
Was auf dem nordamerikanischen Kontinent im Herbst als Indian Summer bezeichnet wird, ist bei uns der Martinisommer («Martinisümmerli«).
Der Begriff bezeichnet ein stabiles Hochdruckwetter rund um den 11. November (St. Martin). Wie in Nordamerika, ist dann auch unsere Landschaft ein einziges Feuerwerk an Farben: Der intensiv blaue Herbsthimmel, gold-braun-rote Blätter und noch immer sattgrüne Wiesen.
Milde Tage anfangs November sind keine Seltenheit, sondern eine sogenannte «Wettersingularität» wie die Eisheiligen oder die Schafskälte. Es gibt denn auch viele alte Bauernregeln, die sich auf den Martinisommer beziehen:
«Wenn an Martini Nebel sind, wird der Winter meist gelind«, oder: «Ist Martini trüb und feucht, wird gewiss der Winter leicht«.


Der Martinisommer ist leider auch von einer meteorologischen Ungerechtigkeit geprägt, denn während dieser stabilen Schönwetterlage heisst es in der Wettervorhersage oft: «Oben blau, unten grau». Wer also im Flachland wohnt, muss die graue, kühle «Nebelsuppe» verlassen und in die Höhe gehen um Wärme und Sonnenschein geniessen zu können. In der Höhe wird man dann mit einem einmalig schönen Blick auf das Nebelmeer belohnt (Bild).
Während des Martinisommers werden öfters mal Temperaturrekorde gebrochen, so zum Beispiel anfangs November 2024, wo laut SRF Meteo 12,7 Grad auf dem knapp 2700 Meter hohen Weissfluhjoch ob Davos/GR gemessen wurden.


Warum aber «Martini»? Das bezieht sich auf eine Legende die besagt, dass nach dem Tod des Heiligen St. Martin (11.11.), während des Leichentransport ein überraschender Wärmeeinbruch stattgefunden hat: Die Landschaft ergrünte nochmals, Obstbäume begann sogar zu blühen.
Bild von heute Morgen, 9 Uhr, gut erkennbar, die über dem Flachland liegende Nebeldecke. Bis jetzt hatten wir Glück und befanden uns stets oberhalb der Nebelgrenze.
Ein weiterer prächtiger Tag, um Arbeiten draussen zu verrichten, ohne dabei an die Finger zu frieren: Gartenwerkzeuge reinigen und einfetten, Schlauch verräumen und Hauptwasserhahn abstellen der ins Freie führt, letzte Beete mulchen.


Der Gemüseacker ist bereits vollständig mit Laub-Mulch bedeckt, darunter kann nun die brache Erde in den wohlverdienten Winterschlaf gehen. Ich hüte mich jeweils, das Laub zu dick aufzutragen – lediglich eine dünne Schicht – sonst fühlen sich die Wühlmäuse gar zu wohl darunter.
Auf dem Beet verblieben ist noch ein einsamer Krautstiel, der hier grad so schön in der Sonne leuchtet, an anderer Stelle stehen noch Rosenkohl und Federkohl (Grünkohl).
Zum Zmittag gab es gestern eine währschafte Wähe mit Lauch, frisch aus dem Garten geerntet.
Wir beide schätzen es ungemein, auch den Winter über nie Gemüse einkaufen zu müssen und für lange Zeit auch keinen Salat. Es stehen noch einige Endivien und vor allem viel Zuckerhut zum ernten parat. Letzter hält auch Minustemperaturen aus.
