Mit der heutigen Sommersonnwende verbunden: das Johanniskraut

Heute, am 21. Juni 2026, um 10.24 Uhr, ist Sommersonnwende, der Beginn des astronomischen Sommers und zugleich der längste Tag des Jahres.

Anlass für mich, euch das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) vorzustellen. Eine grossartige, altbewährte Heilpflanze, die stets um Johanni, also um die Zeit der Sommersonnwende, mit der Blüte beginnt.

Man kann das heilkräftige Echte Johanniskraut anhand zweier Merkmale gut von anderen Johanniskrautarten unterscheiden.

Dem Echten Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird in allen Heilpflanzenbüchern die auf meinem Regal stehen, sehr viel Platz eingeräumt. Dem Kraut wurde eine derart heilkräftige Wirkung zugesprochen, dass einer Legende nach der Teufel darob in seinem Zorn und Neid mit einer Nadel über es hergefallen sei und tausendmal durchlöchert habe. Tatsächlich: Hält man die Blätter des Echten Johanniskrauts gegen die Sonne respektive das Licht, erkennt man deutlich die Spuren dieser «Nadelstiche», feine Perforationen. Es handelt sich dabei um die Öldrüsen. Durch das in den elliptischen oder eiförmigen Blättern enthaltene ätherische Öl und Harz, erscheinen diese wie durchlöchert.

Auf diesem Bild seht ihr diese Blattperforation. Nur dann, wenn die Blätter diese feinen Löchlein aufweisen, handelt es sich um das Echte Johanniskraut.

Seht ihr meine rot verfärbten Finger? So sehen sie aus, nachdem ich für die Herstellung meines Johanniskrautöls (Rotöl) Blüten von Echtem Johanniskraut zwischen den Fingern kurz quetsche, bevor ich sie in’s Öl gebe. Auch diese blutrote Verfärbung der Finger beim Quetschen der Blüten ist ein gutes Erkennungsmerkmal des Echten Johanniskrauts.

Vor 6 Jahren habe ich einen Beitrag dazu erstellt, wie ihr das wertvolle Johanniskrautöl für eure Hausapotheke selber herstellen könnt, das geht ganz einfach: https://natur-tagebuch.ch/johannis-oel/

Bitte bedenkt bei jeglicher Anwendung von Johanniskrautprodukten – innerlich und äusserlich – dass es insbesondere bei hellhäutigen Menschen eine photosensibilisierende Wirkung haben kann. Daher ist während der Verwendung von Johanniskraut eine intensive Sonnen- oder UV-Bestrahlung zu vermeiden.

Bei den Germanen wurde im blutroten Saft, der aus den Blüten des auch als Hartheu bezeichneten Johanniskrauts austritt, das Blut Baldurs gesehen. Dieser wurde zur Sonnwende geopfert. Er war der lichte sonnige Gott der Germanen, von allen geliebt.

Später wurde dies in christlichen Zeiten dann auf den Bussprediger Johannes den Täufer übertragen. Und, nach einer weiteren Legende, wurde das Johanniskraut nach dem Lieblingsjünger Johannes benannt, «weil er in seiner Trauer unter dem Kreuze Christi die mit dem heiligen Blut getränkten Pflanzen sammelte und als frommes Andenken an des Heilands Totes an gläubige Menschen verschenkte«.

In jedem Fall aber war schon seit jeher das Blut, das als Träger der Sonnenenergie angesehen wurde, ein Symbol dieser Pflanze.

Auch im Mittelalter wurde dem Johanniskraut höchste Wertschätzung als Pflanze entgegengebracht.

Paracelsus schrieb dem «Sanct Johannskraut» vier Kräfte oder «Tugenden» zu, wobei er in der Pflanze auch ein Heilmittel gegen die «tollen fantaseien, die den menschen in verzweiflung bringen» sah. Damit erfasste er bereits die Wirkung von Hypericum perforatum bei depressiven Erkrankungen.

Mit der Pflanze wurde auch versucht schwere Gewitter und Blitzschlag abzuhalten. Dazu steckte man das Johanniskraut ans Fenster oder warf es auf die Dächer von Scheune und Haus. Dabei hiess es: «Hartenau (Johanniskraut) und Dill, machts Gewitter still«. Aber auch geräuchert wurde damit: «Eisenkraut und Hartenau / brennt an, dass sich das Gewitter stau«.

Wurde das Heilkraut am Johannestag (24. Juni) gesammelt, wurde ihm eine besondere Wirkung zugesprochen. Auf dem Bild seht ihr angesetztes Johannisöl. Seht ihr, wie das Olivenöl von den Blüten bereits eine schöne Farbe angenommen hat? Nach etwas 6 Wochen ist es fertig und man kann abseihen.

