
Lange Zeit war mir dieser Strauch nicht bekannt, erst als ich 1985 im Gartencenter für das Pflanzen einer Hecke nach heimischen Sträuchern fragte, hörte ich zum ersten Mal den Namen: Kornelkirsche (Cornus mas), im Volksmund auch als Tierlibaum bekannt. Heute ist das ökologisch wertvolle Gehölz in aller Munde, vor allem als Alternative zur wenig insektenfreundlichen Forsythie.
Ist sie nicht eine Pracht? 1985 habe ich diese Kornelkirsche gepflanzt, inzwischen haben sogar mehrere Festbänke unter ihrem ausladenden Blätterdach Platz. Wie viele Zeit haben wir in den letzten Jahren schon unter ihr verbracht! Vor allem an heissen Sommertagen, wenn sie kühlen, angenehmen Schatten spendet. So ein Schatten ist nie und nimmer mit dem eines Sonnenschirms vergleichbar. Wird die Kornelkirsche nicht gestutzt, kann sie eine Maximalhöhe von ungefähr 8 Metern erreichen.


Ihre goldgelbe, nach Honig duftende Blütenpracht kann optisch durchaus mit der einer Forsythie mithalten, nur, dass sie im Vergleich zu den Forsythien vielen Insekten Nahrung bietet, darunter auch einigen Wildbienenarten. Die Kornelkirsche zählt für die ersten fliegenden Insekten mit ihrem reichen Nektarangebot zu den wichtigsten Vorfrühlingsblühern.
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das an einem sonnigen Märztag für ein Summen und Brummen ist, hätte ich Zeit, könnt‘ ich mich stundenlang drunter setzen und einfach nur lauschen.
Im Herbst schliesslich schenkt das Hartriegelgewächs Mensch und Tier reichlich süss-säuerlich schmeckende, kirschengrosse Früchte. Ich entsafte sie und stelle damit ein exquisites Gelee her, das man fast nirgends kaufen kann. Es schmeckt einfach wunderbar und ist sehr gesund, anscheinend vor allem auch für Zöliakie-Betroffene wie mich. Bekannt sind aber auch die feinen Edelobstbrände, die sich damit herstellen lassen.
Die Früchte stehen auf dem Speisezettel vieler Vogel- und Säugetierarten, darunter Haselmaus und Siebenschläfer, die Blätter wiederum dienen mindestens drei Insektenarten als Raupenfutter. Diese Angaben gelten für die Wildform der Kornelkirsche, von den gezüchteten Sorten liegen keine Angaben vor.


Seht nur wie dick die Stämme unserer Kornelkirsche sind. Ihr Holz ist aussergewöhnlich hart und wurde schon von den Griechen und Römern geschätzt. Sie fertigten daraus Lanzen und Speere. Ja, selbst das berühmte Trojanische Pferd soll daraus gebaut worden sein, genauso wie der berühmte Bogen des Odysseus, den nur er zu spannen vermochte. Sehr populär wurde das Holz in Deutschland durch einen daraus gefertigten Wanderstock, den Ziegenhainer.
Knospen, Blätter und Rinde nutzten man einst äusserlich bei Wunden, innerlich wurden die sauren Früchte gemäss Rudi Beiser («Essbare Wildpflanzen) vor allem bei Fieber und Durchfall eingesetzt.
Da die Kornelkirsche ausgesprochen schnittfest ist, wird sie insbesondere auch im öffentlichen Raum oft in Schnitthecken verwendet. Sie nimmt selbst einen starken Rückschnitt nicht übel und treibt immer wieder neu aus.
Am schönsten kommt die Kornelkirsche natürlich zur Geltung wenn sie sich frei entfalten kann; ist dies in kleinen Gärten nicht möglich, kann man sie aber problemlos klein halten, durch regelmässigen Schnitt.


Für die Kornelkirsche gibt es unglaublich viele Bezeichnungen, hier eine kleine Auswahl (Wikipedia): Zedlers Universal-Lexicon von 1733 führt folgende deutsche Bezeichnungen auf:
für die Frucht: Corneel-Kirsche, Cornell-Kirsche, Welsche Kirsche, Horlizge, Kirrbeere, Horn-Kirsche, Horniß-Beer, Hornisse, Hirlitze, Dirlitze, Dierlein, Dierlin-Kirsche, Corneel-Beere, Corlen, Corneole, Cornelle, Zieserlein.
für die Kornelkirsche als Baum: Cornel-Baum, Cornel-Kirschen-Baum, Welscher Kirschen-Baum, Kurbeer-Baum, Dierlein-Baum, Dörnlein, Horlizgen-Baum, Cornelius-Kirschen-Baum, Cörner-Baum, Tierlein-Baum;
Eine einst wirtschaftlich schwache Region, das niederösterreichische Tal der Pielach, hat sich dank Tausenden von freistehenden Kornelkirschensträuchern zu einer prägenden Tourismusmarke «Pielachtal – Das Dirndltal» entwickeln können. Die Dirndl, wie die Kornelkirsche in vielen Regionen genannt wird, scheint im Pielachtal «seit mehr als zehntausenden Jahren beheimatet zu sein.» Die traditionelle Verwendung zur Obstbrand-Herstellung geht mit Sicherheit bis in die Zeit Maria Theresias (18. Jahrhundert) zurück.

Eine einst wirtschaftlich schwache Region, das niederösterreichische Tal der Pielach, hat sich dank Tausenden von freistehenden Kornelkirschensträuchern zu einer prägenden Tourismusmarke «Pielachtal – Das Dirndltal» entwickeln können. Die Dirndl, wie die Kornelkirsche in vielen Regionen Österreichs genannt wird, scheint im Pielachtal «seit mehr als zehntausend Jahren beheimatet zu sein.» Die traditionelle Verwendung zur Obstbrand-Herstellung geht mit Sicherheit bis in die Zeit Maria Theresias (18. Jahrhundert) zurück.
Kommerzielle Anbauten der Kornelkirsche nehmen auch in anderen Weltregionen zu, so zum Beispiel in Georgien, wo sie als «shindi“ bezeichnet wird. «Darüber hinaus werden in Moldawien, Bulgarien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Slowenien, der Slowakei, der Ukraine, Polen, Deutschland, Österreich, Frankreich sowie den USA und Australien Versuche zu großflächigerem kommerziellem Kornelkirschanbau unternommen». Diese Angabe entstammt diesem Wikipedia-Artikel den ich allen Interessierten wärmstens empfehlen kann, er enthält unglaublich viele spannende Zusatzinformationen zur Kornelkirsche: https://de.wikipedia.org/wiki/Kornelkirsche


