Hier steht die Rapunzel am Wegrand und nicht im Turm

Am Wegrand habe ich schon vor zwei Wochen die ersten Blüten der Ährigen Teufelskralle (Phyteuma spicatum) entdeckt. Wer schon mal eine Survival-Sendung gesehen, an einem Überlebenstraining oder Wildpflanzenkurs teilgenommen hat, weiss: Diese Pflanze «gehört zu den geschmackvollsten Wildkräutern.

Die ährigen Blütenstände des Glockenblumengewächses werden bis zu 20 Zentimeter lang. Finden könnt ihr die Ährige Teufelskralle hauptsächlich auf lehmreichen Böden in krautreichen Laub- und Nadelmischwäldern. Mich begegnet sie recht häufig entlang von Waldrändern und Wegen. Ihre Blütezeit reicht von Mai bis August, so bleibt euch also noch genug Zeit, Ausschau nach ihr zu halten. Der Name nimmt übrigens Bezug auf die Form der Einzelblüten, die vor dem Aufblühen krallenähnlich nach oben gebogen sind. Ihr findet Bilder in der Galerie am Schluss des Beitrages, die das gut zeigen.

Die Ährige Teufelskralle – im grossen Botanikwälzer «Flora Helvetica» als Ährige Rapunzel bezeichnet, fehlt in keiner Literatur über essbare Wildpflanzen. So schreibt Rudi Beiser («Unsere essbaren Wildpflanzen«), dass die Teufelskralle zu den geschmackvollsten Wildkräutern gehört und eine mild-würzige Note besitzt. Die Blätter können noch vor der Blüte für Salat, Kräuterquark oder Suppen verwendet werden. Die geschlossenen Blütentriebe wiederum seien in Butter gedünstet eine wahre Delikatesse und könnten wie Spargel angerichtet werden. Die rübenförmige Wurzel empfiehlt Beiser geschält und geraspelt roh unter Salat oder in Scheibchen geschnitten auf Brot. Sie besitze roh eine rettichartige, leichte Schärfe.

Sammelhinweis: Wie immer füge ich bei Wildgemüse- oder Heilpflanzen an, dass ich eine Verwendung für diese Zwecke befürworte und ich traue meiner Leserschaft durchaus zu, dass sie dabei respektvoll mit der Natur umgeht, auf achtsame Weise nur so viel pflückt, wie benötig wird. Der wirklich grosse, schlimme und irreversible Schaden an der Umwelt geschieht fernab von unseren Lebenswelten infolge des Konsumverhaltens und Lifestyles in unseren hiesigen Ländern und nicht, weil einzelne naturverbundene Menschen ein Körbchen Wildpflanzen pflücken. Wer mich kritisiert, weil ich die Natur für meine persönliche Heilpflanzen-Hausapotheke nutze, den frage ich meist zuerst, ob er/sie mir Einblick in ihren Einkaufskorb gibt.

Aus aktuellem Anlass sozusagen noch ein Bild von gestern. Da bekam nämlich endlich auch unsere Region den langersehnten Regen. Hätte ruhig mehr sein dürfen, reichte gerade mal um eine Regentonne knapp zu füllen und die riesigen Mengen von Pollen herunter zu waschen. Die gelbliche Pollenmasse hat die Wanderwege und Rinnsteine nach dem Regen richtiggehend zugekleistert, ob der Spuk nun wohl vorbei ist? Ich habe ja in den vergangenen Tagen immer wieder mal auf die gelben Pollenwolken hingewiesen, die über den Nadelwäldern schwebten: https://natur-tagebuch.ch/rote-kerzen-auf-fichten-und-gelbe-pollenwolken-ueber-den-waeldern/

Gestern übrigens montierte ich schon mal vorsorglich das Hagelschutznetz über dem Salathochbeet. Wäre nicht das erste Mal, dass es schon im Mai ein Hagelwetter gibt, da würde mich der schöne Salat natürlich reuen. Sind zwar saumässig teuer diese Netze, aber wenn man ihnen Sorge trägt, halten sie jahrelang.

Nun geht es ab in den Garten, weitere Gemüsesetzlinge pflanzen. Wer nicht sät und pflanzt, der erntet bekanntlich auch nichts.

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