Hagebutten – die vitaminreichsten Wildfrüchte

Auch dieses Jahr sind meine Wildrosen wieder über und über mit vielen leuchtend roten Hagebutten «dekoriert».

Sie zählen hierzulande zu den vitaminreichsten Wildfrüchten und sind daher nicht nur bei den Vögeln begehrt. Aus den Hagebutten lassen sich allerlei Köstlichkeiten herstellen die unsere Abwehrkräfte stärken und uns fit für die kommenden Wintermonate machen.

Die als Hunds-, Hag- oder Heckenrose (Rosa canina) bezeichnete Wildrose ist wie so viele andere heimische Heckensträucher eine wichtige Nahrungsquelle für viele verschiedene Tierarten.

Vom Küchenfenster aus, blicke ich direkt auf diese Rose und es freut mich stets, wenn ich die vielen Vögel beim Verköstigen der Hagebutten beobachten kann. Sie schätzen diese Energiequelle vor allem während der Wintermonate. Allen voran die Amseln, nur fehlen die ja leider zur Zeit fast gänzlich, weil sehr viele von ihnen noch immer dem grassierenden Usutu-Virus zum Opfer fallen.

Meistens hat es so viele Hagebutten an den Wildrosen, dass die Vögel sie gar nicht alle zu fressen vermögen und viele von ihnen, wie auf diesem Bild, selbst während der Blüte im Folgejahr, noch an den Zweigen hängen.

Aus diesem Grund habe ich auch absolut kein schlechtes Gewissen, wenn ich im Herbst ein paar reife Hagebutten für die Verwendung als Tee sammle.

Für den Rohgenuss müssen die angenehm säuerlich-süss schmeckenden Scheinfrüchte allerdings entkernt werden, da die enthaltenen Kerne mit juckenden, stark hautreizenden Härchen ausgestattet sind. Dies ist auch der Grund, weshalb es sich empfiehlt, bei der Verarbeitung von Hagebutten Handschuhe zu tragen.

Für die Herstellung von Mus spielen diese Härchen aber keine Rolle, denn durch das Erhitzen werden diese sozusagen «deaktiviert». Und so werden die Kerne erst nach dem Herstellen des Fruchtmuses beim Passieren entfernt. Die Kerne können nachher für den zart nach Vanille schmeckenden «Kernlestee» getrocknet werden.

Möchtet ihr die Butten für den Winter als Teevorrat trocknen, so könnt ihr wie folgt vorgehen (Beispiel):

Die Butten vollreif, im Oktober ernten, dann weisen sie den höchsten Vitamin C-Gehalt auf. Haben sie zudem noch einen Nachtfrost erhalten, sind sie süsslicher.

Vor dem Trocknen den Stengelansatz und die schwarze Fruchtkappe abschneiden, die Früchte der Länge nach halbieren und zum Trocknen auslegen. Trocknet ihr sie im Backofen, ausgelegt auf einem Blech, darf die Temperatur 50° Grad nicht übersteigen, sonst gehen die Vitamine verloren. Ihr könnt sie aber auch auf einem Kaminsims, einer Heizung oder mithilfe eines Dörrautomaten trocknen (Achtung, auch hier die Temperatur beachten).

Wichtig: Erst wenn die Hagebutten komplett gedörrt sind, in Schraubgläser abfüllen, in die garantiert keine Feuchtigkeit hineinkommt (Schimmel). Dunkel lagern.

So wird der Hagebuttentee getrunken:

Pro Tasse Tee: 1 TL klein geschnittener, getrockneter Hagebutten mit 150 ml Wasser einige Stunden oder über Nacht kalt ansetzen.

Dann seiht ihr die Hagebutten ab und bringt das abgegossene Wasser zum Kochen. Nun werden damit die Hagebutten überbrüht. Nachdem man sie 10–15 Min. hat ziehenlassen, werden sie durch einen Stoff- oder Papier(Kaffee)filter abgeseiht.

Fast schon eine etwas asiatisch anmutende Teezeremonie, aber es lohnt sich! So bleiben die Vitamine und der Geschmack bestmöglich erhalten.

Von Rudi Beiser («Unsere essbaren Wildpflanzen») habe ich für euch noch dieses Rezept für «Freyas fruchtigen Likör«:

500g nach dem Frost gesammelte – oder kurz eingefrorene – Hagebutten leicht andrücken und mit 0,7 Liter Schnaps übergiessen. Dazu noch die hauchdünn abgeschnittenen Schalen (ohne weisse Innenschicht!) von zwei Zitronen dazugeben. Nach zwei Wochen den Ansatz durch einen Kaffeefilter sieben und mit einer Zuckerlösung (250 g Zucker und 250ml Wasser) süssen.

Gemäss Beiser stärkt die Vitaminbombe Hagebutte die Abwehrkräfte und beugt Erkältungen vor. Alten Quellen zufolge sollen die Kerne (Kernlestee) eine entwässernde und steinlösende Wirkung besitzen. Und neuere Untersuchungen hätten ergeben, «dass die Hagebutte bei Gelenkrheumatismus schmerzlindernd wirkt.» Tja da hat man ja wahrlich eine Naturapotheke vor dem Haus.

Es können übrigens alle Wildrosenarten verwendet werden. Also auch die aus Asien eingebürgerte Kartoffel-Rose (Rosa rugosa) mit den auffallend grossen Hagebutten oder die auch als Zaun- oder Apfel-Rose bezeichnete Wein-Rose (Rosa rubiginosa) mit den fein duftenden Blättern.

Der Name des Likörs (Freyas Likör) kommt daher, dass die Hundsrose einst in vorchristlicher Zeit der Göttin Freya geweiht war. Jener dreifachen Göttin, die für Geburt, Liebe und Tod stand. Nach der Christianisierung übernahm Maria diesen Platz und die Hundsrose wurde zur Marienblume.

Benutzte Quellen: Rudi Beiser «Unsere essbaren Wildpflanzen», A. Vogel – health, Ursel Bühring «Hagedorn und Hopfenkranz»

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