Hitze und Trockenheit – für Moos kein Problem

Ob auf heissen Steinen oder Dächern, Moose wissen sich gegen Hitze und Trockenheit mit verschiedenen Strategien zu wehren und können deshalb problemlos längere Trockenphasen und hohe Temperaturen überleben.

Moose haben eine ganz besondere Technik entwickelt, wie sie sich gegen die gnadenlos «herab brennende Sonne» wehren können: Sie entwickeln sogenannte Glashaare. So nennt man die weissen Spitzen, die beispielsweise das Dach-Drehzahnmoos bildet. Weiss werden sie, weil das Moos in ihnen die Zellen absterben lässt. Die weissen Spitzen helfen das Sonnenlicht zu reflektieren und gespeichertes Wasser möglichst schnell abzugeben, bevor die Sonneneinstrahlung zu intensiv wird. Das ist aus folgendem Grund wichtig: Tritt die Hitzeeinwirkung ein, bevor das Moos ausreichend getrocknet ist, kann es absterben.

Wer zuhause auf seinen Mauern oder einem Dach Drehzahnmoos hat wie auf diesem Bild, oder aber Frauenhaarmoos, dem empfehle ich mit der Giesskanne während einer Trockenperiode ein «Experiment» zu machen. Die Idee dazu entnahm ich dem Buch «Der Moosgarten» von Michael Altmoos. Darin schreibt der Autor Folgendes:

«Moosfarbverwandlung: Showeffekt bei Trockenheit. Mit Regenwasser (Giesskanne) einfach mal einen Quadratmeter trockenen Mooses duschen und kurz warten. Schon nach wenigen Sekunden beginnt es, die Farbe zu verändern…. besonders ausgeprägt ist das bei Frauenhaarmoosen (Gattung Polytrichum). Ein netter Effekt für Gäste oder auch für sich selbst, wenn man Lebensmut braucht: zum frischen Ergrünen und Erleben, wie sich vieles regenerieren kann.» – Wie man auf dem Bild sehen kann, funktioniert das auch sehr gut bei Dach-Drehzahnmoos. Links trocken, rechts übergossen mit Wasser.

Moose können je nach Art und Region/Land Wochen, Monate ja sogar Jahre ohne Wasser auskommen (es gibt auch in der Wüste Moosarten). Sie entwickeln dazu unterschiedliche Überlebensstrategien, wie beispielsweise eben das Bilden von Glashaaren, oder sie rollen ihre Blätter ein, wie einige Lebermoosarten, um möglichst wenig Feuchtigkeit zu verlieren. Auf diesem Bild seht ihr eine solche Lebermoosart, das Kegelkopfmoos (Conocephalum conicum).

Das Breite Wassersackmoos (Frullania dilatata) wiederum – von Weitem oft nur als dunkler Fleck an Baumstämmen wahrnehmbar – speichert in seinen dunkelrotbraunen, schwärzlichen, zu «Wassersäcken» umgebildeten Unterlappen Wasser.

Dieses Moos – und auch andere Arten – sollte man unbedingt mal mit einer Lupe betrachten, da öffnet sich sogleich eine eigene Welt für sich.

So kann man mit der Lupe beispielsweise erkennen, dass dieser simple dunkle Fleck auf dem Baumstamm, aus unzähligen dieser kleinen, mit Wasser gefüllten Wassersäckchen besteht.

Als ich mal einen Schreibauftrag zum Thema Moose in der urbanen Siedlung ausführen durfte, hatte ich die einmalige Gelegenheit, mit einem promovierten Biologen und Moosforscher unterwegs zu sein. Der Funke der Leidenschaft für diese älteste aller Pflanzenarten sprang ziemlich schnell während unserer Moos-Safari von ihm auf mich über.

Zum Schluss noch einmal ein Bild das zeigt, wie der linksseitige Teil des Mooses nach dem Begiessen mit Wasser (am besten Regenwasser aus der Tonne) die Farbe gewechselt hatte und die Pflanze aufgequollen ist. Im Vergleich dazu der Teil rechts, der kein Wasser bekommen hatte. Das müsst ihr unbedingt mal ausprobieren, ihr werdet staunen, wie das innert weniger Sekunden während des Begiessens wechselt.. Mein Video dazu findet ihr wie gestern erwähnt auf meiner Facebook-Seite Natur-Tagebuch, oder aber auf meinem Privatprofil Gaby Kistler.

Infoquellen: «Der Moosgarten» von Michael Altmoos und Swiss Bryophytes https://www.swissbryophytes.ch/index.php/de/

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