
Harz – für einige Nadelbaumarten ist es eine effiziente Waffe gegen Eindringlinge sowie wichtige Hilfe beim Verschliessen von Wunden. Doch nicht alle heimischen Nadelbaumarten haben Harz.
Kennt ihr den Spruch «es harzt», wenn etwas im Leben nicht so reibungslos läuft wie es sollte?
Wer unabsichtlich mit dem klebrigen Harz in Berührung kommt, vielleicht beim Schultern eines Weihnachtsbaums auf dem Nachhauseweg, oder wie ich, wenn ich Harz für meine Salben sammle, weiss, wie «anhänglich» das Gold des Waldes sein kann. Es lässt sich nur sehr schwer entfernen (Haare!), das Einzige was hilft, vor allem an Händen, ist jede Form von Fett, also Öl oder Butter.


Doch Harz war schon immer ein wertvoller Rohstoff für den Menschen, so bildet es zum Beispiel die Grundlage für Farben, Lacke und Klebstoffe. Und Bäumen hilft es einerseits Wunden zu verschliessen, aber auch bei der Abwehr von Feinden, worauf ich später noch eingehen werde. Baumharz besteht aus verschiedenen Terpenoiden sowie ätherischen Ölen deren Geruch ich insbesondere an heissen Sommertagen in Nadelwäldern so sehr liebe. Der Geruch von Harz gehört für mich zu meinen absoluten Lieblingsdüften, da kann mir Chanel Nº 5 gestohlen bleiben.
Das Baumharz wird in den Nadeln und Harzgängen produziert und von dort in den Stamm geleitet.
Ob nun eine Laus mit ihrem Saugrüssel eine Nadel ansticht, oder ein Bock-, Pracht- oder Borkenkäfer seine Eier unter der Rinde ablegen will: Sofort beginnt die Flüssigkeit aus den Harzzellen in die von den Insekten verursachte Wunde zu laufen und die Löcher zu verschliessen. Das verdirbt den Eindringlingen gehörig die Lust am Eindringen, sie suchen das Weite. Manchmal aber haben sie wortwörtlich Pech und bleiben am klebrigen Pech, wie das Harz auch genannt wird, kleben.


Bei meinen Recherchen über Baumharz bin ich auf eine interessante, mir bis anhin neue Tatsache gestossen: Im Gegensatz zu den heimischen Nadelbäumen Arve (Zirbe), Fichte, Lärche und Kiefer, hat die Tanne (Abies alba) keine Harzkanäle im Holz. Junge Tannenbäume bilden in der Rinde lediglich sogenannte Harzblasen aus (Bild). Von der heimischen Eibe (Taxus baccata) jedoch wusste ich bereits, dass auch sie, genauso wie die Tanne, über keine Harzkanäle verfügt.
Ebenfalls interessant: Der einzige harzführende Laubbaum, der in unseren Regionen gedeiht, ist der Amberbaum. „Styrax», so heisst das begehrte Harz das der Laubbaum liefert.
Für die Produktion von Harz benötigen Bäume viel Energie. Diese nimmt zunehmend ab, wenn sie sehr alt sind oder ihr Immunsystem von Krankheiten geschwächt ist. Dann produzieren sie nur noch sehr wenig, bis gar kein Harz mehr, und was passiert? Tür und Tor stehen offen für all jene, die das Harz bis jetzt fernhalten konnte: Borkenkäfer & Co. Sie wissen, dass ein geschwächter Baum seine effizienteste Waffe, das Harz, nicht mehr ausreichend einsetzen kann. In der Folge führt der Insektenbefall nicht selten zum Tod des Baumes.

Dann gibt es da noch den «Bernstein», bei dem es sich nicht um einen Stein, sondern um uraltes, versteinertes Harz handelt. Dieser gold- respektive honiggelbe Stein entwickelte sich während extrem langen Zeitspannen unter unzähligen Sedimentschichten. Noch heute kann man ihn an Stränden, zum Beispiel an der Ost- und Nordsee finden, insbesondere nach heftigen Stürmen, wenn das Meer diese kostbaren Schätze an die Oberfläche gewirbelt hat.
Im Innern des versteinerten Harzbrockens finden sich oft Insekten, die ebenfalls einst – wie vorgängig beschrieben – am Harz ausgestorbener Bäume vor Urzeiten kleben blieben. Aber nicht nur Spinnen, Fliegen oder Ameisen kann man im durchsichtigen Bernstein entdecken, sondern auch Rindenstücke, Blätter oder Nadeln.

Mit dem heutigen Ausflug in die Welt des Baumharzes wünsche ich euch nun allen von ganzem Herzen einen wunderschönen, 3. Adventssonntag,
Gaby Kistler
(Die Informationen für den heutigen Beitrag bezog ich unter anderem vom Baumpflegeportal)