Königskerzen: Schutz- und Heilpflanzen, Wetterkerzen

Königskerzen (Verbascum) blühen jetzt wieder überall.

Wahrlich, wie grosse Kerzen ragen die Königskerzen aufrecht in den Himmel. Schon immer genossen die Pflanzen mit ihrem hoch aufragenden Wuchs und den leuchtend gelben Blüten, ein hohes Ansehen und dienten unseren Vorfahren auf vielfältige Weise. In Pech oder Öl getränkt, als Fackel, oder als Wetterorakel, Schutzpflanze und natürlich – wie auch noch heute – als altbewährte Heilpflanze.

Gleich vier heimische Arten wachsen Jahr für Jahr in meinem Garten: Die abgebildete Verbascum densiflorum (Grossblütige Königskerze), die Verbascum lychnitis (Mehlige Königskerze), die Verbascum nigrum (Schwarze Königskerze) sowie die Verbascum thapsus (Kleinblütige Königskerze).

Die Schwarze Königskerze (V. nigrum) erkennt ihr gut anhand ihrer wunderschön purpurvioletten, wollig behaarten Staubfäden.

Die Blätter sind unterseitig graufilzig, auf der Blattoberseite jedoch in frischem Grün und fast kahl. Auch da unterscheidet sie sich zum Beispiel stark von der Kleinblütigen Königskerze mit ihren wolligen Blättern.

Die Schwarze Königskerze mag es trocken: in Trockenwiesen, entlang von Kiesstrassen, auf Schuttplätzen.

Weshalb sie das «Schwarz» im Namen trägt, ist umstritten, da gibt es unterschiedliche Angaben. Keine überzeugt mich wirklich.

Von der Mehligen Königskerze (V. lychnitis) ist dieses Jahr sogar ein Same auf dem Vorplatz aufgegangen. Da brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen, dass auch diese Königskerzenart es gerne sonnig und trocken mag.

Sie ist, wie alle Königskerzen, eine hervorragende Insektenweide und Futterpflanze verschiedener Schmetterlinge, so zum Beispiel vom Roten Scheckenfalter.

Interessant finde ich an der Mehligen Königskerze, dass sie je nach Laune auch mal weiss blühen kann. So hatte ich in den vergangenen Jahren bereits etliche weiss blühende Exemplare, was aber eigentlich doch eher selten vorkommt. Ihr findet davon ein Bild in der Galerie.

Nun zu der dritten im Bunde, der Kleinblütigen Königskerze (Verbascum thapsus). Ihr seht davon ein 2.60 hoch gewachsenes Prachtexemplar in meinem Garten (mit Messstab daneben der 2 Meter lang ist).

Auffallend bei der Kleinblütigen Königskerze sind die Blätter: Die Blattober- wie auch die -unterseite, weisen eine «dicht wollig-filzig Behaarung aus«.

Ich stelle immer wieder fest, dass viele nur diese Art kennen, mit den wolligen Blättern, es ist für sie DIE Königskerze!

In den Heilpflanzenbüchern finden meistens nur die Kleinblütige Königskerze, wie auch die Grossblütige Königskerze (Verbascum densiflorum), eine Erwähnung. Meistens jedoch mit dem Hinweis, dass die Eigenschaften aller Königskerzenarten «weitgehend übereinstimmen». Dies, weil sie alle mehr oder weniger die selben Inhaltsstoffe aufweisen.

Zu guter Letzt kommt hier noch die Grossblütige Königskerze (Verbascum densiflorum). Abgesehen von der Grösse der Blüten, die natürlich bei der Grossblütigen grösser sind, als bei der Kleinblütigen, lassen sich die beiden nur schwer voneinander unterscheiden. Aber für Geübte anscheinend «bei passenden Wetter auch an der Form:

V. thapsus: Krone 15-35 mm Durchmesser, weit trichterförmig

V. densiflorum: Krone 30-60 mm Durchmesser, fast flach ausgebreitet.»

In der Heilpflanzenmedizin werden vor allem die Königskerzenblüten (Verbasci flos) verwendet, aber eigentlich nie allein, sondern fast immer als Beigabe in Teemischungen. Hauptsächlich im Anwendungsbereich von Katarrhen der Luftwege, Brustverschleimung, Husten und Erkältungen. Auch ich füge meiner Hustenteemischung stets ein paar getrocknete Königskerzenblüten bei.

