Knoppern auf Eichen – eine höchst interessante Geschichte.

Habt ihr schon einmal unter Eichen solche extravaganten Gebilde gesehen?

Dahinter steckt – wieder einmal – ein Gallinsekt und zwar die Knopperngallwespe. Hinter dem Vorgang, wie es zu dieser Wucherung kommen kann, steht eine spannende, überraschende Geschichte von einem kleinen Insekt und dem Zusammenspiel zweier verschiedener Eichenarten, der Zerr-Eiche und der Stiel-Eiche.

Am Anfang der Geschichte steht die Knopperngallwespe (Andricus quercuscalicis). Sie gehört zur Familie der Gallwespen von denen 80% der gallbildenden Arten an Eichen zu finden sind!

Die Knopperngallwespe, ein geflügeltes, unauffälliges und lediglich 1-4 Millimeter grosses Insekt, führt zwischen der Zerr-Eiche (Quercus cerris) und der Stiel-Eiche (Quercus robur) einen Wirtswechsel durch:

Die Geschichte beginnt im zeitigen Frühling, wenn die Weibchen ihre noch unbefruchteten Eier in die Blütenknospen der Zerr-Eiche legen. Folglich bilden sich in den männlichen Blüten kleine und unscheinbare Gallen die spitzeiförmig sind und höchstens 1-2 mm gross. Aus ihnen schlüpfen dann etwa im Mai die Geschlechtstiere. Von diesen legt nun das Weibchen nach der Paarung ihre Eier zwischen Frucht und den Fruchtbecher der Stiel-Eiche. «Die sich entwickelnde Galle besitzt eine «zottelige», zu Beginn mit einem klebrigen Überzug versehene Außengalle, die in einem über einen verlängerten Porus zu erreichenden Hohlraum eine nährstoffreiche Innengalle freigibt. Über diesen Porus kann die geflügelte Gallwespe dann etwa im März des folgenden Jahres die Galle verlassen.» (Porus = kleine Öffnung, Hohlraum)

Somit wäre denn auch das Rätsel gelöst, warum ich noch nie diesen knubbeligen Gebilden begegnet bin: Bei uns wachsen zwar jede Menge Stiel-Eichen, jedoch keine Zerr-Eichen. Wohl aber bei Isabella Sedivy (Plan Biodivers). Sie hat mir freundlicherweise diese Bilder zur Verfügung gestellt.

Da nun für die Entwicklung von Knoppern auf Stiel-Eichen auch die Zerr-Eiche vorhanden sein muss, kommen diese vornehmlich in der Nähe von Botanischen Gärten, Arboreten oder vielleicht auch Parkanlagen vor. Also überall dort, wo die Möglichkeit besteht, dass beide Eichenarten gleichzeitig vorkommen. Doch sei diese Bindung an die zwei Baumarten mittlerweile nicht mehr als zwingend anzusehen, denn es soll mitunter auch Funde an Orten geben, wo keine Zerr-Eichen vorkommen. Damit würde die Möglichkeit bestehen, dass sich die Gallwespe durchaus auch allein, ungeschlechtlich zu vermehren vermag.

Ein Insekt das die Wirtspflanzen wechselt. – NATUR, spannend, faszinierend in ihrem Zusammenspiel und immer wieder für Überraschungen gut. Es ist unglaublich, wie viel ich allein in diesem Jahr wieder dazu lernen durfte. Und es ist mir stets eine Freude, wenn ich dieses Wissen in meinem Naturtagebuch an euch weitergeben kann.

Quellen: Bei meiner Recherche zum Thema Eichenknopper habe ich die Informationen heute von der Seite ARBOFUX bezogen. Sämtliche Bilder stammen verdankenswerter weise wie erwähnt von Isabella Sedivy.

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