
Das Kletten-Labkraut (Galium aparine) heisst nicht umsonst auch Klebkraut. Wer von euch mag sich noch erinnern, wie wir uns in Kindertagen gegenseitig mit diesem Kraut beworfen haben? Es haftete überall, auf Haaren, Schultornistern, Kleidern. Die äusserst «anhängliche» Pflanze wird auch als Zaunkleber bezeichnet, weil sie sich dank ihren Widerhaken gerne an Zäunen, aber auch an Baumstämmen und Sträuchern emporrankt. Sie zählt wie die anderen Labkräuter (Galium) zu den altbewährten Heilpflanzen.
Seht ihr, wie dieses Stück Kletten-Labkraut selbst auf meiner Jeans problemlos «kleben» bleibt? Noch heute, mit über 60ig Jahren, treibe ich gerne Schabernack und bewerfe meine Begleitung damit, in Erinnerung an Kindertage. Möglich machen diese starke Anhaftung die vielen Stachelborsten an der Pflanze: Am vierkantigen Stängel sind sie entlang der Kanten rückwärts, auf der Blattoberseite in Richtung Spitze und am Blattrand rückwärts gerichtet. Selbst die Blattspitze ist noch mit einer «bedrohlichen» Stachelspitze versehen. Kein Wunder also, haftet die «klettige» Pflanze so gut.


Heute habe ich bereits die ersten winzig kleinen, höchstens 2 mm grossen, weissen Blüten gesehen. Sie sind zwittrig und vierzählig. Nach ihrer Befruchtung bilden sich solche kleinen Klettfrüchtchen. Auch sie sind, wie ihr auf meinem Bild erkennen könnt, dicht mit borstigen Haken versehen. Kommt so ein borstiges Früchtchen in Kontakt mit dem Fell eines Wildtieres, bleibt es sogleich daran haften und für die Verbreitung der in den Früchten enthaltenen Samen ist gesorgt. Auch vorbeilaufende Hunde oder Katzen werden manchmal unfreiwillig Transporteure der Klettfrüchte, wenn sie sich in ihrem Fell verhaken.
Die vielen Borsten helfen dem weichen, eher schlaffen Stängel des Kletten-Labkrauts, sich Halt an anderen Pflanzen zu verschaffen. Bis zu eineinhalb Meter lang kann das einjährige Rötegewächs werden und dabei an Gebüschen und Zäunen emporwuchern. Vorausgesetzt, der Boden wird seinen hohen Ansprüchen an Nährstoffen gerecht.
Der Artname aparine leitet sich übriges vom griechischen aparein (ergreifen) ab. Und WIE diese Pflanze nach allem greift, was in die Nähe kommt!


Es gibt verschiedene Labkräuter (Galium), nicht nur das hier vorgestellte Kletten-Labkraut, sondern auch noch das Echte Labkraut (Galium verum/Liebfrauenbettstroh) und das Wiesen-Labkraut (Galium mollugo). Der Name Labkraut – so der grosse Kräuterkundige Johann Künzle – stamme daher, «dass die Labkräuter in früheren Zeiten von den Sennen bei der Käsebereitung als Labferment verwendet wurden, d.h. um die Milch gerinnen zu machen.» In der Pflanzenheilkunde, so Künzle weiter, werde das Echte Labkraut als das wirksamste der ganzen Familie betrachtet und «verwende es insbesondere zur Reinigung und Stärkung von Nieren, Leber und Milz. Sie verordnet die frischen oder gedörrten Blüten als Teekraut.»
Fast ebenso wirksam aber sei die Heilkraft des heute vorgestellten Kletten-Labkrauts (Galium aparine). Es wird auch zur Behandlung von allerlei Hautkrankheiten empfohlen. (Über die genaue Anwendung bitte ich euch, entsprechende Literatur zu konsultieren oder in der Drogerie nachzufragen).
In Bezug auf seine klettige Anhaftung schreibt Künzle: «Es scheint, als ob diese Pflanze durch die sinnbildliche Anhänglichkeit…. auf ihre verborgenen Wirkkräfte aufmerksam mache wollte und dem Vorübergehenden zuriefe: «Nimm mich mit, es reut die nit!» (Nimm mich mit, du wirst es nicht bereuen)


Es folgen noch ein paar Bilder in der Galerie und die Angabe zu den von mir benutzten Informationsquellen für den heutigen Beitrag.
Während ich diese Zeilen für euch schreibe, rauscht draussen – dank Föhneinfluss etwas verspätet – die Regenfront vorbei. Bleibt die Hoffnung auf endlich wärmere Tage und die soll ja an Pfingsten tatsächlich in Erfüllung gehen.
Nun wünsche ich euch allen von Herzen einen guten Start in die neue Woche, eure
Gaby Kistler



Quellen: «Das Grosse Kräuter-Heilbuch» von Johann Künzle / «Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen» DasBeste / Wikipedia