Jetzt ist DIE Gelegenheit, dem Buchen-Streckfuss zu begegnen.

Diese auffällige Raupe mit dem roten Haarpinsel auf dem Rücken, erregt zur Zeit viel Aufmerksamkeit.

Das ist nicht verwunderlich, da jetzt der Buchen-Streckfuss von seinen Frasspflanzen herunterkommt und sich auf die Suche nach einem Überwinterungsplatz am Boden macht. Es gibt die Raupe eines Eulenfalters in mehreren Farbvarianten.

Im September beginnen sich die Sichtungen von Raupen des Buchen-Streckfusses (Calliteara pudibunda) zu häufen und in vielen Bestimmungsgruppen werden jetzt Bilder dieser wunderschönen, auffällig gefärbten, haarigen Raupe gezeigt. À propos Farbe: Die ist nicht immer zitronengelb, sondern kann durchaus auch mal rosa oder braunrot sein. Rollt sie sich bei Gefahr zusammen, kommen tiefschwarze Einschnitte zwischen den Segmenten zum Vorschein.

Diese gehäuften Sichtungen hängen damit zusammen, dass sich die Buchen-Streckfüsse ab diesem Monat auf den Weg zur Verpuppung begeben. Dazu verlassen sie jetzt ihre Futterpflanzen, die zwar auch aus Buchen bestehen, aber nicht nur. Die Raupen eines Nachtfalters aus der Familie der Eulenfalter (Erebidae) ernähren sich von vielen verschiedenen Laubbäumen und Sträuchern wie Weide, Hasel, Apfelbaum, Birke, Eberesche oder Stieleiche.

Sobald die Zeit da ist für die Verpuppung, können wir die Raupe auf dem Boden entdecken, auf der Suche nach einem geeigneten Überwinterungsplatz. Auf diese Weise begegnete auch ich meinem ersten Buchen-Streckfuss: Er lief in recht schnellem Tempo, direkt vor meinen Füssen über einen Waldweg. War leider bis heute die einzige Sichtung.

Überwintert wird als Puppe im Bodenstreu und zwar in einem kunstvoll gesponnenen, doppelschichtigen Kokon. Für dessen Gespinst werden auch eigene, abgestreifte Haare verwendet. Nachdem die Puppe den Winter im gut geschützten Winterquartier verbracht hat, schlüpft aus ihr im Frühjahr, sobald die Temperaturen es zulassen, die nächste Faltergeneration.

Auf diesem Bild seht ihr das leuchtend rote Haarbüschelchen, es befindet sich auf dem letzten, elften Segment und verhalf der Raupe auch zu weiteren Bezeichnungen: Rotschschwanz und Buchenrotschwanz. Bei den rosa Farbvarianten kann dieser farblich variieren, sogar schwarz sein.

Übrigens: Behaarte Raupen sollte man nie mit blossen Händen berühren. Möchtet ihr eine von ihnen von einer Strasse retten, nehmt ihr dazu am besten ein Blatt zu Hilfe. Auf diese Weise half ich grad gestern der behaarten Raupe einer Ampfer-Rindeneule, einen stark befahrenen Weg zu überqueren.

Noch ein paar Worte zum Falter: Den bekommen wir kaum zu Gesicht, erstens weil er als Nachtfalter natürlich nur nachts unterwegs ist und zweitens tagsüber so gut getarnt, dass wir den Eulenfalter kaum wahrnehmen. Der grau-beige gemusterte Falter weist eine stolze Flügelspannweite von 37-67 Millimetern auf. Die Eigenart, in der Ruheposition seine flauschig behaarten Vorderbeine nach vorne zu strecken, verhalf dem Falter zu seinem deutschen Namen, manchmal wird er denn auch kurz und bündig einfach als Streckfuss bezeichnet.

Dazu steht in einem wunderschönen, bunt illustrierten Schmetterlingsbuch aus dem Jahre 1905: «Ein weissgrauer Falter, der die Gewohnheit hat, den Kopf zwischen den vorgestreckten Vorderfüssen zu verbergen, weshalb er auch Kopfhänger genannt wird.» Der Falter wird in diesem 121 Jahre alten Buch als Rotschwanz respektive Weisser Streckfuss bezeichnet. Als dieses Buch («Strässles Schmetterlingsbuch») aus Grossvaters Besitz, 1905 erschien, war dieser gerade ein Jahr alt.

Also liebe Naturfreundinnen und Naturfreunde: Solltet ihr euren Blick bei den nächsten Naturspaziergängen vermehrt auf den Boden richten, besteht durchaus die Möglichkeit, noch einem Buchen-Streckfuss zu begegnen.

Nun wünsche ich euch allen herzliche einen guten Start in die neue Woche,

Gaby Kistler

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