Nebel zieht auf, nun auch in höheren Lagen. Ich spüre seine Nähe bereits, ein kühler Windhauch kündigt ihn an.
Setze mich auf das Wiesenbord, schaue zu, wie seine weissen Schwaden ins Hochtal hinaufkriechen.
Beobachte die Rinder, die noch immer auf der Weide sein dürfen. Doch diese Tage sind gezählt, bald schon wird hier, auf rund 800 Metern, der Winter sein weisses Betttuch über den Wiesen ausbreiten.
Ganz in der Nähe blüht noch eine einsame letzte Rose an einer Hausfassade. Ihr Anblick berührt mich, denn sie ist vielleicht ein letzter Gruss von «Drüben».
Nicht weit von dieser Weide entfernt, steht ein Bauernhaus, wo noch eine letzte Rose an der Fassade blüht. Ihr Anblick hat mich tief berührt. Es ist nicht allzu lange er, da verstarb die Bauersfrau, die nach dem Tod des Ehemanns das Haus noch allein bewohnte. Vielleicht ist das ihr letzter Gruss von «Drüben»?
Wir waren uns nicht näher bekannt, doch wann immer ich hier hoch wanderte, wechselte ich ein paar Worte mit der Bäuerin. Sie war sehr «gschaffig», bis ins hohe Alter, stets am Arbeiten in Stall und Garten, bis am Schluss. Mit Kopftuch und von der frischen Luft geröteten Wangen. Im Eingang stand ihr Moped.


Nun steht auch ihr Kreuz vor dem Haus, neben dem ihrem Mannes, das bereits ein wenig verwittert ist. Von hier blickt nun das wiedervereinte Paar gemeinsam von ihrem geliebten «Heimetli» auf das Nebelmeer hinab.
Ob es so ist? Ich weiss es nicht, niemand weiss es letztlich, aber ich will es glauben.
Bis am Schluss war ihr Vorgärtchen so wunderbar liebevoll gepflegt. Noch spät im November blühte es an allen Ecken. Selbst während der Wintermonate guckten hinter dem Kellerfenster noch rot blühende Geranien, die dort überwinterten. Jetzt, um diese Zeit, hätte sie vor dem Stall wieder «Tänkeli» (Stiefmütterchen) gepflanzt. Doch auch diesen Winter wird das Beet leer bleiben.
Wie wünschte ich mir doch, es wäre auch mir dereinst mal vergönnt, bis am Schluss – zumindest fast bis am Schluss – ebenfalls in meinem geliebten Garten arbeiten zu können, und durch die Wildnis streifen zu dürfen. Ich glaube fest daran.




Danke liebe Gaby, für den berührenden beitrag. So passend im november. Wie tröstlich, dass auch nach dem tod erinnerungen und merkmale bleiben. Menschen wie du, mit herz, gespür, respekt und sinnlichkeit, schenken ihnen beachtung und würde.
Ich stelle mir gerne vor, wie du bis ins hohe alter in deinem garten wirkst! 😉 herzlich katrin