In diesem Zeitraum, um Johanni, wenn das Johanniskraut blüht, findet auch die Sommersonnwende statt: «Zur Sommersonnenwende hat die Sonne die grösste Mittagshöhe über dem Horizont. Auf der Nordhalbkugel erreicht die Sonne den Sommerpunkt am 20., 21. oder 22. Juni.» Die Pflanze ist mit diesem Ereignis eng verbunden und wird daher auch als «Sonnwendkraut» bezeichnet, denn in alten Zeiten war es der Sonne geweiht. Das Sonnenlicht spielt beim Johanniskraut überhaupt eine grosse Rolle:

Ihre Samen keimen nur im Licht (Lichtkeimer) und auch die «Bildung der Öldrüsen in den Blättern, die Hypericin enthalten, hängt massgeblich von der Lichteinstrahlung ab. Hypericin ist ein rotes Pigment mit photosensibilisierenden Eigenschaften, das hauptsächlich für die antidepressive Wirkung verantwortlich ist.» Somit kann man die Heilpflanze eigentlich als Vermittlerin zwischen der Energie der Sonne und dem Menschen betrachten.

Sind denn Depressionen nicht als eine Art «Nacht der Seele» zu bezeichnen, als eine Verdunkelung der lebendigen, sonnigen Energie im Menschen? So der Autor Siegfried Bäumler in seinem Buch «Heilpflanzen Praxis Heute» aus dem ich meine heutigen Informationen bezogen habe.

Deutlich wird diese Beziehung des Krauts zur Sonne auch in der bereits erwähnten Tatsache, dass unter seiner Einnahme sowie äusseren Anwendung «viele Menschen bei Lichtexposition eine Sonnenallergie bekommen.»

Auf diesem Bild seht ihr üppig blühendes Johanniskraut in meinem Garten. Rechts davon eine Königskerze, eine weitere Heilpflanze.

Aber nicht nur zur Sonne besteht eine enge Beziehung sondern auch zur Venus und im germanischen Kulturraum zur Freia, beides sind Göttinnen der Liebe. So diente Hypericum beispielsweise als Liebesorakel: Man gab dazu ein paar gepflückte Johanniskrautknospen in ein Säckchen, drückte dieses fest und sagte dazu folgenden Spruch mit Gedanken an den Liebsten: «Bist mer gut, gist mer Blut. Bis mer gram, gist mer Schlam (Schleim).

Das Echte Johanniskraut könnt ihr entlang von Waldrändern und in Waldlichtungen finden, genauso wie auf Trockenwiesen. Es mag Trockenheit gut vertragen, wie ihr auf diesem Bild sehen könnt: Rundherum ist vieles bereits während der langen Trockenheit verdorrt, während das Echte Johanniskraut noch saftig grün ist und munter weiter blüht. Die Pflanzen werden bis zu einem Meter hoch, je nach Standortbedingungen.

Eine weitere häufige Bezeichnung für das Echte Johanniskraut ist neben Hartheu auch Tüpfel-Johanniskraut. Dazu kommen Elfenblutkraut, Feldhopfenkraut, Frauen-Bettstroh, Gottesgnadenkraut, Herrgottsblut, Jageteufel, Johannisblut, Mannskraft, Walpurgiskraut oder Tüpfelhartheu.

Wie immer hat es unter den Trivialnamen solche, die auch für ganz andere Pflanzen verwendet werden. Ich denke dabei an «Walpurgiskraut», das mit Sicherheit auch für andere Pflanzen Verwendung findet.

Was die genauen Anwendungsbereiche der Heilpflanze betrifft, so bitte ich euch, entsprechende, seriöse Heilpflanzenseiten respektive Literatur zu konsultieren. Aber ich kann euch eine eigene verblüffende Erfahrung weitergeben, die ich nie vergessen werde:

Es war, als unsere Kinder noch klein waren und wir für sie Pommes frites frittierten. Beim Weglaufen blieb ich mit einem grossen, klobigen Silberring an der Fritteuse hängen. Sie kippte in der Folge und das ganze, siedend heisse Öl ergoss sich über meine Hand. Dann machte ich das einzig Richtige in einer solchen Situation: Ich rannte zum Wasserfass, das gleich vor der Küche stand und tauchte die Hand für wirklich lange Zeit in das Wasser. Würde man das Rotöl als Erstes, ohne vorherige Wasserkühlung, verwenden, hätte das zur Folge, dass der «Brand» durch das Öl auf der Haut sogar noch weiter brennt.

Nachdem ich also ausreichend lange die Hand in Wasser gekühlt hatte, trug ich das Johanniskrautöl auf, immer wieder, viele Tage. Die Folge: Trotz des schlimmen Vorfalls hatte er dank dieses wunderbaren Heilpflanzenöls weder eine einzige Brandblase geschweige denn Brandnarben zur Folge. Man sah der Hand danach überhaupt nichts an. Seither habe ich immer ein Fläschchen kostbaren Rotöls in meiner Hausapotheke.

Übrigens: Dieses Johanniskrautart, die man öfters in Gärten als Zierpflanze antrifft, ist NICHT HEILKRÄFTIG. Es handelt sich hier um das Blut-Johanniskraut (Hypericum androsaemum).

Habt noch einen schönen Abend und wer weiss, vielleicht brennt doch da und dort noch das eint oder andere Johannisfeuer. Heute Morgen nämlich, um 10.24 Uhr war Sommersonnwende.

Herzlich,

Gaby Kistler

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.