Märzenglöckchen oder Schneeglöckchen? Die Unterschiede

Jetzt stellt sich bei so manchen wohl wieder die Frage: Handelt es sich um Märzenbecher, auch bekannt als Frühlingsknotenblume und Märzenglöckchen (Leucojum vernum) oder vielleicht doch um ein Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)?

Auf diesem Bild ist es der Märzenbecher, also die Frühlingsknotenblume, mit den weissen Glöckchen. Doch die hat auch das Schneeglöckchen, aber genau da gibt es für euch gute Unterscheidungsmerkmale.

Schauen wir uns zuerst das Märzenglöckchen (Leucojum vernum) an, das auch als Frühlingsknotenblume, Märzenbecher oder Grosses Schneeglöckchen bekannt ist. Sicher existieren noch viele weitere Namen im Volksmund.

Das erste Bild zeigt eine Wiese auf der ein ganzer Teppich, gebildet von unzähligen Blüten von Märzenglöckchen, ausgebreitet ist. Oh wie habe ich mich ob dieses Anblicks gefreut, das war Seelennahrung! Da muss man einfach innehalten, den Duft von Frühling der in der Luft liegt, tief einatmen und dem lauten Summen von unzähligen Hummelchen und Bienen lauschen, die auf Blütenbesuch sind. Entstanden ist das Bild vor ziemlich genau einem Jahr, heuer liegt an dieser Stelle noch Schnee.

Das beste Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Frühblühern mit ihren weissen Glöckchen, findet ihr wie eingangs erwähnt bei den Blüten:

Beim Märzenglöckchen (Bild), also der Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum), sind die Blüten viel gleichmässiger gestaltet als beim Schneeglöckchen: Sie bestehen aus zwei «Sets» zu jeweils drei weissen Blütenhüllblättern. Nahezu alle 6 sind gleich gestaltet und am «Zipfel» grün gepunktet.

Beim «echten» Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) sind nur die äusseren drei Blütenhüllblätter weiss, die drei inneren sind grünlich und vor allem deutlich kleiner als die äusseren.

Und: NUR das Schneeglöckchen vermag seine drei äusseren Blütenhüllblätter bei Dunkelheit, Nässe und Kälte zu schliessen und somit die kostbaren Pollen und Fruchtknoten im Inneren zu schützen.

Vom Schneeglöckchen sind unter anderem folgende Trivialnamen bekannt: «Frühlingsglöckchen, Hübsches Februar-Mädchen, Lichtmess-Glöckchen, Lichtmess-Glocken, Märzglöckchen, Märzveilchen, Marienkerzen, Milchblume, Schnee-Durchstecher, Schneetulpe, Weiße Jungfrau, Weißglatze» (Wikipedia).

(Bild: Schneeglöckchenblüte mit Besuch von einer Hummelkönigin)

Wer nun «Märzglöckchen» als Trivialbezeichnung für das Schneeglöckchen gelesen hat, weiss, warum halt die botanischen Namen so wichtig sind: damit man weiss, ob man von derselben Pflanze spricht. Nur die wissenschaftlichen Namen bringen Klarheit. Auch als «Milchblume» bezeichnet der Volksmund noch viele weitere Pflanzen (Löwenzahn beispielsweise). «Kuckucksblume» ist übrigens auch eine Allerweltsbezeichnung für viele verschiedene Pflanzen.

Wer kennt es noch dieses alte Kinderlied? Ich habe es oft mit meinen Kindern gesungen:

«Schneeglöggli lüüt, de Früelig chunt no hüt.

Er het es Chränzli uf em Chöpfli

I de Hand es goldigs Stöckli

Schneeglöggli lüüt, de Früelig chunt no hüt.

Schneeglöggli lüüt, es git en andri Zyt.

Voll Finkeschlag und Märzestaub

Und Chriesibluescht und Buechelaub.

Schneeglöggli lüüt, es git en andri Zyt.»

Tipp für eine Gartenpflanzung: Beste Pflanzzeit für beide Pflanzen ist nicht der Herbst, wie sonst üblich bei Blumenzwiebeln, sondern jetzt! Standortwahl: Die Frühlingsknotenblume verträgt im Gegensatz zum Schneeglöckchen deutlich mehr (Stau-)Nässe und Schatten.

ABER: Bitte nicht irgendwo in der Natur ausgraben, denn beide Arten sind vielerorts geschützt. Man kann sie zur Zeit problemlos in allen Gärtnereien – heutzutage ja sogar bequem im Onlinehandel – erwerben. Wer den Insekten Gutes tun will, vermeidet bei der Sortenauswahl gefüllte Blüten.

Obwohl ich in den letzten Jahrzehnten nie Schneeglöckchen gekauft hatte, sondern mich alljährlich an den grossen Schneeglöckchen-Blütenteppichen aus den 60-er Jahren erfreue (alles einfache, also keine gefüllten Blüten) entdeckte ich doch eines Tages eine einzelne, gefüllte Blüte unter ihnen. Nun ist es so, dass sich Schneeglöckchen (Galanthus) untereinander gut und gerne kreuzen. So kam es wohl, dass diese Hybride (wahrscheinlich ein G. nivalis «Flore pleno») den Weg von Nachbars Garten zu mir gefunden hat. Dies, mithilfe der Ameisen, die ihre Samen oft weitherum verschleppen.

Ungeübten hilft es vielleicht, sich in der folgenden Bildergalerie nochmals beide heute vorgestellten Frühblüher gut anzusehen und sich die Unterscheidungsmerkmale zu merken. Dieses Bild zeigt Schneeglöckchen mit Bienenbesuch (gut sichtbar das pralle Pollenhöschen).

Bei uns hat übrigens das erste Frühlingserwachen vorerst mal einen Dämpfer erlitten. Gestern jagte ein Schneesturm den nächsten und in Teilen der Schweizer Berge (Wallis) herrschte ob der enormen Neuschneemengen sogar die höchste Lawinengefahrenstufe 5.

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