
Dieses Bild zeigt einen «Büschelimaa» beim Anfertigen von Brennholzbündeln für den Kachelofen. Dazu wird spezifisches Werkzeug verwendet wie den Gertel und natürlich auch der «Büschelibock» oder Reiswellenbock, wie er auch genannt wird.
Für die Bündel existieren unzählige verschiedene Bezeichnungen, je nach Land und Region. Alle haben aber dieselbe Aufgabe: sie sollen den Ofen möglichst lange warm halten.
Nach dem winterlichen Holzschlag im Wald und dem Obstbaum-, Reben- und Heckenschnitt, wird vielerorts noch heute der Reiswellenbock aus dem Schuppen hervorgeholt. Er ist oft Marke Eigenbau und hilft Hackholz, Spälten und Reisig, zu festen Brennholzbündeln zusammenzupressen. Dazu dient – wie auf diesem Bild ersichtlich – oft eine Kette, auf die Zug gegeben wird, wenn sie um das fertige Bündel gelegt wird. Danach wird es mit Draht festgebunden. Manchmal werden dazu aber auch Kunststoffschnüre verwendet, wie ihr auf einigen Bildern sehen könnt.
Ein wichtiges Werkzeug beim «Büschele» ist der Gertel (Hippe), ein vielseitiges Schlagmesser das dem Entasten dient. Und natürlich eine Axt zum Kürzen des Materials auf die richtige Länge (entsprechend dem Ofen).


Dieses Bild zeigt ein Brennholzbündel im Querschnitt. Nach einer Lagerung von mindestens zwei Jahren landet es als Ganzes in einem Ofen. Meistens einem Kachelofen, für dessen Grösse das Büscheli die richtige Länge besitzt. In einigen Regionen werden damit auch Gemeinschaftsbacköfen in Ofenhäusern beheizt. In diesen Öfen wird von der Dorfgemeinschaft mehrmals im Jahr gemeinsam Brot gebacken. Da werden pro Anlass dann locker an die 10 – 15 «Wedele», wie die Brennholzbündel auch genannt werden, verheizt.
Wie genau die Zusammensetzung eines Bündels auszusehen hat, damit es im Ofen möglichst lang Wärme abgibt, ist eine Wissenschaft für sich. Das weiss ich, weil ich mal einen, für seine perfekten Büscheli bekannten Senior für eine Zeitung interviewt hatte. Er erklärte: «Ein schlechtes Büscheli, das gibt nur einen kurzen «Chlapf» (Knall) im Ofen und das war’s dann auch schon mit der ganzen Pracht. Ein gutes, richtig gebundenes aber, das brennt lange.» Deshalb komme es sehr drauf an, welches Holz man für Aussen und welches man für den Innenbereich eines solchen Holzreisigbündels verwende: Aussen die dickeren Scheite, die dünneren innen und zum Schluss das feine Reisig in der Mitte. Dieses, das sogenannte «Gfräss», dient dem Anzünden.


Früher gingen sogenannte «Studenmacher» einst von Hof zu Hof, wo sie während mehreren Tagen damit beschäftigt waren, gegen ein Entgelt Brennholzbündel zu binden. Heute sind es vor allem Senioren und – wenn auch seltener – Seniorinnen, die auf Bauernhöfen dieses alte und selten gewordene Handwerk noch beherrschen und auch ausüben.
Nachdem ich kürzlich diesen Beitrag auf Facebook gezeigt hatte, bekam ich weit über 100 interessante Rückmeldungen, nicht nur aus der Schweiz, sondern auch aus Deutschland, Österreich und sogar Slowenien, wo man diese Brennholzbündel als Püšel bezeichnet. Viele schrieben, dass der Beitrag in ihnen schöne Kindheitserinnerungen erweckt hatte.

Es folgt nun noch eine Auswahl von Bezeichnungen für die Brennholzbündel, die mir zugetragen worden sind:
Schab oder Kentl (Südtirol), Pierl hocka (Waldviertel/Österreich), Wasen (Norddeutschland), Beischl (Niederbayerisch-oberpfälzisches Grenzgebiet), Reisatbirdl (Oberösterreich), Bischl (im Schwäbischen), Reistabinkerl (niederösterreichisches Waldviertel), Bundholt (plattdeutsch für Bundholz/Niedersachsen), Birdl hocka (westliches Weinviertel/Niederösterreich), Wedele (Bernbiet/Schweiz), Bürdeli (Luzern/Schweiz), Wälle (Oberbaselbiet/Schweiz) und weitere aus der Schweiz: Bedelä, Bürdälä, Wellen, Büscheli, Studebürdeli. Ferner: Reisigwelle oder Burdeli.
Und für den Rebenschnitt: Buschle und Bischle
Übrigens, da wir uns gerade in der Fasnachts- (Faschings-) Zeit befinden, möchte ich noch Folgendes erwähnen: Aus Baden-Württemberg schrieb mir jemand, dass bei ihnen sogar eine Maskengruppe existiere, die sich die «Wellenmacher» nennt.
Nun, ich weiss nicht, ob dieses alte Handwerk tatsächlich bereits zum immateriellen Kulturerbe gezählt wird, ich meine jedoch, das sollte es. Immerhin handelt es sich hier um eine über Generationen weitergegebene Handwerkstechnik, eine, die unbedingt auf die Liste «der lebendigen Traditionen» gehört, die es zu erhalten gibt. Sie ist nämlich selten geworden, davon berichtete auch der «St. Galler Bauer» (45-2024) und portraitierte eine «Büschelifrau», die Hanni Graf aus Heiden, eine inzwischen bald 85-jährige Seniorin, die dieses selten gewordene Handwerk noch immer pflegt.
Wer weiss, vielleicht begegnet ihr ja auch nächstens mal noch einem Büschelimaa oder einer Büschelifrau, oder seht an einem Waldrand gelagerte fertige Brennholzbündeli. In meiner Region kann man sie noch finden, und ich hoffe, noch lange.
Bildquelle: Das Bild vom Büschelimaa wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Perfekt beschrieben