Lärchenblüte, ein faszinierendes Farbspektakel

Kurz nach Hasel, Birke und Weide, beginnt die Blüte der Lärche (Larix decidua). Sie erinnern mich an einen mit Edelsteinen geschmückten Perlenvorhang, diese langen, dünnen Lärchenzweiglein, versetzt mit unzähligen, leuchtend pinkfarbigen Blüten.

Die Aufnahmen entstanden gestern in unserem Dorf. Die Bäuerin meinte, dieses wunderbare Farbspektakel im Frühling entschädige sie jeweils für all die Mühsal, welche ihr die Unmengen an heruntergefallenen, gelben Nadeln im Herbst verursachen. Der Baum steht nämlich auf einem Vorplatz, wo er von der Familie vor 60 Jahren gepflanzt wurde. In der Regel wurden alle Lärchen auf dieser, für den Gebirgsbaum doch eher tiefen Lage, von Menschen angesiedelt. Im Alpengebiet jedoch kommt die Lärche in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet auf bis zu 2400 Metern Höhe vor.

Dieses Bild entstand Mitte Juni in den Tiroler Alpen, auf gut 2000 Metern. Auf dieser Höhe erfolgt die Blüte der Lärche natürlich um einiges später, als bei uns, auf 650 Höhenmetern.

Lärchen sind einhäusig, auf ein und demselben Baum befinden sich demnach sowohl männliche Blüten (kleiner, goldgelb und hängend) als auch weibliche Blüten (aufrecht am Zweig, zu Beginn von wunderschönem Pink, danach grün). Später verholzen die befruchteten weiblichen Blüten zu Zapfen, die oft jahrelang am Zweig verbleiben, bis der Baum sie schliesslich abwirft.

Und so ergibt sich im Frühjahr ein etwas sonderbares Bild von alten, oft mehrjährigen Zapfen und den leuchtend pinkfarbigen Blüten. Damit der ausfliegende Pollen des Windblütlers sich nicht in den eigenen Nadeln verfängt, blüht die Lärche noch vor dem Nadelaustrieb. Die Lärche wirft ja bekanntlich als einziger europäischer Nadelbaum seine Nadeln im Herbst ab.

Diese Lärche fotografierte ich Mitte September in Davos, auf ca. 1700 Höhenmetern. Da fühlt sich der Baum wohl, freistehend, wie auch in lichten Waldbeständen, wo er durchaus andere Baumarten als Unterwuchs toleriert.

Wie man auf diesem Bild erkennen kann, ist ihre Krone an der Spitze leicht verdreht, typisch für die Lärche, deren Spitze manchmal an eine Zwergen-Zipfelmütze erinnert. Bricht ihr der Sturm die Krone ab, übernehmen sogleich andere Äste die Führungsfunktion und steigen hoch, was dann zu einer Kandelaber-Lärche führt, einer Wuchsanomalie, die ich hier bereits mehrfach vorgestellt habe.

Soviel von der Lärche für heute. Ich verabschiede mich mit einem Bild von einer Freundin, die hier mit mir in den Alpen zwischen einem jungen Bestand an Lärchen wandert. Ihre neuen Nadeln sind von einem erfrischenden Frühlingsgrün.

Ich wünsche euch ein wunderschönes Frühlingwochenende,

Gaby Kistler

Benutzte Quelle: «Bäume – über die Wurzeln einer tiefen Verbindung» Hase/Amber

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