Bekannt dürfte euch vielleicht auch die Anwendung von sogenanntem «Königsöl» bei allerlei Ohrenleiden sein (Schmerzen, Furunkel, Ekzeme). Es wird zudem als Einreibemittel bei Neuralgien, Hämorrhoiden und Afterjucken empfohlen.

Um ein Königsöl herzustellen, geht ihr ähnlich wie beim Johannsikrautöl vor: Bei Sonnenschein frisch gepflückte Königskerzenblüten in einem Glasgefäss drei Wochen lang mit kalt gepresstem Olivenöl bedecken, täglich umrühren und danach abseihen. (Das Johanniskrautöl lasse ich länger, 6 Wochen ziehen)

Zuweilen kann es vorkommen, dass die Königskerzen nicken. Das bedeutet, sie neigen ihre Spitze wie auf meinem Bild, auf eine Seite hin. Dieser Vorgang ist Teil eines Königskerzen-Wetterorakels, ich schrieb darüber bereits 2022 einen Beitrag: https://natur-tagebuch.ch/warum-die-koenigskerze-auch-wetterkerze-genannt-wird/

Weitherum berühmt für seine Königskerzen-Orakel war der 2025 83-jährig verstorbene Sepp Haslinger aus Oberbayern (Tölz). Er verstand es, anhand der Königskerzenblüte im August, die Schneemengen für den kommenden Winter vorauszusagen. Jedes Jahr um die Zeit von Maria Himmelfahrt, machte Haslinger aufgrund von Naturbeobachtungen seine Wettervorhersagen, diese erreichten Kultstatus. Aber worauf achtete der sympathische Herr aus Oberbayern? Auf die Blüten: «Viele gelbe Blüten, das bedeutet reichlich weiße Pracht, keine Blüten deuten auf schneearme Monate hin, das war sein Credo

Wie eingangs erwähnt, wurden Königskerzen in früheren Zeiten auch als Fackel verwendet, wozu man sie mit Öl oder Pech getränkt und angezündet hatte. Dass sie so gut gebrannt haben, mag an ihren Inhaltsstoffen liegen, vermute ich mal.

Da man den Königskerzen zudem schützende Eigenschaften vor vielerlei Übel zugesprochen hatte (Blitzschlag, Gespenster, Schutz vor Dämonen, Hagel etc.) ist sie noch heute vielerorts in katholischen Kirchen fixer Bestandteil des an Maria Himmelfahrt geweihten Kräuterbüschels (Bild). Da sitzt sie dann an prominenter Stelle, hoch aufragend inmitten von anderen Pflanzen, die für ihre abwehrende Wirkung bekannt waren. Nach der Weihe im Gottesdienst wurden die Sträusschen zuhause beim Hausaltar, oder Teile davon auch im Dachstock oder Stall hingelegt.

Ich liebe sie alle, die Königskerzen und möchte sie im Garten nicht missen. Hier auf dem Bild in schöner Gemeinschaft mit dem roten Klatschmohn.

Die Braunwurzgewächse passen gut in Kiesgärten, oder in trockene Wiesen die jedoch spät gemäht werden, so, dass sie sich aussäen können. In der Regel sind sie zwei und mehrjährig, bilden im ersten Jahr zuerst eine Blattrosette.

Im Übrigen wachsen bei mir neben den vier heimischen Arten auch noch die Kandelaber-Königskerze (V. olympicum) sowie die Phönizische Königskerze. Letztere hat sich jedoch nicht mehr selber ausgesät, ihr passt wohl der Boden nicht, drum lass ich es jetzt bleiben.

Wo es möglich ist, empfehle ich die Samenstände (hier rechts neben dem Zottigen Weidenröschen) als Winterfutter für die Vögel stehen zu lassen. Es lassen sich auf ihnen in den Wintermonaten wunderbar Vögel beobachten, wie sie die Samen herauspicken. Anstatt – zum Teil ungeeignetes – Vogelfutter im Winter zu kaufen, sorgt man besser für möglichst viel natürliches Futter.

Als Nächstes berichte ich über die beiden häufigsten Raupen, die man auf den Königskerzen finden kann: Den Braunwurz-Mönch (Shargacucullia scrophulariae) und den Königskerzen-Mönch (Shargacucullia verbasci). Nur Spezialisten ist es möglich, die beiden voneinander zu unterscheiden. Hübsch sind sie alle beide.

Benutzte Quellen für Recherchen: «Heilpflanzen Praxis Heute» Siegfried Bäumler, NABU, Future Planter, Flora die Berna, Flora Helvetica, merkur de

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