Natürliche Insektenabwehr mit Rainfarn

Rainfarn (Tanacetum vulgare) fällt auf, mit seinen leuchtend goldgelben Blüten denen die Zungenblüten fehlen.

Im biologischen Garten ist der Absud der giftigen, insektenabwehrenden Pflanze eine altbewährtes Mittel gegen Blattläuse. Der lang blühende Korbblütler ist nicht nur sehr dekorativ sondern auch eine wichtige Raupenfutterpflanze.

Seine Blütenkörbchen, die sich am Ende eines langen, praktisch kahlen Stängels befinden, bestehen aus ca. 100 Röhrenblüten. Die ganze Pflanze riecht stark aromatisch, auch die fiederschnittigen Blätter, die jeweils 7 bis 15 schmal-lanzettliche, eingeschnitten-gezähnte Abschnitte aufweisen. Nun was das «riechen» betrifft, so finden die einen den Duft der Pflanze angenehm aromatisch (so wie ich) oder aber eher abstossend, herb. Da sind halt die Geschmäcker – respektive das Geruchsempfinden – mal wieder verschieden

Blüten und Blätter des Korbblütlers sind an sonnigen Standorten stets nach Süden ausgerichtet, was ihn zu einer «Kompasspflanze» macht. In Zeiten wo es noch kein GPS gab, konnte das verirrten Wanderern schon mal eine grosse Hilfe sein.

Die lange Blühzeit von Juni bis September kann ich bestätigen, auch dass es die robuste Wildpflanze gerne sonnig mag. Hitze und Trockenheit hält sie aus, Neupflanzungen jedoch muss man unbedingt noch über eine längere Zeit regelmässig giessen. Erst wenn sich der Rainfarn an einem Standort über längere Zeit etabliert hat, wird er nicht nur ziemlich trockenheitsresistent sondern auch schneckenresistent. Denn: erstaunlicherweise «plagen» Schnecken neu gepflanzten Rainfarn in der Anfangszeit stark.

Früher konnte ich die Staude lediglich bei einem Nachbarn bestaunen, nun aber holte ich das altbewährte, biologische Mittel gegen Blattläuse (Pflanzenabsud) in den eigenen Garten und erfreue mich nun seiner Blüte.

Ich trockne stets ein paar Pflanzen, um sie für Absude vorrätig zu haben (Bild). So war ich diesen Sommer froh um die letztjährig getrockneten Pflanzen, als nämlich die Blattläuse schon früh die Bohnen am Wachstum zu hindern begannen, war der neue Rainfarn noch nicht «erntereif» für den Absud.

Rainfarn ist vielseitig einsetzbar: Er kann beispielsweise auch angepflanzt werden, um den Kartoffelkäfer zu vertreiben. Einer Studie zufolge konnte «dadurch der Kartoffelkäferbefall um 60–100 % reduziert» werden (Wikipedia). In der Imkerei wird die getrocknete Pflanze als Rauchmittel verwendet, da sie generell insektenabwehrend wirkt.

Wichtig: Rainfarn ist in allen Teilen giftig. Dafür verantwortlich ist hauptsächlich das enthaltene ätherische Öl mit dem Wirkstoff Thujon. Deshalb wird das «Wurmkraut», wie der Rainfarn im Volksmund auch genannt wird, heutzutage nicht mehr zur Bekämpfung von Würmern eingesetzt, denn bei falscher Dosierung verursacht die Pflanze tödliche Vergiftungen. Viel weniger heikel war da seine einstige Verwendung als Färbemittel. Mit dem Zusatz des Beizmittels Alaun erzielte man eine schöne dunkelgelbe Farbe.

Rainfarn ist übrigens trotz seiner insektenabwehrenden Wirkung bei Insekten sehr beliebt, nicht nur als Nektarpflanze, sondern vor allem als Raupenfutterpflanze für viele Nacht- und Tagfalter, zum Beispiel für den Kleinen Feuerfalter und das Gemeine Wiesenvögelchen, den Rainfarnmönch, Smaragdspanner und andere Spanner. Die Sackträgermotte ist sogar auf den Rainfarn spezialisiert und in seinen Stängeln haust die Palpenmotte  (Gelechiidae).

Es gibt also viele Gründe, sich diese heimische Staude – von der es auch allerlei Züchtungen gibt – in den Garten zu holen.

Zum Schluss noch ein Hinweis bezüglich möglicher Allergien bei Hautkontakt mit Rainfarn: Der Korbblütler «löst vor allem Hautkontaktallergien (Kontaktdermatitis) aus und kann zu Kreuzallergien führen«

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