Hauswurz – Heilpflanze und Blitzableiter der Vorfahren

Beim Barte des Donar, es ist wahr: Vor der Erfindung der Blitzableiter galt die auch als Dachwurz bezeichnete Hauswurz als Blitzableiter par excellence!

Auch fand der aus den fleischigen Blättern gedrückte schleimige Saft bei unseren Vorfahren eine bewährte äusserliche Anwendung in der Volksheilkunde.

Von den Hauswurzen (Sempervivum) gibt es zwischen 40 und 63 anerkannte Arten, je nach Autor. Hinzu kommen noch 7000 (!) Sorten «in gärtnerischer Verwendung». Tatsächlich sind diese Gewächse als dekorative Hingucker in Gärten sehr beliebt. Vor allem in Steingärten. Generell gedeihen sie überall dort gut, wo der Boden durchlässig ist und das Wasser schnell abfliessen kann. Wie beispielsweise eben auch auf Dächern. Das Bild zeigt eine Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum) auf einem Dach, wo sie ohne Humus auskommt, sehr hohe Temperaturen aushält, genauso wie Trockenheit.

Man braucht keine studierte Biologin zu sein um zu ahnen, dass das zur Familie der Dickblattfamilie gehörende Gewächs das Wasser in seinen dicken, fleischigen Blätter speichert. Halt ganz nach der Art sukkulenter Pflanzen.

Die Hauswurz wird in alten Büchern als «immer lebende» Pflanze beschrieben. So kommt ihr botanischer Gattungsname vom lateinischen semper welches gleichbedeutend mit «immer» ist und vivus, was für «lebend» steht. Aber warum immer lebend? Ich dachte, weil die Pflanze das ganze Jahr über grün ist, doch gemäss Flora di Berna ist dieses «immer lebend» auf die Eigenschaft zurückzuführen, dass Hauswurze Selbstversorger sind. Sie wachsen in Felsspalten und ernähren sich unter anderem von ihren eigenen abgestorbenen Pflanzenteilen.

Der deutsche Name Hauswurz (auch Dachwurz) hat seinen Ursprung im althochdeutschen Begriff Wurz, der früher für «Wurzel» oder «Pflanze» verwendet wurde (Wikipedia).

Dachwurz kommt daher, dass dem «Wetterkraut» einst eine starke blitzabwehrende Eigenschaft zugesprochen wurde und sie aus diesem Grund sogar in Töpfen auf Dächern gezogen wurde. Weitere, einst im Volksmund gebräuchliche Bezeichnungen die auf diese Eigenschaft respektive Verwendung hindeuten, sind: Donnerwurz, Jupiterbart und Donnerbart.

Dieses «wirksamste Schutzmittel gegen den Blitzstrahl» wurde aber auch erfolgreich in der Volksmedizin angewendet. Dazu diente der schleimige frische Saft der Blätter.

Mit dem frischen Saft des Donarkrautes wurde so Einiges behandelt: Hühneraugen, Warzen, «Überbeine», Wunden, Verbrennungen, Hautausschläge, wunde Brustwarzen, Hämorrhoiden und Aphten, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Ferner werden oft auch Nagelbettentzündungen, Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen und Insektenstiche als mögliche Einsatzbereiche genannt.

Gemäss dem Buch «Heilpflanzen Praxis Heute» (Siegfried Bäumler) enthalten die verwendeten Blätter «Fruchtsäuren, Gerbstoffe und Schleimstoffe. Ihnen wird eine adstringierende und antiseptische Wirkung zugesprochen…. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge wirkt die Droge zudem antioxidativ und leberprotektiv.«

Für Umschläge wurden frisch zerstossene Blätter oder für Kompressen mit Wasser verdünnter Pflanzensaft eingesetzt.

Auf diesem Bild seht ihr blühende Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorium) in meinem Garten. Sie thront hier auf einer alten Zyklopenmauer, vollsonnig gelegen, auf durchlässigem Boden, ganz so wie sie es mag. Sie zählt in den Gärten wohl zu den am häufigsten vorkommenden Sempervivum-Arten. Ihre Rosettenblätter sind sehr starr, am Rand bewimpert und weisen meist rote Spitzen auf. – Manchmal sieht man aber auch die Spinnweb-Hauswurz (Sempervivum arachnoideum) von der ihr Bilder in der Galerie am Schluss des Beitrags findet. Auffällig an dieser Art sind die Blattspitzen, die spinnwebig mit weissen Haaren verbunden sind.

Beide erwähnten Arten findet man an Naturstandorten auf felsigem Grund, Mauern und Trockenwiesen.

In den Alpen findet man neben der Spinnweb-Hauswurz auch noch die Berg-Hauswurz (Sempervivum montanum) und im ostalpinen «Zipfel» der Schweiz zudem Wulfens Hauswurz (Sempervivum wulfenii)

Die Dach-Hauswurz bildet eine Rosette aus zahlreichen dickfleischigen Blättern. Daraus geht ein bis zu 60cm hoher Stengel hervor, mit sehr schönen, rosafarbenen Blüten an der Spitze. Diese werden sehr rege von zahlreichen Insekten besucht, darunter – das kann ich immer wieder beobachten – auch zahlreiche Wildbienenarten. Auf diesem Bild seht ihr zum Beispiel eine Spalten-Wollbiene (Anthidium oblongatum). Ihr findet ein weiteres Bild von ihr in der nachfolgenden Galerie.

Übrigens: Sind die Blüten verblüht, stirbt die Rosette ab und die Pflanze lebt in den neu gebildeten Tochterrosetten weiter. Ich vermehre die Pflanzen stets vegetativ im Frühjahr, durch ihre sich bewurzelnden Tochterrosetten. Das klappt immer sehr gut.

Nun wünsche ich euch von ganzem Herzen einen guten Start in die neue Woche,

Gaby Kistler

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