstern kommen manchmal auch die eher scheuen Eichelhäher vorbei, Stammgast aber sind seit über 40 Jahren die grossen Rabenkrähen. Nicht etwa weil ich sie zufüttere, sondern wegen der natürlichen Nahrung, die sie bei mir finden, wir haben ja auch noch zwei alte, grosse Haselsträucher.

Es heisst, dass Raben und Krähen zu den intelligentesten Vögeln zählen. So zeigten sie beispielsweise in Experimenten, dass sie fähig sind, komplexe Handlungen zu planen, wie eben das treffgenaue Fallenlassen von Nüssen, mit dem Zweck die Schale zu knacken.

Mein Wohnort ist ein landschaftliches Juwel, dazu tragen auch grosse, freistehende Bäume wie Linden, Hochstammobstbäume sowie zahlreiche Nussbäume bei. Unter ihren weit ausladenden Kronen haben schon viele Generationen Nüsse aufgesammelt. Ein solches altes Prachtexemplar seht ihr auf diesem Bild, der Vergleich mit den darunter befindlichen Kühen zeigt wie gorss der Baum ist.

Einige Bauern lassen ihre Nüsse in wertvolles Baumnussöl „verwandeln“, es ist reich an wertvollen ungesättigten Fettsäuren und Nährstoffen. Für die Tiere stellen die Baumnüsse eine delikate Energiequelle dar, sie ist perfekt, um damit Vorräte anzulegen oder sich Winterspeck anzufuttern. Eichhörnchen, Siebenschläfer, Mäuse und Vögel wie der Eichelhäher oder die Krähen, sie alle bedienen sich jetzt am gedeckten Tisch.

Wer immer irgendwie kann, pflanzt Nahrung für die Tiere -gerade im Fall der Walnüsse profitieren ja auch wir Menschen davon. Das finde ich viel schlauer, als Wildtiere mit gekaufter, nicht selten untauglicher Ware zu füttern. Es gibt ja dazu auch eine grosse Anzahl an Sträuchern, wie den Schlehdorn (Schwarzdorn/Prunus spinosa) welcher zur Zeit ebenfalls reich mit Früchten behangen ist. Dieses Jahr nun werde ich endlich meinen ersten eigenen Sloe Gin herstellen, einen Schlehenlikör.

Auf diesem Bild seht ihr übrigens mein Baumnussparfait, ein bei Gästen sehr beliebtes saisonales Dessert aus meiner Küche. Hier geht es zum Rezept: https://natur-tagebuch.ch/?s=baumnussparfait

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