
Im Mai ist die beste Gelegenheit, am Boden dieser imposanten Raupe zu begegnen, dem Weidenbohrer. Sie ist in diesem Monat auf dem Weg an einen Ort, wo sie sich verpuppen kann.
Die bis zu 10 Zentimeter lange, auffällig rote Raupe, lebt vom Holz und Saft von Bäumen, die sie bei grossem Befall durchaus zum Absterben bringen kann.
Am Anfang steht ein Nachtfalter – mit bis zu 8 cm Flügelspannweite ebenfalls von beachtlicher Grösse – der Weidenbohrer (Cossus cossus), aus der Familie der Holzbohrer (Cossidae). Ihre Tarnfarbe, die eine Rinde nachahmt, ist so gut, dass ich trotz grossem Vorkommen von Weidenbohrerraupen in unserem Garten, noch nie einen Falter entdecken konnte. Die Weibchen legen ihre Eier in die Rindenspalten von alten oder geschwächten Bäumen ab. Das wäre bei uns die alte Weide. Sie ist 40-jährig und besteht einerseits aus bereits abgestorbenen, von den Weidenbohrern völlig durchlöcherten Teilen, aber auch aus gesunden, jungen, die sich durch Absenker entwickelt haben. Dank dieser cleveren Strategie hat die alte Lady in den letzten Jahrzehnten alle Weidenbohrerattacken überlebt. Ihr seht davon Bilder in der Galerie am Schluss.
Die aus den Eiern geschlüpften Raupen ernähren sich vom Holz und den Säften des Baumes, in das sie abgelegt worden sind. Je älter und grösser sie werden, desto tiefer dringen sie in das Holz ein. Dabei hinterlassen sie von oben nach unten verlaufend, 1-2 cm breite, ovale Gänge, die bis zu einem Meter lang werden können. Die Weidenbohrerraupen schieben Kot sowie «Genagsel» aus den Gängen heraus, Ordnung muss sein.
Da ältere Raupen nach Essig riechen, kann es durchaus vorkommen, dass ihr in unmittelbarer Nähe eines Baumes mit einem grossen Weidenbohrerbefall, einen Essiggeruch wahrnehmen könnt. Die gesamte Entwicklungszeit der Raupe dauert bis zu 4 Jahre, während dieser Zeit lebt sie in Bäumen und ist in grösserer Anzahl durchaus in der Lage, diese zum Absterben zu bringen. Bevorzugt wird das Holz von Laubbäumen und zwar nicht nur von Weiden (Salix), sondern auch von Hänge-Birken (Betula pendula), Birne (Pyrus communis), Schwarzerle (Alnus glutinosa) und eben Apfel (Malus domestica). In einem Bild der Galerie seht ihr Gänge, die sie vor Jahren in unserem abgestorbenen Apfelbaum hinterlassen hat.
Jetzt im Mai, ist die Zeit, wo sich fertig entwickelte Raupen verpuppen. Das kann auf zwei Arten geschehen: Entweder vor Ort, unter der Rinde, oder aber sie machen sich auf den Weg und suchen einen Ort im Boden, wo sie sich in einen Seidenkokon einspinnen können. Just zu diesem Zeitpunkt, wenn sie sich auf den Weg zur Verpuppung macht, habt ihr die Gelegenheit, dieser auffälligen Raupe zu begegnen.
Bei einer so grossen Raupe, die bis zu zehn Zentimeter lang wird, ist es nicht verwunderlich, dass auch deren Puppenhülle beeindruckende Masse hat.
Die Flugzeit des nachtaktiven Falters dauert von Ende Mai bis Mitte August.


Wie ihr auf dem Bild erkennen könnt, weisen die Raupen recht unterschiedliche Farben auf, in einem Spektrum von dunkelrot, hellrot bis gelb-orange. Wenn ihr sie genauer betrachtet, entdeckt ihr auch ihre kräftigen Mundwerkzeuge die ihr das Raspeln von Holz ermöglichen.
Diese Raupe auf dem Bild wirkt nur klein, weil sie nicht ausgestreckt ist.
Hier seht ihr einen solchen erwähnten Absenker unserer alten Weide: Berührt ein Zweig den Boden, bilden sich an dieser Stelle sogleich Wurzeln und es entsteht eine neue, von der Mutterpflanze unabhängige Pflanze. Auf diese Weise wächst die schlaue Weide einfach dem Weidenbohrerproblem davon. Wie ihr den Bildern in der nachfolgenden Galerie sehen könnt, ist ein Teil der Weide zwar längst abgestorben, aber an anderer Stelle wächst sie einfach weiter.






