Meine Tipps zur natürlichen Schneckenabwehr

Wir haben eine lange Regenperiode hinter uns und viele fragten sich wohl: «Was um’s Himmels Willen kann ich tun, damit die Schnecken sich von meinen Gemüsepflanzen fernhalten!?»

Während fast 40 Jahren gärtnern habe ich die Erfahrung gemacht: Es gibt nicht den EINEN Zaubertrick, sondern es ist die Kombination verschiedener Massnahmen und die Konsequenz in der Umsetzung, die längerfristig zum Erfolg führt:

Gemüsegarten:

  1. Frisch gepflanzten Setzlingen verpasse ich einen Schneckenkragen, der ist zwar aus Plastik, lässt sich jedoch bei guter Pflege über viele Jahre hinweg verwenden. Sobald die Pflanzen «aus dem Gröbsten» heraus und nicht mehr so gefährdet sind, entferne ich die Kragen, wasche sie und lagere sie sofort wieder ein. Die Witterung macht sie auf Dauer spröde. Einige, der wenigen grösseren Schneckenkragen, die ich neuerdings auch verwende, sind aus Stahl-Blech. Erhältlich in grösseren Garten-Centern oder in Online-Shops wie beispielsweise Maculatum. Wichtig: Kragen nicht zu tief in die Erde drücken, sonst hangeln sich die Schnecken am Rand hinauf. Zudem immer kontrollieren, dass sich durch wachsende Nachbarspflanzen keine Brücken auf den Kragenrand bilden.
  2. Rund um den Gemüseacker halte ich das Gras kurz, so, dass das Wiesland mit dem hohen Gras nicht direkt an die Beete grenzt. Auf diese Weise kann ich die «Einwanderung» besser überwachen und die Schnecken abfangen, bevor sie in den Beeten angekommen sind.
  3. Weglocken: Buffet mit Gemüse-Rüstabfällen neben den Beeten anbieten. So verköstigen sich die Schnecken dort und kommen schon gar nicht auf den Gedanken, sich an den Gemüsepflanzen zu vergreifen.
  4. Einsammeln. Gerade bei nassem Wetter gehe ich allabendlich auf die Pirsch und sammle am Buffet, dem Rasenstreifen, oder unter ausgelegten Holzbrettchen die Schnecken ein (bewaffnet mit Blechkübeli und Grillzange). Was ihr anschliessend damit macht, sei euch überlassen, da gebe ich keine Tipps, aber kürzlich habe ich gelesen, dass man sie auch in Gefrierbeutel geben kann, einfrieren und danach im Kompost entsorgen. Wer das nicht möchte, dem sei gesagt, dass, wer die gesammelten Schnecken nicht mindestens in 200 Meter Distanz zum Garten ins «Exil» bringt, diese schon bald wieder bei sich begrüssen darf. Generell ist davon abzuraten, da dadurch das ökologische Gleichgewicht an einem anderen Ort kippen kann.
  5. Richtige Giesstechnik: Wenn möglich während Trockenphasen nicht am Abend giessen, die willkommene Feuchtigkeit würde zusätzlich Schnecken anlocken. Am besten am Morgen in der Früh wässern.
  6. Fressfeinde fördern: Den Garten so anlegen, dass er den natürlichen Fressfeinden von Schnecken Unterschlupf bietet, denn: Ein naturnaher Garten bietet Lebensraum für die natürlichen Fressfeinde der Schnecken, folglich bleibt das Schneckenvorkommen im Gleichgewicht. Zu den Fressfeinden der Schnecken gehören: Blindschleichen, Spitzmäuse, Erdkröten, Laufkäfer, Eidechsen und Igel. Der Igel gehört jedoch nur bedingt zu den Fressfeinden, weil er leider ausgerechnet die grosse Spanische Wegschnecke wegen ihrer Bitterkeit verschmäht – kann man verstehen, oder?
  7. Verrottetes Pflanzenmaterial oder gejätete Beikräuter auch mal liegenlassen. Gerade die grosse Weinbergschnecke beispielsweise ist – in der Regel – keine Gefahr für das Gemüse, solange sie verrottetes, verwelktes Pflanzenmaterial findet. Nur wenn ein Gemüsegarten allzu stark gepützelt ist, werden selbst die Gehäuseschnecken dazu genötigt, sich an lebenden Pflanzen zu vergreifen, was sie normalerweise nicht machen.
  8. Von Bierfallen rate ich ab. Ich begann mit ihnen in den 80-er Jahren, habe aber schnell damit aufgehört. Der Biergeruch zieht Schnecken von weit her an. Auf diese Weise laden wir die Schnecken in der ganzen Umgebung geradezu in unseren Garten ein und nicht alle werden so dumm sein und in die Bierfalle tappen, sondern schnurstracks aufs Gemüse losgehen. Also: Lieber das Bier selber trinken!
  9. Hausmittelchen: Es gibt viele von ihnen, wie beispielsweise das Auslagen von Eierschalen (mit mässigem Erfolg). Danielle Vorburger realisierte mit mir den Kurz-Film «Feldversuch – Schnecken und wie man sie los wird» in dem wir verschiedene solcher Hausmittelchen getestet hatten. Dabei ging Zimt eindeutig als Testsieger hervor, er hält in ausreichender Menge tatsächlich Schnecken fern. Das mag für den kleinen Garten sinnvoll sein, in grösseren Anlagen hingegen, würde der Zimt bald einmal mehr kosten, als wenn man das Bio-Gemüse kaufen würde. Den Film findet ihr auf dieser Seite unter der Rubrik «Medien» https://natur-tagebuch.ch/medien/

