Hirtentäschel färbt die Wiesen weiss

Zuverlässig blüht hier in diesem Wiesenstück um diese Zeit das Hirtentäschel. (Capsella bursa-pastoris). Es ist hier so zahlreich, dass man schon von Weitem seinen weissen Blütenteppich sehen kann.

Wer die Pflanze von nah betrachtet, entdeckt, nachdem sich die ersten Samen gebildet haben, die für das Hirtentäschel typischen dreieckigen bis herzförmigen Kapselfrüchte. Sie sind es auch, die dem Kreuzblütler zu seinem Namenszusatz «Bursa-pastoris» verholfen haben:

Der Beiname «Bursa-pastoris» sowie die deutsche Bezeichnung Hirtentäschel beziehen sich auf die Form der aus Fell gefertigten Umhängetasche von mittelalterlichen Hirten. Der Gattungsname «capsella» geht zurück auf das Wort «capsa = Kapsel», das zum Verb «capere = halten, fassen» gehört und nimmt ebenfalls Bezug auf die Ähnlichkeit der Früchte mit einem Täschchen.

Weitere Bezeichnungen für das Hirtentäschchen sind: Bauernsenf, (wieder einmal) ein «Bettseicherle», Beutelschneiderkraut, Herzkraut, Himmelsmutterbrot, Löffeli, Schneiderkraut, Schneiderbeutel, Säcklichrut..

Es wird vermutet, dass das Hirtentäschelkraut bereits im Altertum als Heilpflanze bekannt war. Auf jeden Fall wird seine blutstillende Wirkung im Mittelalter erwähnt. So steht im «Gart der Gesundheit» (Main, 1485): «Diss krut in der hant gehalten stoppet fast sere die bludenden nasen«. Nun, inwieweit diese Anwendung von Erfolg gekrönt war, weiss ich nicht, bin in der glücklichen Lage, mir das Nasenbluten jeweils sehr schnell selber zu stillen.

Unter der Rubrik «Indikationen» steht in «Heilpflanzen Praxis Heute» von Siegfried Bäumler unter anderem Folgendes geschrieben: Es wird besonders bei älteren Menschen eine ausgleichende und regulierende Wirkung auf das geschwächte Herz beschrieben (orale Anwendung). Weitere Indikationen stellen Nasenbluten sowie oberflächliche, blutende Hautverletzungen dar.» Ferner werde das Hirtentäschelkraut in der Volksheilkunde der indigenen Bevölkerung Nordamerikas bei Kopfschmerzen eingesetzt «und in Spanien verwendet man eine Abkochung der Frischpflanzen bei Blasenentzündungen».

Das Hirtentäschel kommt auch in Pawlows Wildgemüse Kompass von Gräfe & Unzer vor, wobei die frischen Blätter respektive ganz junges Kraut im Frühjahr Verwendung findet: Als Salatbestandteil; mit anderen Wildkräutern (Brennnessel, Brombeer- & Erdbeerblättern) aber auch als Gemüse. Sein Geschmack ist angenehm, leicht herb.

Zum Bild: Aus der grundständigen Blattrosette des Hirtentäschels entspringen schon bald einfache oder verzweigte Stängel.

Dieses Bild zeigt eine Illustration von Ernst Kreidolf aus seinem Bilderbuch «Der Traumgarten», ich habe fast alle seinen zauberhaften Bilderbücher. Zu diesem Bild hat Kreidolf wie immer auch noch ein hübsches Gedicht geschrieben, einen Dialog, zwischen dem Hirtentäschel und der Schafgarbe, mit diesem will ich mich für heute von euch verabschieden.

Ich widme das Gedicht heute im Besonderen der lieben Christine L.-R., die mir gestern so eine wunderbare, wertschätzende Mail geschrieben hat:

«Hirtentäschchen, Hirtentäschchen!

Komm auf meine Schäfchenweide!

Komm mit deinem Wasserfläschchen.

Hund und Hirtin, alle beide!»

«Soll ich deine Schäfchen weiden?

Alle schwarzen, alle weissen?

Tu ich’s gern, tu ich’s mit Freuden –

Aber hast du was zu beissen?»

«Nimmer sollt ihr bei mir darben.

Gutes Brot werd‘ ich euch geben

Von den reifen, vollen Garben;

Herrlich sollt ihr bei mir leben!»

«Hirtentäschchen,» spricht der Hund,

«Hüt‘ dich! sie betört uns beide.

Suchen wir im Wiesengrund,

Eine andre Schäfchenweide!»

Quelle Bild und Gedicht: «Traumgarten», Bilderbuch von Ernst Kreidolf (1863-1956), erscheinen bei Rotapfel Verlag AG in Zürich

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