Portulak – ein uraltes Wildgemüse

Die uralte Heil- und Wildgemüsepflanze ist mit ihren auffallend fleischigen Blättern und den kahlen, rötlich überlaufenen Stängeln kaum zu verwechseln.

Der Europäische Portulak (Portulaca oleracea) bildete selbst während der Trockenheit an den unwirtlichsten Orten, in Asphaltritzen und zwischen Steinplatten, immer grösser werdende Teppiche.

Es schien, als wäre ihm die lange Phase der Trockenheit mit Temperaturen über 35° Grad sogar richtig gut bekommen. Ich mag mich jedenfalls nicht erinnern, dass sich der Portulak auf unserem Vorplatz und im Garten so stark ausgebreitet hat wie diesen Sommer.

Das Wetter hat wohl das von den Römern einst aus Südeuropa nach Mitteleuropa verschleppte Ackerbeikraut, an die alte Heimat erinnert.

Portulak ist eine sogenannte Pionierpflanze und besiedelt oft als erste Wege, Plätze und Äcker. Und da es sich hier um eine sehr saftreiche sukkulente Pflanze handelt, ist sie in der Lage, Wasser besonders gut zu speichern. Da reichen ein paar wenige nächtliche Tautropfen. Eine Erklärung dafür, warum der Sommer-Portulak, wie er auch genannt wird, diesen trockenen Hitzesommer bestens überstanden hat.

Viele haben sich gewundert, vor allem in diesem Sommer, wie sich der Portulak so stark vermehren konnte. Nun ist seine starke Vermehrungsfähigkeit nicht verwunderlich: Sämlinge können innerhalb von nur sechs Wochen aufwachsen, blühen und wieder Samen ausstreuen. Zudem sind die Samen sehr langlebig: Selbst nach 14 Jahren keimen noch 50% von ihnen, kommt hinzu, dass die Samen Schwimmfähig sind. Na da muss man sich dann wirklich nicht verwundern, wenn sich Portulak insbesondere unter zusätzlich günstigen Witterungsbedingungen, explosionsartig zu vermehren vermag.

Noch ein Wort zur Heilpflanze Portulak: Bereits in einer Schrift aus dem 8. vorchristlichen Jahrhundert fand sie Erwähnung und zwar auf einer Liste, in welcher die Heilpflanzen des königlichen Gartens aufgelistet wurden.

Im Mittelalter wurden frische, zerquetschte Blätter auf Brandwunden gelegt, zudem sei Portulak hilfreich bei Sodbrennen und rege den Stoffwechsel an.

Während die Pflanze im Mittelalter ein geschätztes Wildgemüse darstellte, geriet sie später in Vergessenheit. Nun aber befindet sie sich auf dem Weg zurück in die Küche, wo Blätter und Treibspitzen VOR der Blüte, frisch geerntet und klein geschnitten, als Salatbeigabe oder spinatähnliches Gemüse verwendet werden können.

Vor der Blüte deshalb, weil die Blätter nach erfolgter Blüte etwas bitter werden. Sie enthalten viel Mineralien, Vitamin C sowie wertvolle Omega-3-Fettsäuren.

Achtung, noch eine wichtige Verzehrempfehlung:

Portulak enthält sehr viel Oxalsäure weshalb Folgendes bei einer Verwendung zu beachten ist:

Portulak weist wie andere Pflanzen auch (Spinat, Mangold, Rhabarber oder Sauerampfer), einen sehr hohen Oxalsäuregehalt auf. Diese Oxalsäure schadet dem Körper allerdings nur dann, wenn er ihm in grossen Mengen zugeführt wird. Bei zu hoher Dosierung kann es durchaus zu einer Belastung der Nieren kommen. Aus diesem Grund sollten Menschen mit Nierenerkrankungen auf den Verzehr ganz verzichten. Zudem behindert Oxalsäure die Verfügbarkeit von Mineralien, wie Kalzium, Magnesium und Eisen.

Bei gesunden und gut mit Nährstoffen versorgten Menschen ist gegen den DOSIERTEN Genuss von oxalsäurehaltigem Gemüse nichts einzuwenden, allerdings sollten solche Lebensmittel nicht jeden Tag auf dem Speiseplan stehen.

Benutzte Quelle: Rudi Beiser, «Unsere essbaren Wildpflanzen», natürlich-thieme, Wikipedia

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.