Noch ein paar Worte zu meinem Blumengarten: Hier pflanze ich ganz einfach nur absolut schneckenresistente Blumen, etwas anderes kommt bei mir gar nicht in Frage. Diesen «Kampf» habe ich aufgegeben. Es gibt ja eine riesengrosse Auswahl an sehr schönen Blumen, die von Schnecken verschont werden, einfach beim Kauf danach fragen und darauf achten. So habe ich in meinem Blumengarten verschiedene Storchenschnabelarten, Bartnelken, Mohnarten, Goldlack, Ballonblumen, Herbst-Anemone, Maiglöckchen, Muskateller-Salbei, Stockrosen (Stockmalven), Pfingstrosen, Färberhülse, Hauswurzen, Blutweiderich, Rosen, Hundszunge, Phloxarten, Enzian, Yucca/Palmlilien (zur Abwechslung auch mal etwas Fremdländisches), Fingerhut, Vergissmeinnicht, Silberblatt/Lunaria, Chinesisches Bleikraut, Ringelblumen, Fuchsienarten, Montbretie, Akelei, Lilienarten, etc. sie alle gedeihen bei mir problemlos im grössten Schneckenmeer und es gibt noch viele andere Pflanzen, die diese positive Eigenschaft ebenfalls besitzen.

Die Rote Wegschnecke und die Kapuzinerschnecke (Spanische Wegschnecke) richten in den Gärten gemeinsam mit den kleinen Ackerschnecken die grössten Schäden an. Das jedenfalls ist meine Beobachtung in bald 40 Jahren gärtnern. Gerade die Kapuzinerschnecke konnte sich durch die veränderten Klimabedingungen bei uns immer besser verbreiten, denn sie ist sehr widerstandsfähig gegen Sonne und Trockenheit. Aus diesem Grund hat sie die uns besser bekannte Schwarze Wegschnecke in den letzten Jahren stark verdrängt. Zudem werden sie selbst von Schneckenjägern wie Erdkörten oder eben Igeln wegen ihres bitteren Geschmacks verschmäht.

Die Weinbergschnecke: Sie ist die beste «biologische Waffe» gegen die Spanische Wegschnecke (Kapuzinerschnecke), denn sie vertilgt deren Eier. Auch wenn es neuerdings wieder heisst, dies könne nicht belegt werden: In meinem Garten ist das so, seit die Weinbergschnecken da sind, konnten sie in den letzten Jahrzehnten den Bestand der Spanischen Wegschnecke im Blumengarten auf ein Minimum reduzieren. An Kulturpflanzen vergreift sich die Weinbergschnecke selten, oft dann, wenn sie nichts anderes findet. Am liebsten nämlich mag sie verrottetes Pflanzenmaterial und gehört somit zur natürlichen «Putzkolonne» im Garten, genau so wie die kleineren Gehäuseschnecken.

Die kleine Bänder-/Gehäuseschnecken (Schnirkel- oder Hüslischnecken): Genau wie die Weinbergschnecken werden auch sie sich kaum an lebenden Pflanzen vergreifen, so lange sie abgestorbenes Pflanzenmaterial, Algen, Flechten oder Moose finden.

Der Tigerschnegel: Auch er sollte keinesfalls bekämpft werden, denn gemeinsam mit den Weinbergschnecken ist der Tigerschnegel eine «Raubschnecke», welche sich vorwiegend von anderen Schnecken-Eiern, aber auch von Maden und Larven ernährt.

Übrigens: Wer die eingesammelten Schnecken auf den Kompost gibt, züchtet sie geradezu. Sie legen dort ihre Eier hinein, und wenn ihr das nächste Mal den Kompost im Garten ausbringt, sorgt ihr gleichzeitig für eine gleichmässige Verteilung der künftigen Schneckengenerationen. Auch allzu hohe Mulchschichten sind nicht empfehlenswert! Sie sind ein hervorragendes, stets etwas feuchtes Versteck für die Schnecken, unter das sie zudem auch noch gerne ihre Eier legen.

Ihr seht, es gibt nicht einfach DIE alleinige Lösung gegen Schneckenfrass, sondern nur die konsequente Anwendung der Kombination von verschiedenen Massnahmen. Aber es lohnt sich und der Erfolg wird sich mit der Zeit einstellen. Garantiert. Mittlerweile verliere ich praktisch kein Gemüse mehr durch Schnecken. Viel eher durch Wurzelfrass, hauptsächlich verursacht von Wurzelbohrern, aber auch Drahtwürmern und Erdraupen. Wer gegen sie vorbeugen möchte, betritt den Garten nie wenn er nass ist. Dadurch verdichtet sich die Erde und darin fühlen sich diese drei besonders wohl.

    1. Guten Morgen!
      Diese Tipps kann ich nur bestätigen. Ebenso verteile ich mittlerweile mein Kompostmaterial zwischen den Pflanzen auf den Beeten und gieße seit einigen Jahren 2-3 mal im Jahr mit effektiven Mikroorganismen. Hin und wieder eine Düngergabe mit Pflanzen jauche und mehr muss ich tatsächlich selbst bei großer Hitze nicht gießen.
      Ich vermute wirklich, dass die Veränderung/ Verbesserung des Bodens durch die EM, auch die Schnecken fern hält.
      Viel Glück und Erfolg allen Gärtnern auch in diesem Jahr und ein herzliches Dankeschön an die Autorin 🙂

  1. Das war ein informativer Beitrag vielen Dank, habe den Zimt immer nur gestreut wenn es zuviele Ameisen gibt.in meinen 33 jahren als Kleingärtnerin habe ich fast genau die gleichen Erfahrungen gemacht Weiterhin viel Freude beim gärtnern.

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