
Auch wenn so einiges anders ist an der heute gezeigten Kratzbeere Rubus caesius, so sieht man doch deutlich, dass sie zur Gattung Rubus gehört.
Auffällig an den Kratzbeeren: Sie sind stark blau bereift und bestehen oft nur aus wenigen Einzelfrüchten, so, wie auf diesem Bild.
Gestern kündigte ich es in meinem Beitrag über die Wald-Witwenblume an: Ich werde euch diese Woche eine eher unbekannte Beerenart vorstellen. Voilà hier ist sie: Die Kratzbeere (Rubus caesius). Weitere Bezeichnungen sind Blaue Brombeere, Bockbeere, Kroatzbeere, Ackerbeere oder Bereifte Brombeere. «Bereift» wegen ihrer bläulichen Wachsschicht, dem sogenannten «Reif», welcher die schwarzen Einzelfrüchte umgibt.
Wie die Wald-Witwenblume, begegnete mir auch die Kratzbeere gestern in der Waldschlucht. Die Pflanze ist eigentlich ein kriechendes Sträuchlein mit aufrechten Zweigen die eher spärlich mit relativ kleinen, borstenartigen Stacheln besetzt sind. Genauso wie ihre dünnen, zuweilen weiss bereiften Ruten, die sich niederliegend ausbreiten und gestern in beachtlicher Länge wie Girlanden über Felswände herabgehangen sind.


Die Kratzbeere möchte man wohl nicht unbedingt grad im Garten haben, denn sie vermehrt sich sehr intensiv über Wurzelsprosse, wie auch über sich bewurzelnde Sprossachsen. Zudem dürfte das Entfernen schwer fallen, da ihre Wurzeln bis zu 2 Meter (!) tief reichen.
Interessant: Das Rosengewächs ist eine Zeigerpflanze. Sie zeigt durch ihre Vorliebe für kalkhaltige Böden das Vorhandensein von Kalkmergel an. Diese Eigenschaft soll man sich im 19. Jahrhundert zum Auffinden dieses natürlichen, feinkörnigen Sedimentgesteins zunutze gemacht haben.
Was die saftigen Beeren betrifft, so sind sie nicht giftig, schmecken jedoch eher fad und sauer. Trotzdem heisst es von ihnen, dass sie sich besonders gut für die Herstellung von Likör eignen, dem Kratzbeerenlikör.
Man bezeichnet die Beeren als sogenannte Sammelsteinfrucht, die oft nur aus wenigen Einzelfrüchten besteht. Dies ist für mich das beste Merkmal, genauso wie der bereits erwähnte Wachsüberzug, der «Reif», welche die ansonsten schwarzen Beeren bläulich erscheinen lässt. Übrigens seien sie besonders gut geeignet für die Herstellung von Likör.


Wie ich am Wochenende festgestellt habe, sind die Blätter dieser Beerenart zuweilen etwas unterschiedlich gestaltet, aber auf jeden Fall 3-zählig. Fünf Fiederblätter, wie das bei vielen anderen Arten der Untergattung Rubus vorkommt, sieht man bei der Kratzbeere lediglich in ganz seltenen Ausnahmefällen. Diese Wildbeere dient verschiedenen Insekten, Vögeln und Kleinsäugetieren als Nahrung, wie auch als schützender Unterschlupf.
Zu den typischen Standorten der Kratzbeere zählen Hecken, Bach- und Flussufer, Auwälder, aber auch Schuttplätze und Äcker.
Nun wünsche ich euch einen guten Start in die neue Woche, sie soll ja bei uns in der Schweiz am Mittwoch Abkühlung und Regen bringen. Da sage ich nicht Nein.
Gaby Kistler
Benutzte Quellen: Rudi Beiser «Unsere essbaren Wildpflanzen», Flower Walks, Smagy, Flora Helvetica und Wikipedia



Liebe Gaby, immer wieder toll, über all deine Beobachtungen und Infos zu lesen. Ich finde deine Arbeit grossartig.
Ja, die Kratzbeere habe ich tatsächlich (leider) zu hauf in meinem Naturgarten. Und auch ja – mit nur Ausreissen kommt man gegen sie nicht wirklich an. Was mir ziemliche Arbeit aufbrummt.
Zudem liebt sie es, sich mir in meine, für die Erdbienen offenen Erdstellen einzunisten. Und das sind doch einige Quadratmeter Fläche. Und, wie du es so treffend formulierst; ist sie dann mal sesshaft, bleibt sie vermutlich auf Ewig…
Ich hoffe, dass die Kratzbeere wenigstens für irgendein Wesen von Nutzen ist…
Herzlich grüsse ich dich
Cornelia